Oberweier Quo vadis, TC BW Oberweier?

An der Palmengasse herrscht nach dem Abstieg in die Regionalliga bei Spielern und Fans Fassungslosigkeit. Doch so ganz haben die Verantwortlichen die Hoffnung auf eine dritte Spielzeit in der 2. Bundesliga noch nicht begraben.

Rund eine Stunde nachdem der Abstieg in die Regionalliga besiegelt war, war von der tollen Stimmung, die die rund 600 Zuschauer an der Palmengasse den ganzen Sonntag über gemacht hatten, nicht mehr viel übrig. Kurz nachdem die letzten Spieler des siegreichen TC Ludwigshafen im klatschenden Regen die Heimreise angetreten hatten, saßen und standen die Spieler des Noch-Zweitligisten TC Oberweier auf der Anlage an der Palmengasse zusammen – und sprachen kaum ein Wort.

Oberweiers Neuzugang Baptiste Crepatte vergibt fünf Satzbälle in Serie

Der Franzose Baptiste Crepatte sah noch immer mitgenommen aus, als er am Tisch vor dem Platz seine Nudeln in sich hineinschaufelte und sein Brot mit dem Jungen an seiner Seite teilte. Wenige Stunden zuvor hatte Crepatte gegen den starken Deutsch-Spanier Nicola Kuhn, der immerhin in der Akademie des Ex-Weltranglistenersten Juan Carlos Ferrero ausgebildet wurde, im ersten Satz eigentlich alles im Griff. Fünf Satzbälle in Serie hatte sich der aktuelle Weltranglisten-276. gegen den im Ranking rund 90 Plätze vor ihm klassierten Kuhn im ersten Durchgang erspielt – und alle vergeben.

Wer noch einen Beweis gebraucht hätte, dass Menschen in Stresssituationen in ihre Muttersprache verfallen, Crepatte hätte ihn am Sonntagnachmittag geliefert. "C’est criminel", schrie der Franzose seinen ganzen Frust nach einer vergebenen Chance heraus. Kuhn, eigentlich ebenfalls von der eher emotionalen Sorte, blieb ruhig und holte erst Punkt um Punkt auf, um sich dann doch noch den schon verloren geglaubten ersten Satz zu sichern. Im zweiten Durchgang ließ Crepatte dann deutlich sichtbar den Kopf hängen. Auch alles gute Zureden von Routinier Andrej Kracman half nicht. Lediglich ein Spiel sollte der Franzose noch gewinnen.

Das fehlende Selbstvertrauen Crepattes war dann auch im Doppel zu spüren. An der Seite des Belgiers Omar Salman war der Franzose gegen das Duo Benjamin Hassan/Tristan Lamasine chancenlos. Durch die 3:6, 3:6-Niederlage war der Abstieg des Klubs trotz der beiden späteren Siege von Obert/Bross und Kracman/Bauer besiegelt. Zur Ehrenrettung des Oberweier Spitzendoppels muss man allerdings festhalten, dass Ludwigshafens Hassan in dieser Saison in allen sieben Doppeleinsätzen noch überhaupt keine Federn hatte lassen müssen.

Omar Salman bezwingt Senkrechtstarter zum Abschluss

Erst vor wenigen Tagen war der rasante Aufstieg des libanesischen Davis-Cup-Spielers Hassan, der innerhalb von nur zwei Jahren in der Weltrangliste um satte 700 Plätze bis auf Rang 301 geklettert war, der "Süddeutschen Zeitung" eine Story wert. Doch im Einzel hatte ausgerechnet der in dieser Saison nicht gerade erfolgsverwöhnte Omar Salman, der vor der Partie eine Einzelbilanz von 1:4 aufwies, dem Senkrechtstarter Einhalt geboten. Mit 6:3 und 6:4 rang Salman Hassan nieder und sorgte so trotz des Abstiegs zumindest noch für einen positiven persönlichen Saisonabschluss in der Premierensaison für den TCO.

Während Salman und Crepatte auf den Plätzen nebenan ihre eigenen Kämpfe ausfochten, sorgte Oberweiers Eigengewächs Adrian Obert bei seinem Dreisatz-Erfolg über den erfahrenen Denis Gremelmayr zumindest noch für ein Highlight. Drei Matchbälle hatte der 24-Jährige bereits abgewehrt, als endlich sein 17:15-Erfolg im Match-Tiebreak feststand.

Felipe Mantilla nach Verletzung nur ein Schatten seiner selbst

Während Obert für sein athletisches Tennis und die immense Nervenstärke von den Zuschauern gefeiert wurde, schaute Oberweiers Kolumbianer Felipe Mantilla durch den Zaun zu. Ähnlich wie bei seinem Teamkollegen Salman war es eine echte Seuchensaison für den 26-Jährigen. Doch während Salman zumindest am Ende noch triumphierte, verlor der in der letzten Saison noch so starke Mantilla auch sein letztes Spiel mit 3:6 und 5:7 gegen Tristan Lamasine. "Felipe ist derzeit ein Schatten seiner selbst. Ihm fehlt einfach das Selbstvertrauen", sagte Oberweiers Cheftrainer Oliver Killeweit über seinen ein­stigen Punktelieferanten.

Für das Doppel nominierte Killeweit statt des Kolumbianers Spielführer Philipp Bauer. Zwei Monate lang war Mantilla aufgrund von Rückenproblemen ausgefallen, erst am viertletzten Spieltag war der Weltranglisten-765. für die Begegnung gegen Schlusslicht Wiesbaden eingeflogen worden. Alle vier Einzel hat der Kolumbianer seitdem verloren. "Ich habe wirklich versucht, dem Team zu helfen, aber es ging nicht. Für die Jungs tut es mir leid", äußerte sich Mantilla am Sonntagabend. "Wir hatten in diesem Jahr einfach unglaublich viel Pech. Alle Ergebnisse liefen gegen uns", fasste der 26-Jährige zusammen, was auch sein Trainer konstatierte: "Wir haben alles gegeben, aber alle Kombinationen, die für uns falsch laufen konnten, sind in dieser Saison falsch gelaufen", erklärte Killeweit.

Für Felipe Mantilla geht es in zwei Wochen mit einem Future-Turnier im mexikanischen Cancún weiter. Wie die längerfristige Perspektive an der Palmengasse aussieht, weiß der 26-Jährige allerdings nicht: "Man muss sehen, ob mich der Verein in der nächsten Saison noch braucht. Da müssen wir uns wieder zusammensetzen."

Doch nicht nur die Zukunft der ausländischen Spieler hängt in der Schwebe, auch wie es mit den einheimischen Akteuren um Paul Wörner, Adrian Obert oder Bastian Bross weitergehen wird, steht noch in den Sternen. "Da müssen wir schauen, wie ihre Pläne aussehen. Bis jetzt haben wir mit den Jungs noch nicht über die Regionalliga gesprochen", erklärte Killeweit, der sich bis zum letzten Augenblick ausschließlich mit der 2. Bundesliga beschäftigte. Und vielleicht ist die Zeit dort für Oberweier nach zwei Spielzeiten ja noch immer nicht abgelaufen: an der Palmengasse hofft man insgeheim immer noch auf einen Verzicht der Aufstiegskandidaten aus der Regionalliga.

Durch den Abstieg des Vorletzten TC Oberweier und Schlusslicht Wiesbadener THC in die Regionalliga, werden in der 2. Bundesliga Süd wieder zwei Plätze vakant. Diese werden gewöhnlich von den beiden Meistern der Regionalliga Süd-Ost und Süd-West eingenommen. Während der TEC Waldau 1 nach Aussage von Süd-West-Spielleiter Erich Frank bereits seine Zusage für den Aufstieg gegeben hat, hat der ungeschlagene Meister aus der Süd-Ost-Staffel, der TC Rot-Weiß-Landshut, noch keine Signale gesendet, ob er den Aufstieg angehen will. Bereits vor einem Jahr hatte der Klub als souveräner Meister der Regionalliga Süd-Ost auf den Gang in die 2. Bundesliga verzichtet und so dem sportlich abgestiegenen BASF Ludwigshafen den Verbleib in der zweithöchsten deutschen Spielklasse erst ermöglicht. Auch hinter den Aufstiegs-Absichten des Tabellenzweiten BW DD Blasewitz als möglichen Nachrücker steht zumindest noch ein dickes Fragezeichen. Bis zum 30. September haben die Vereine noch Zeit, ihr Interesse an einem Aufstieg zu bekunden. "Theoretisch hat Oberweier noch die Chance, die Klasse zu halten. Aber eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass die Regionalligisten zwei Jahre hintereinander auf den Aufstieg verzichten werden", unkte jedenfalls der Spielleiter der 2. Bundesliga Süd, Oliver Weber, im Gespräch mit unserer Zeitung.

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