Oberwolfach 90 Prozent der Aufträge sind weg

Die Busbranche hat unter der Corona-Pandemie wie auch andere Bereiche sehr gelitten. Vor allem die Reisebusse stehen still. Die Krise hat auch Kurt Heitzmann, Busunternehmer aus Oberwolfach voll erwischt.

Oberwolfach. Kurt Heitzmann berichtet über das emotionale Auf- und Ab der vergangenen Monate. Zuerst sei es ihm sehr schlecht gegangen, die Busse hätten gestanden, es habe ihn heruntergezogen. Das Unternehmen sei sein Lebenswerk. "Ich habe den Laden seit 45 Jahren", erzählt er.

Zuerst wurden die Fahrzeuge gerichtet und desinfiziert

Er habe gleich zu Beginn alle Möglichkeiten ausgeschöpft. 15 Fahrzeuge hat er sofort abgemeldet, davon neun Busse. Als er von der Abmeldung zurück kam, habe er die Schilder wieder an die Fahrzeuge geschraubt, der Anblick sei so besser zu ertragen gewesen. In den anschließenden zwei Wochen sei er dann damit beschäftigt gewesen, die Fahrzeuge zu richten und zu desinfizieren. Blitzblank stünden sie nun in der Garage und warten auf ihren Einsatz.

Glücklicherweise gehören zu dem Unternehmen auch Taxis, dieser Zweig ist nicht komplett zum Erliegen gekommen. Auch ein Linienverkehr wird fortgeführt. Arbeiter werden zu einem Unternehmen gebracht. Aber im Bereich Busfahrten sind 90 Prozent aller Aufträge verloren gegangen, im Bereich Taxifahrten 70 Prozent. "In so einer Situation verkauft man normalerweise einen Teil der Fahrzeuge", so Heitzmanns Überlegungen, aber auch dafür ist die Situation momentan denkbar schlecht. Das Betriebsvermögen hat nach Aussagen des Unternehmers extrem an Wert verloren.

Die Mitarbeiter bekommen Kurzarbeitergeld

Das erste Hilfspaket des Bundes habe Erleichterung gebracht. "Was die Regierung am Anfang gemacht hat, war toll", ist Heitzmann begeistert. "Ich habe Dienstagmittag den Antrag auf Fördergeld gestellt und am Mittwochvormittag war das Geld auf dem Konto. Das hat hervorragend geklappt."

Heitzmann hat Kurzarbeitergeld für seine Angestellten beantragt. "Meine Mitarbeiter sind prima, wir haben alle zurückgesteckt. Wir sind alle eine Familie, sitzen in einem Boot", betont er.

Heitzmann bedauert, dass die Verantwortung für die Hilfsmaßnahmen in der folgenden Zeit vom Bund an die Länder abgegeben wurde. "Beim zweiten Hilfspaket waren wir Busunternehmen raus", sagt er. Seit vergnagner Woche sei er wieder beruhigter. Nach Demonstrationen von Busunternehmen in Berlin sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer der Branche Hilfsmaßnahmen zu.

Es kommen glücklicherweise auch wieder Anfragen. "Gestern bekamen wir einen Auftrag, heute drei, dann sind es morgen sicher vier", zeigte sich Heitzmann Ende der vergangenen Woche optimistisch. Es sei jedoch noch zu früh für Werbung, es müsse mit angezogener Handbremse gefahren werden. Solange es die Mundschutzpflicht gebe, werde das Geschäft noch nicht laufen. Die Fahrgäste seien zum größten Teil ältere Mitbürger, die keine zwei bis drei Stunden im Bus sitzen möchten, ist er sich sicher. Es fehlen die Veranstaltungen, zu denen viele Menschen früher gerne mit dem Bus gefahren sind. "Es gibt zum Beispiel keine Cannstatter Wasen und kein Oktoberfest", gibt der 67-Jährige zu bedenken. Er schätzt, dass sich der Taxibereich auf 60 Prozent der früheren Aufträge einpendeln wird und der Reisebusbereich bei 40 Prozent. Aber immerhin fängt der Schulverkehr wieder an, ist Heitzmann erleichtert.

Das Landeskabinett hat am Dienstag den Rettungsschirm für die Reisebusunternehmen in Baden-Württemberg in Höhe von 40 Millionen Euro beschlossen. Verkehrsminister Winfried Hermann sagte: "Damit helfen wir den zahlreichen kleinen und mittleren Busunternehmen der Reisebusbranche im Land, deren Einnahmen durch die Corona-Krise vollständig weggebrochen sind."

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