Oberwolfach Anwohner ärgert "Dauer-Gewumme"

Windkraft-Gegner wehren sich vehement gegen Anlagen. Die BI lud Interessierte zu einer Infoveranstaltung ein. Foto: dpa

Oberwolfach - Drei Vorträge hat die Bürgerinitiative "Radlos – Windvernunft an Wolf und Kinzig" präsentiert. Rund 300 Interessierte kamen zu der Veranstaltung in der Oberwolfacher Festhalle.

Unter den Besuchern waren auch mehrere Mitglieder des Oberwolfacher Gemeinderats mit den beiden Stellvertreterinnen des Bürgermeisters, Erna Armbruster und Regina Sum.

Johannes Herrmann aus Bad Rippoldsau-Schapbach sowie Manuela Ladry und Josef Schätzle aus dem Seitental Regelsbach des Schuttertals schilderten glaubhaft, was die Windräder mit ihrem "Dauer-Gewumme" auch noch in 1500 Metern Luftlinie Entfernung anrichten können. Ihr Fazit: Die im Vorfeld und beim Genehmigungsverfahren genannten Prognosen seien rundweg falsch.

Die gesundheitliche Belastung durch den Schall sowohl extrem hoher als auch niederer Frequenz wurde von Bernhard Kuny, Landarzt im Ruhestand, analysiert. In sachlich-ruhiger Art vermittelte er sein medizinisches Wissen, um die Zusammenhänge von Lärm und Krankheiten wie Bluthochdruck, Depressionen und Migräne. Mit diesen gingen oft über Wochen hinweg Schlaflosigkeit, Übelkeit, Schwindel und Herzrasen einher. Unmissverständlich seine Forderung an die Politik: Die völlig überholte TA-Lärm müsse neu geregelt werden. Außerdem sollte man die in Baden-Württemberg extrem knapp bemessenen Abstände zwischen Windkraftanlagen und Wohnbebauung beträchtlich erweitern. Viel Beifall gab es für seinen Vortrag, der wie bei den beiden anderen Rednern durch wissenschaftliche Belege und mehrere Quellenzitate per PowerPoint untermalt wurde.

Die von Jürgen Jensen von der BI "Pro Schuttertal" vorgetragenen Erfahrungen beim kritischen Hinterfragen der Einrichtung der Großanlage von Windrädern teilte dieser offensichtlich mit Theo Feger und seinen Mitstreitern im Wolftal. Gemeinsam beklagten sie, dass es immer wieder zu Anfeindungen komme. Zudem wurde auch die Meinung vertreten, dass aufgrund der Topografie die Lärmsituation nicht mehr in herkömmlicher Weise prognostiziert werden könne. Dieses wurde mit mehreren Beispielen belegt.

Sehr ausführlich belegte eingangs des Informationsabends mit umfangreichem Zahlenwerk und vielen Tabellen und Grafiken der Ingenieur Jürgen Schöttle die gesamte Problematik der Energiewende. Für ihn steht fest, dass man den Ausfall der durch die Kern- und Kohlekraftwerke erzeugten Elektrizität nie und nimmer durch die Windkraft wird ausgleichen können. Das werde auch mit noch so vielen Windrädern, die immer höher werden, nicht gelingen. Das Problem des Speicherns von Strom werde in absehbarer Zeit nicht gelöst werden können. Eine ungewisse Möglichkeit neuer Energiegewinnung sieht Schöttle in Fusionskraftwerken, deren Entwicklung allerdings noch in den Kinderschuhen steckt. Außerdem sei ungewiss, ob diese neue Technologie überhaupt zur Anwendung kommen könne.

"Gewaltige Umverteilung des Eigentums"

Mit kritischen Ton wies Schöttle auf die weiter fortschreitende gewaltige Umverteilung des Eigentums hin: Während die untere Schicht der Bevölkerung ohne Immobilien- und Grundbesitz, die beispielsweise nicht an Solar- und Windkraft verdienen könne, ständig draufzahle, strichen andere die Gewinne ein. An seine Enkel denkend appellierte er, das "unsinnig für die Windkraft vergeudete Geld lieber in die Bildung zu stecken", denn allein durch hohe fachliche Qualifikation und Kompetenz könne man sich in Deutschland und Europa künftig die Existenz sichern.