Oberwolfacher Schnurren In das jähe Aufblühen der Tradition platzt Corona

Die Trachtenkapelle Oberwolfach legte im vergangenen Jahr einen farbenprächtigen Auftritt hin. Foto: Haas

Auch das Oberwolfacher Schnurren fällt der Corona-Pandemie zum Opfer. Dabei hat die Tradition in den vergangenen drei Jahren spürbaren Aufwind erfahren.

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Oberwolfach - In einem "Normaljahr" würde man sich nun in der "alte Wolfe" auf ein erstes fastnächtliches Großereignis hin bewegen. In der Regel wird seit Jahrzehnten um den zweiten oder dritten Sonntag vor der eigentlichen Fasnet in Oberwolfach geschnurrt. Die Schnurrthemen gaben stets vor, was beim sonntäglichen Umzug fantasievoll und mit viel handwerklichem Geschick und großem Aufwand in Szene gesetzt wird.

Zu Beginn der organisierten Fasnet innerhalb der 1951 gegründeten Narrenvereinigung wurde noch ein recht deftiges Schnurren mit einfachen Mitteln geboten. Hauptattraktion waren nach der Eröffnung durch die Narrenpolizei die "Wäschwieber“, unter die sich stets - als Frauen verkleidet - immer auch wieder Mannsbilder mischten.

Hauptakteure waren neben Luise Glutsch und Frieda Frieda vom Grünach Josefine Kiener und Maria Groß von der Kanzel sowie Gipsermeister Hermann Zambelli. Da wurde dann aus einem Wust von Wäsche irgend ein Kleidungsstück eines ortsbekannten Delinquenten herausgefischt, um anschließend gehörig und meist wohlgereimt in Versen über ihn her zu fahren.

Erdebur und Uhlbur waren beliebte Opfer

Beliebte Objekte waren dabei der Erdebur oder der Uhlbur, bei denen zum tatsächlichen Missgeschick immer noch einiges an vermeintlichen - und durchaus glaubwürdigen - Bosheiten hinzugedichtet wurde. Die beiden machten wie viele andere den Spaß mit und spielten aus ihrer humorvollen Veranlagung heraus auch mehrfach sich selbst bei den sonntäglichen Umzügen.

An Schnurrstoff schien es in alten Zeiten nie zu mangeln. In neuerer Zeit, mit nicht mehr so viel uriger Stammtisch-Unterhaltung, bei denen so einiges zum Vorschein kam, trat ein zunehmender Mangel an Schnurrthemen ein, so dass vor einigen Jahren sogar Bürgermeister Jürgen Nowak als Schnurrant einspringen musste. Aber in den vergangenen drei Jahren ging es wieder spürbar aufwärts, weil sich auch stets talentierte Jungschnurranten hervortaten. Sie überzeugten oft auch durch ihre musikalische Begabung und mitunter professionelle Ausstattung.

Mitten in dieses erfreuliche Aufblühen platzt nun allerdings der jähe Einbruch durch Corona, so dass man sich mehr oder minder mit den Rückblicken am Fernsehen zufrieden geben muss, weil ja nun beim besten Willen und noch so viel Fantasie mehr als einige Stories - vielleicht via Narrenblättle - rein gar nichts geboten werden kann.

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