Offenburg 356 Ortenauer erhalten deutschen Pass

Landrat Frank Scherer (Fünfter von links) und Rita Böcherer (links), Bereichsdirektorin der Sparkasse Offenburg/Ortenau, zusammen mit Bürgermeister Günter Pfundstein aus Zell (Zweiter von links), Bürgermeister Siegfried Eckert aus Gutach (rechts) und den diesjährigen Gewinnern des Integrationspreises Ortenau. Foto: LRA

Mit einem interkulturellen Programm hat das Landratsamt die im Ortenaukreis neu eingebürgerten Menschen willkommen geheißen. Zugleich wurde der Integrationspreis für Engagement, neuartige Ideen und Konzepte verliehen.

Offenburg (red/wa). Im Rahmen der Einbürgerungsfeier hieß Landrat Frank Scherer am Dienstag rund 120 neu eingebürgerte deutsche Staatsangehörige und deren Familien im Landratsamt in Offenburg willkommen.

Von 515 Neuantragstellern im Ortenaukreis erhielten im vergangenen Jahr 356 Menschen aus 60 Nationen einen deutschen Pass. Seit Beginn der Brexit-Verhandlungen wurden auch sechs Briten eingebürgert – bei insgesamt 17 seither gestellten Anträgen. Darüber hinaus gab es nach Auskunft des Landratsamts deutlich mehr Anfragen von Briten, die eine Antragsstellung in Betracht ziehen. Im Zeitraum 2002 bis 2015 seien insgesamt nur acht Briten eingebürgert worden.

Wie es weiter heißt, haben zuletzt auch einige Franzosen Interesse an einer Einbürgerung bekundet. Möglicherweise liege dies darin ­be­gründet, dass man einen anderen Wahlausgang und damit ebenfalls einen EU-Austritt befürchtete. "Die europäischen Freiheiten sind ein hohes Gut, für das wir gekämpft haben – aber es kann auch durch Wahlgang verloren gehen, wie der Brexit gezeigt hat", so Scherers Appell an die neuen Ortenauer.

Der Landrat ermunterte die Anwesenden, an der Entwicklung eines Leitbildes mitzuwirken: "Jedes Unternehmen und jede Behörde in Deutschland ist davon überzeugt, dass es ein von der jeweiligen Gemeinschaft akzeptiertes Leitbild braucht. Das gilt auch für Deutschland und deshalb müssen wir uns darüber klar sein, was dieses Leitbild ist. Es geht dabei nicht um völkisches Denken oder um ein Leitbild im antiquierten Sinne – es geht im Gegenteil darum, dass alle, auch die zugewanderten Menschen, dieses Leitbild mitgestalten."

Wie bereichernd Migration sein kann, demonstrierte das facettenreiche Rahmenprogramm der Feier. So unterhielten das italienischstämmige Gesangstalents Melissa Zucano aus Hohberg und das deutsch-französische Hip-Hop- Duo "Zweierpasch" der Zwillingsbrüder ­Felix und Till Neumann mit Musik. Schauspieler Benjamin Wendel vom Baal-novo-Theater erzählte mit dem Theaterstück "Macho man" eine interkulturelle Liebesgeschichte. Mit der gebürtigen Niederländerin Leonie Bayer sprach eine Mitarbeiterin des Landratsamts über ihren Weg zur deutschen Staatsbürgerschaft.

Integrationspreis für großes Engagement

Um die ausgeprägte Willkommenskultur und den ehrenamtlichen Einsatz in der Ortenau zu würdigen, verliehen das Landratsamt Ortenaukreis und die Sparkasse Offenburg/Ortenau im Rahmen der Feier zum vierten Mal den Integrationspreis Ortenau. Mit dem Preis werden innovative Ideen, Engagement und gelungene Integrationskonzepte anerkannt und prämiert. Eine Jury, besetzt aus Mitarbeitern des Migrationsamts und der Sparkasse Offenburg/Ortenau, entschied über die Preisvergabe. Platz eins und 1500 Euro ging an die Fahrrad-Werkstatt Offenburg von Nicola und Helmut Kiefer. Die Musikband "The worlderers" um Herbert Wickertsheim aus Seelbach erhielt den zweiten Preis. Platz drei ging an den syrischen Blogger Suliman Abu Ghaida.

Von 515 Anträgen auf deutsche Staatsbürgerschaft im Ortenaukreis wurden 2016 365 bewilligt. Die Neubürger stammen aus 60 verschiedenen Nationen. Davon besaßen 28 Prozent (100) zuvor die Staatsbürgerschaft

INFO

Einbürgerung

eines EU-Landes. Die meisten haben ihre Wurzeln in der Türkei (63), gefolgt vom Kosovo (33), Rumänien (22), Syrien (17) und Polen (15). Im Dezember 2016 lebten 46 136 Ausländer im Ortenaukreis; rund die Hälfte davon waren EU-Bürger. Damit macht der Ausländeranteil fast 11 Prozent an der Kreisbevölkerung aus.

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