Oberwolfach Musikfans aus nah und fern beim "Dorph-Festival"

Oberwolfach - Bei perfektem Festival-Wetter haben rund 1300 Musikfans aus nah und fern mit den Jungs von "The Dorph" in Oberwolfach-Mitteltal die Premiere des "Dorph-Festivals" gefeiert. Die Mischung kam an und Besucher feierten bis weit nach Mitternacht.

Über Generationen hat die Familie Bonath die Fläche zwischen ihrem Hof und der Wolf bewirtschaftet. Für das Dorph-Festival zum fünfjährigen "The Dorph"-Bandbestehen hat das leicht geneigte Gelände jetzt seine eigentliche Bestimmung gefunden.

Wer allerdings noch Karten für das Festival an der "Abendkasse" um 15 Uhr ergattern wollte, musste sich etwas einfallen lassen. Die Oberwolfacher lösten das Warteschlangen-Problem auf originelle Weise: Über 100 Paar Schuhe vertraten ihre Besitzer in der heißen Mittagssonne und binnen 20 Minuten waren die letzten 300 Karten verkauft. Einige wenige Zuschauer nutzten den Nachmittag zum Sonnenbaden auf den mitgebrachten Picknickdecken, so auch Bürgermeister Thomas Bauernfeind.

Die meisten kamen erst gegen 17.30 Uhr zum ersten Auftritt der Lokalmatadorin Corina Harter. Festival-Moderator Thomas Hafen stellte die junge Bardin als changierend zwischen Kratzbürste und Elfe vor. Mit ihrer tollen Stimme versetzte Harter das Publikum mit dem Janis-Joplin-Song "Me and Bobby McGee" in die gute alte Festival-Zeit des "Summer of Love" 1970.

Corina Harter entführt in den "Summer of Love"

Als zweiter Künstler betrat Marco Pereira die Bühne an der Wolf – Backstage ging es übrigens direkt hinab ins Wasser. Der "Pate" der Oberwolfacher Musikszene genoss es sichtlich, mit den eine Generation jüngeren Jungs von "The Dorph" ein Festival zu bespielen. Pereira spielte Klassiker seiner eigenen Musikgeschichte. Für die beiden Hits "Läbe un kläbe losse" und "Uffem Weg" spielte Thomas Rauber die zweite Gitarre. Rauber bekannte, als Kind Pereiras erste CD "rauf und runter" gehört zu haben, für beide erfüllte sich mit dem gemeinsamen Auftritt ein Oberwolfacher Traum. Für die neueren Stücke wurde Pereira von Christine Diedrichs am Keyboard begleitet.

Dann folgte der gut zweistündige Auftritt der drei Dorph-Jungs Julian Bonath, Simon Meier und Thomas Rauber. Etwa ein Jahr hatten die drei an dem Festival organisiert. Zu guter Letzt waren die Musiker-Mütter nach Gengenbach gefahren und hatten dort Kerzen für den gütigen Wettergott angezündet. Die Wallfahrt hatte sich gelohnt – in einer Umbaupause verirrten sich zwar einige Regentropfen über Mitteltal, dann bog der Wettertag aber von "gewittrig" ab zu einem lauen Sommerabend. Hochkarätige Gastmusiker aus der Familie Meier, der Wolfacher Saxophon-Gott Moritz Grübel, Marco Pereira und für die Zugaben einige Musiker von "Babaloda" veredelten die perfekt einstudierten Stücke aus 40 Jahren Musikgeschichte.

Babaloda-Brass-Band legt noch eine Schippe drauf

So versah Ganter den "Blackbird" der Beatles mit einer so hauchzarten Note, dass viele Amseln in der Nachbarschaft frustiert für einige Stunden verstummten, um nur ein Lied später den Red Hot Chili Peppers noch eine besondere Schärfe zu geben – zweimal Gänsehaut am frühen Abend. Mit stehenden Ovationen bogen "The Dorph" auf die Zielgerade, wo sie für zwei Stücke den Babaloda-Frontmann Ingo Krenz und den Susaphon-Spieler Honnes Sauer auf die Bühne holten.

Ab 22 Uhr legte die Aschaffenburger Babaloda-Brass-Band tempomäßig noch eine Schippe drauf. Neben sehr laut und schnell gespielten Klassikern der Popmusik wie Michael Jacksons "Thriller" oder Robbie Williams’ "Let me entertain you" präsentierten sich die Sänger um Frontmann Ingo Krenz als rotzige Hip-Hopper und verpackten dabei so manchen harten Text zwischen die schmeichelnden Bläser-Sätze der Saxophon- und Posaunenregister.

Die Mischung kam sehr gut an und bis weit nach Mitternacht erschallten im Mitteltal Blasmusik-Klänge der etwas härteren Gangart.

Das ganze Festival über konnten sich die Besucher an einer exquisiten Streetfood-Verpflegungsstraße mit leckeren Burgern, Curry-Gerichten oder einfach nur einer Grillwurst stärken. Für die süßen Versuchungen gab es einen Eisstand und einen Wagen mit Kaffee-Spezialitäten. Alle Angebote wurden sehr gut angenommen.