Offenburg Auch finanziell ein voller Erfolg

Lahrer Zeitung

Konferenz zum Thema Mitarbeiter mit Förderbedarf bei der Lebenshilfe Offenburg-Oberkirch

Offenburg (red/sad). "Es lohnt sich für uns – zwischenmenschlich und finanziell" – da sind sich die Unternehmer, die bei der Initiative "(Aus)Bildung für alle – Arbeit für alle, Chancen für Mitarbeiter mit besonderem Förderbedarf" aus der Praxis berichtet haben, einig. Neue Wege in der Beschäftigung und in der Anleitung machen den Innovationsfaktor aus.

Mehr als 60 Gäste aus Handwerk, Industrie, IT, Dienstleistung und Bildungsträger nahmen an der Konferenz der Lebenshilfe Offenburg-Oberkirch teil. Das Podium war mit Inhabern und Geschäftsführern des regionalen Klein- und Mittelstands besetzt. Mit dabei waren Vertreter von Terraform Gartengestaltung (Schutterwald), des Weinguts Schloss Ortenberg (Ortenberg), von Das Hotel Bad Peterstal (Bad Peterstal-Griesbach), der Firma Wackerbau (Offenburg), der katholischen Kindertagesstätte Don Bosco (Lahr) sowie des mobilen Pflegediensts Küderle (Offenburg).

"Wir hatten lange nach einer Hilfskraft für den Garten-Landschaftsbau gesucht", berichtete Robert Sprickmann von Terraform. "Meist sind die Leute sehr schnell wieder gegangen." Sprickmann machte deutlich, dass in dieser Branche die harten Fakten und das Zwischenmenschliche stimmen müssen. Seit mehr als einem Jahr beschäftigt der Betrieb einen jungen Mann mit Lernschwierigkeiten als Gartenhilfskraft.

Ähnliche Erfahrungen machte auch Nico Wacker von Wackerbau. Mit seinen zwei Hilfsarbeitern mit Behinderung ist er zufrieden: "Deutschland ist in der Beschäftigung von solchen Mitarbeitern leider noch ein Entwicklungsland. Doch das Preis-Leistungsverhältnis ist top bei meinen zwei Angestellten. Und die Führungskräfte im Unternehmen profitieren ebenfalls. Sie überprüfen sich selbst, indem sie sich fragen müssen, delegiere und kommuniziere ich richtig?“

Die katholische Kindertagesstätte Don Bosco wurde durch Manuela Herzog vertreten. Seit einem Jahr arbeitet dort eine junge Frau im hauswirtschaftlichen Bereich. Ein neues Finanzierungsmodell hat das möglich gemacht. Statt ständig wechselnder Praktikanten und FSJler hat man sich dort für diese Festanstellung entschieden.

Viel Erfahrung brachte Rolf Küderle vom mobilen Pflegedienst mit. Er gab einen Einblick in die Entwicklung seiner Bürokraft mit Behinderung, die er seit drei Jahren beschäftigt. "Heute hat Herr Utz sein festes Aufgabengebiet, das er selbstständig bearbeitet – ohne Ausfallzeiten. Er richtet Mappen vor, erinnert Kunden telefonisch an ihre Termine und vieles mehr. Nach 24 Jahren und mit mehr als 70 Mitarbeitern in der Altenpflege wussten wir nicht mehr, wer den ganzen Papierkram erledigen soll. Auch die Kunden geben uns positives Feedback zu unserem Mitarbeiter." "Das Bad Peterstal Gesundheitshotel ist wohl der größte Frischling in der Runde", erklärte Steffen Nork. Und trotzdem ist auch bei seinem Mitarbeiter mit Lernschwierigkeiten die Entwicklung schon ersichtlich. Einfache Hausmeistertätigkeiten werden von ihm genau und zuverlässig erledigt. Nork möchte sogar noch mehr Arbeitsplätze für diese Zielgruppe schaffen. Vor allem im Bereich haushaltsnahe Dienste. "Denn wer soll die ganze Arbeit machen? Wir haben ein großes Gelände und viele Zimmer." In der Qualifizierung haben die Mitarbeiter mit besonderem Förderbedarf von den EU-Ausbildungsmodulen der Lebenshilfe Offenburg-Oberkirch profitiert. Ab Herbst gibt es auch die Weiterbildung für Ausbilder, die mit Azubis mit Schwierigkeiten umgehen müssen: "Train the Trainer plus" heißt es und soll Praxisbezug bieten.

Weitere Informationen: www.lebenshilfe-offenburg.de