Oberwolfach Kaiserstuhl einmal anders erleben

Rolf Schütt (rechts), Vorsitzender der Mineralienfreunde, dankte dem Referenten Eike-Carl Marzi für den Vortrag, der auch die Laien unter den Zuhörern begeisterte. Foto: Haas Foto: Schwarzwälder Bote

Lang anhaltender Beifall hat den Dank der Zuhörer für den Bericht über einen unter mineralogischen Aspekten erlebnisreichen Ausflug an den Kaiserstuhl zum Ausdruck gebracht. Sie lernten das Weinparadies als Fundort seltener Mineralien kennen.

Oberwolfach. Der Facharzt und versierte Hobbymineraloge Eike-Carl Marzi aus Aalen verstand es vortrefflich, diese imposante Kultur- und Naturlandschaft unter einem für gewöhnliche Kaiserstuhlwander- und weinfreunde eher weniger bekannten Gesichtspunkt umfassend multimedial vorzustellen.

Gewiss werden sich unter den Zuhörern künftig die meisten um einiges intensiver in der Natur umschauen, wenn sie wandernd auf diesem einstigen Vulkankegel unterwegs sind, der übrigens seit seiner Entstehung von circa 20 Millionen Jahren um rund 800 Meter niedriger geworden ist. Im Verlauf des einfühlsam gehaltenen Vortrags, der durch farbenprächtige Bilder auch von der perfekten Fotokunst des Referenten beeindruckend Zeugnis gab, wurde den Zuhörern mit Anmerkungen zu Historie und Kultur dieses paradiesischen Landschaftsinsel am Oberrhein ein umfassender harmonischer Gesamteindruck vermittelt.

Von Anfang an fühlten die Zuhörer sich von Eike-Carl Marzi auf die erlebnisreiche Tour von den nördlichen Erhebungen Limberg und Lützelberg bei Sasbach ganz persönlich mitgenommen.

Eine kurze Einblende innerhalb der Bilderschau zeigte die Anmut vieler Arten von wunderschönen Orchideen. Mit historischem und fachlichem Karten- und Skizzenmaterial wurden die mehrfachen Vulkanausbrüche im Miozän (vor etwa 20 Millionen Jahren) ebenso vermittelt wie die Anlage des steinzeitlichen Dorfes der Brandkeramiker von vor knapp 8000 Jahren.

Frühe und intensive emotionale Bindung an den Naturraum

Diese Siedlung wurde in neuerer Zeit in Verbindung mit dem Bau eines großen Weinlagers sorgsam und unter wissenschaftlicher Begleitung freigelegt.

Die Tulla’sche Rheinbegradigung und auch die weiteren historischen Entwicklungen etwa durch die imposante Anlage der Altstadt von Breisach mit dem weit in den Oberrheingraben hineinschauenden und sowohl Vogesen wie auch Schwarzwald grüßenden Münster fanden gebührende Beachtung. All dies machte deutlich, wie sehr der in Waldkirch aufgewachsene und beheimatete Arzt schon früh eine intensive emotionale Bindung an diesen Naturraum gefunden hat.

Das Besondere war indes, seine wissenschaftliche Akribie und die Fähigkeit, die geologischen Entwicklungen und Resultate einer Entwicklung in Jahrmillionen auch allgemein verständlich zu dokumentieren und in unglaublich präzisen Darstellungen und technisch perfekten Fotografien zu präsentieren. Imponierend sind auch seine wissenschaftlichen erdgeschichtlichen Kenntnisse, um das alles zeitlich, entstehungsgeschichtlich und für die Spezialisten auch in seiner chemikalischen Zusammensetzung passend einzuordnen. Davon profitierten schließlich auch die Zuhörer bei einigen gezielten Rückfragen.

Fachlich gesehen ging es dem Referenten vor allem darum, dem mit vielen Mineralienspezialisten durchsetzten Publikum die wunderbaren Gebilde zu Gemüte zu führen, die unter anderem unter der Bezeichnung Basanit (früher Limburgit) oder als Schichtsilikate eine maximale Größe von oft nur wenigen Zentimetern und meist nur Millimetern aufwiesen.

Fundorte sind inzwischen von Gestrüpp überwuchert

Ohne Lupe im Gepäck wäre man also bei einer auf die Mineralogie gerichteten Kaiserstuhltour völlig aufgeschmissen. Allerdings sind die im Zustand der 60er- und 70er-Jahre gezeigten Fundorte inzwischen vom Gestrüpp weitgehend überwuchert und meist nur schwer oder gar nicht mehr zugänglich.

Eine musikalisch unterlegte Schaufolge der Gebilde, oft kugelig oder in Faden- oder Strahlenform ohne als ganze "Geschmeide", geleitete die Zuhörer und Zuschauer wieder fast unmerklich zurück auf die harten Stuhlsitzflächen im "Mima".

Vorsitzender Rolf Schütt der Mineralienfreunde Oberwolfach aus Bad Wurzach hatte passend als Präsent eine Flasche Wein mitgebracht auch für die verlässlichen Vorbereiter des Vortrags vor Ort nicht vergessen. Sein Wunsch an den Referenten: "Wir würden uns nach diesem exzellenten Vortrag freuen, wenn Sie mal wieder zu uns nach Oberwolfach ins ›Mima‹ kommen würden."

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