Oberwolfach Duo verteilt wirksame "Herzdropfa"

Deftige, schwäbische Mundart-Comedy: Das Kabarettistenduo "Hillu’s Herzdropfa" kam in Einstimmung auf das "Rock im Wald"-Open-Air der Lempi-Hexen gut beim Publikum an. Foto: Haas Foto: Schwarzwälder Bote

Gleich von Beginn an sind Hillu Stoll aus Justingen und Franz Auber aus Schmiechen mit ihren deftigen Mutmaßungen in die Vollen gegangen. Die Mundart-Kabarettisten von "Hillu’s Herzdropfa" traten Freitagabend auf.

Oberwolfach-Kirche . Alle Lebensabschnitte wurden in rasantem Szenenwechsel wortgewandt durchquert. So zogen die beiden Schwaben ganz nebenbei die unglaublichsten Folgerungen. Dies waren fürwahr wirksame "Herzdropfa", die die beiden Komödianten gut drei Stunden lang großzügig über den Hexenplatz verteilten.

Kontakt zum Publikum: Hatten die beiden Urschwaben "von dr Alb ra" am Anfang Bedenken, sie könnten im badischen Ländle nicht so recht verstanden werden, wurde diese Befürchtung durch die aus tiefstem Verständnis herausbrechenden Lachsalven der Gäste schnell widerlegt.

Der Kontakt zu den Zuschauern war gleich hergestellt, indem sich die beiden Unterhalter die Gesprächspartner aus dem Publikum aussuchten und diese mit vertraulichem "Du" angesprachen. Die keck auftrumpfende Stoll fand schnell ihre wackeren Streitgenossen gegen die Phalanx der Männerwelt. "Gell, dau hesch doch die gleich Meinung wie iih?", fragte sie.

Lustige Szene einer Ehe: Nur vom anfänglichen Hin- und Herüberlegen, was die Akteure überhaupt vorführen wollten, entwickelte sich schon der erste Akt eines ganzen Theaterstücks. Dabei konnte Stoll nicht eindringlich genug demonstrieren, wie sie allein durch ihre "Schymnasium"-Aus- und Einbildung ihrem "Maddeis", ihrem Ehemann, überlegen sei. Er wurde am hellen Sonntagmittag – damit Stoll ihre Ruhe hat – mit einer "Epfel-schell-Maschei" an den Küchentisch verbannt. "Do het er natürlich nitt emol rausgfunde, was vorn und was hente isch", so Stoll. Den wackeren Ehemann habe das jedoch nicht davon abgehalten, sich ständig um eine List zu bemühen, wie er seinem herben Schicksal wenigstens stundenweise entrinnen könne. Für Kurzweil sorgte die neugierige Nachbarin, die regelmäßig vorbeikam, nicht nur, um nach Salz, Mehl und Eiern zu fragen, sondern auch ihre urschwäbische Neugierde zu befrieden.

Darsteller wechselt Figuren: Auch wenn sich der "Maddeis" als Bauer am wohlsten fühlte, so schlüpfte Auber auch in neue Rollen – wie etwa dem "Chef de Cuisine" im feinen Hotel oder versierten Mann von Welt beim Besuch in der Sauna. Was dabei so alles offen – oder auch halb versteckt – zutage kam, spottete jeder Beschreibung.

Obwohl es für ihn, den größten Stress bedeute, wagte sich Auber in die Figur der Freundin eines Motorradfans. Durch den anschließenden, "eindeutigen zweideutigen" Dialog über technische Raffinessen geriet das Publikum mehrfach in eine Art Prusten.

Partizipation am Festival: In zungenbrecherischer Manier verfasste das Duo mehrstrophige Lieder. Diese "Musik" passte als Auftakt des am Folgetag stattfindenden "Rock im Wald"-Open-Airs. Das Freilicht-Lustspiel erwies sich als gute Möglichkeit, damit die mittelalterliche und ältere Generation der Lempi-Hexen-Freunde, die jüngere unterstützen und an deren großem Rockfest teilhaben konnte.

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