Oberwolfach Rechnen um die Gold-Medaille

Die sechs endgültigen Teilnehmerhaben sich in freundschaftlicher Atmosphäre in Oberwolfach zusammengefunden, um im Wettstreit jeder gegen, aber vor allem als Team um eine möglichst hohe Punktzahl zu ringen.Foto: Haas Foto: Schwarzwälder Bote

Schüler aus ganz Deutschland bereiten sich gerade in Oberwolfach auf die Mathe-Olympiade vor. Los geht es in der kommenden Woche.

Oberwolfach. Draußen vor der Tür steht ein Schild: "Do not enter, please: This area is reserved for the International Mathematics Olympiad (IMO)!" Drinnen sitzen im Corona-Abstand sechs junge Burschen im Alter von 15 bis 19 Jahren hoch konzentriert hinter ihren Notizen. Sie kommen aus Berlin, Hamburg, Erlangen, Ingolstadt, Alzey und Porta Westfalica. Allesamt sind beziehungsweise waren sie mit Stichtag 31. März Schüler an Gymnasien und nicht älter als 20 Jahre. Am Freitagmorgen übten sie zusammen mit dem ebenfalls jugendlichen Mathematik-Studenten Ferdinand Wagner aus Bonn, um sich für die anstehenden entscheidenden Klausuren zur IMO 2021 den letzten Schliff zu holen.

Die IMO findet zum 62. Mal statt, und zwar am Montag und Dienstag von 9.30 bis 14 Uhr, nun zum zweiten Mal hintereinander offiziell im russischen St. Petersburg. Allerdings müssen die Klausuren wie im vorigen Jahr dezentral in den einzelnen Ländern durchgeführt werden. Deutscher Austragungsort ist das MFO. Der bereits mehrmalige Delegationsleiter Professor Jürgen Prestin von der Uni Lübeck merkt an: "Jeder Mathematiker weltweit kennt Oberwolfach!"

Professor aus Ukraine überwacht Ablauf

Das MFO mit seinen Räumen, der medientechnischen Einrichtung sowie auch mit der Unterkunft im nahen Hotel Zum Hirschen bietet die Gewähr für beste Organisation und einen geregelten Ablauf. Zur Überwachung des Ablaufs ist ein Professor aus der Ukraine angereist.

Die diesjährigen deutschen Teilnehmer haben sich wiederholt bei Prüfungen zunächst in den Bundesländern und zuletzt auf Bundesebene qualifiziert. Unter den erfolgreichsten zehn Teilnehmern weltweit sind seit 1959 mit Lisa Sauermann, Christian Reiher, Martin Härterich, Peter Scholze und Wolfgang Burmeister die Hälfte aus Deutschland.

Die sechs endgültigen Teilnehmer in diesem Jahr haben sich in kollegialer Weise und in freundschaftlicher Atmosphäre hier in Oberwolfach zusammengefunden, um nun letztendlich im Wettstreit jeder gegen, aber vor allem als Team um eine möglichst hohe Punktzahl zu ringen.

Die zentral gestellten Aufgaben sind dann in den beiden Klausuren in zweimal 4,5 Stunden zu lösen. Als Hilfsmittel sind nur Zeichengeräte erlaubt, nicht aber Taschenrechner. Bewertet werden die einzelnen Aufgaben einzeln. Es sind je drei Aufgaben zu lösen, die jeweils der Kategorie leicht, mittel und schwer zugeordnet sind. Themenbereiche sind Algebra, Kombinatorik, Geometrie und Zahlentheorie. Am Ende gibt es als Prämierung Medaillen in Gold, Silber und Bronze sowie eine Ehrende Erwähnung. Auf das Ergebnis, das im Internet unter dem Stichwort IMO veröffentlicht wird, sind alle gespannt. Über die Teilnehmer und die Delegationsleiter Jürgen Prestin und Stellvertreter Eric Müller aus Villingen hinaus sind das natürlich die Eltern und Freunde, die besuchten Schulen, die jeweiligen Heimatorte und alle, die im MFO den sympathischen jungen Aspiranten täglich begegnen.

In einer kurzen Gesprächsrunde konnte man sie nur schwerlich aus ihrer bescheidenen Zurückhaltung herauslocken, um Persönliches und ihre Eindrücke vom Schwarzwald in Erfahrung zu bringen: hobbymäßige Freude an der Musik, die umgebende schöne Schwarzwaldlandschaft und der angenehme Aufenthalt im Wolftal mit insgesamt exzellenten Arbeitsbedingungen am MFO kann man als Fazit der Unterhaltung ziehen.

Vorbild für die deutschen Olympioniken ist Lisa Sauermann aus Dresden. Sie wurde 2011 bei der Internationalen Mathematik-Olympiade mit vier Goldmedaillen und einer Silbermedaille ausgezeichnet und war zu diesem Zeitpunkt die bis dahin erfolgreichste Teilnehmerin an der Olympiade. Gegenwärtig nimmt sie Position drei ein. Lisa Sauermann studierte Mathematik an der Universität Bonn. Seit Herbst 2019 lehrt sie als Professorin an der bekannten Stanford University in Kalifornien. Sie ist Verfasserin zahlreicher Forschungsarbeiten. Inzwischen ist Lisa Sauermann auch verheiratet und Mutter einer Tochter.

Die Internationale Mathematik-Olympiade (IMO) ist die Mathematik-Weltmeisterschaft für Schüler und findet normalerweise jährlich jeweils in einem anderen Land statt. Die erste IMO wurde 1959 in Rumänien mit Teilnehmern aus sieben Ländern abgehalten. Sie hat sich bis zur Gegenwart nach und nach auf über 100 Länder aus allen Kontinenten ausgeweitet.

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