Offenburg Ausgangssperre gilt ab Montagabend

Damit ist es ab Montag erstmal wieder vorbei: abendliches Flanieren am LGS-See in Lahr. Foto: Braun

Ortenau - Das Landratsamt hat eine erneute nächtliche Ausgangssperre im Kreis verfügt. Zuvor lag der Inzidenz-Wert für die Ortenau seit drei Tagen höher als 150. Ab Montag darf zwischen 21 und 5 Uhr nur noch raus, wer einen triftigen Grund hat.

Eindämmung der Virusausbreitung

Die Allgemeinverfügung des Kreises tritt nach deren Feststellung am zweiten darauffolgenden Werktag in Kraft. Damit gelten ab Montag, 19. April, Ausgangsbeschränkungen zwischen 21 und 5 Uhr. In dieser Zeit ist der Aufenthalt außerhalb der Wohnung nur aus triftigen Gründen gestattet. Dazu zählen insbesondere die Arbeit, einschließlich Einsätze von Feuerwehr oder Rettungsdienst, teilt das Landratsamt mit.

Als triftige Gründe gelten auch die Inanspruchnahme medizinischer, pflegerischer, therapeutischer und veterinärmedizinischer Leistungen sowie die Begleitung von hilfsbedürftigen Menschen, Minderjährigen, Sterbender und von Personen in akuter Lebensgefahr. Erlaubt ist auch die Versorgung von Tieren, wie etwa Gassi gehen, sowie der Besuch religiösen Veranstaltungen und die Teilnahme an Gerichtsterminen oder Sitzungen kommunaler Gremien.

"Es ist ein schwieriges Feld. Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust", erklärt Gesundheitsamtsleiterin Evelyn Bressau bei einer Videopressekonferenz am Freitagnachmittag zur Sinnhaftigkeit der Maßnahme. Wichtig sei, alle Maßnahmen zur Eindämmung der Virusausbreitung zu nutzen, dazu gehörten eben auch Ausgangssperren.

"Man muss sich aber Fragen: Setzt man da an der richtigen Stelle an?" In der Gesamtheit gehe es darum, Kontakte zu minimieren. "Auch mit der Ausgangssperre will man vermeiden, dass große Menschenmengen sich treffen – was nach der geltenden Verordnung jedoch auch schon nicht gestattet ist", so Bressau.

Doris Reinhardt, Pandemiebeauftragte der Kassenärztliche Vereinigung und medizinische Leiterin der Kreisimpfzentren, ergänzt: "Der Appell kann nicht sein: Hauptsache ab 21 Uhr bleibt ihr Zuhause." Wenn die Menschen nun einfach nur alles vor 21 Uhr erledigten, sei wenig erreicht. "So kann es nichts werden", konstatiert sie.

Durch die Tests in ihrer eigenen Praxis in Friesenheim merke sie ja, wie viel Kontakte noch stattfänden. Analog zum Landesschnitt liegt auch bei ihren Patienten der Anteil der britischen Virusvariante bei 90 Prozent – ähnliches bestätigte Bressau für die ganze Ortenau.

Regelbetrieb weiter eingeschränkt

Gerade in Städten sei bei der britischen Variante des Coronavirus auch im Freien das Ansteckungsrisiko groß, beispielsweise in der Schlange vor der Eisdiele, warnt Reinhardt. "Am besten verhält man sich bei diesen Infektionszahlen, als wäre man selbst anssteckend."

Durch die Ausgangssperre allein wird sich also wohl keine Entspannung der Corona-Situation einstellen. Aktuell liegt die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis bei XXX (Stand Freitag). "Ich bin ganz vorsichtig bei der Interpretation der Zahlen", so Bressau, aktuell würden aber auch die Intensivstation langsam aber sicher zulaufen.

Diese Entwicklung beschrieb auch Peter Kraemer, Medizinischer Direktor des Ortenau-Klinikums, Tags zuvor in der Sitzung des Klinikausschusses: "Die prognostizierte Entwicklung der Fallzahlen bis Ende Mai macht uns Sorge.

Zwar müssen auf den Normalstationen deutlich weniger Covid- Patienten versorgt werden als im Vorjahr. Der Druck auf die Intensivstationen ist dagegen extrem hoch", erläuterte er den anwesenden Kreisräten. Tagesaktuell konnten jedoch alle Patienten versorgt werden.

Um mehr Kapazitäten für die Behandlung von Covid-19-Patienten zu schaffen, werde der Regelbetrieb weiter eingeschränkt, teilt das Klinikum dementsprechend am Freitag mit. Im Zuge dieser Anpassung wird unter anderem das Krankenhaus Kehl die Öffnungszeiten der Notaufnahme ab Montag, 19. April, auf die Kernzeit von 9 bis 15 Uhr begrenzen. Da die Behandlung von Covid-Patienten sehr personalintensiv sei, müssten andere Bereiche heruntergefahren werden.

Das Land kündigte an, ab Montag bereits die geplante "Bundes-Notbremse" mit der gleichen nächtlichen Ausgangssperre landesweit zu verhängen – für die Ortenauer wird sich dadurch aber wohl nichts ändern.

Info

Bis September sollen 70 Prozent der Menschen in Baden-Württemberg geimpft sein, berichtete Diana Kohlmann, Leiterin der Kreisimpfzentren, am Freitag den Pressevertretern. Die Zentren sollen demnach ab Mai in Volllast laufen.

Für Offenburg würde das 2250 Impfungen täglich, für Lahr 750 bedeuten. Aktuell seien diese etwa zu zwei Dritteln ausgelastet. Durch die Freigabe des Astrazeneca-Impfstoffs für Menschen über 60 Jahren, können ab Montag durch Extra-Schichten mehrere Hunderte zusätzliche Termine angeboten werden.

Doris Rheinhardt, medizinische Leiterin der Kreisimpfzentren, appellierte an die Menschen über 60, die Chance wahrzunehmen. Zwar seien für Mai die Vakzine von Biontech und Moderna angekündigt, "das nützt aber denen, die sich jetzt infizieren, nichts."

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