Oberweier Das Honorar reicht kaum zum Leben

Karin Rendler arbeitet seit mehr als 25 Jahren als Hebamme. Foto: Bohnert-Seidel Foto: Lahrer Zeitung

Der Gemeinderat entscheidet am Montag über eine freiwillige Leistung für die Vor- und Nachversorge von Gebärenden. Damit soll den freiberuflichen Hebammen unter die Arme gegriffen werden, ins Rollen gebracht hat den Beschluss Karin Rendler.

Oberweier. Ettenheim und andere Gemeinden haben es bereits vorgemacht. Wenn der Gemeinderat es will, wird es auch in Friesenheim ab dem 1. März eine freiwillige Leistung in Höhe von 30 Euro für die Vor- und Nachsorge von Gebärenden geben, um so das Berufsbild der Hebammen in Friesenheim zu sichern. Es geht dabei um die Sicherung der häuslichen Versorgung von Gebärenden. Den Beschlussvorschlag hat Katrin Rendler, die selbst seit mehr als 25 Jahren als Hebamme arbeitet, vorgebracht.

Rendler möchte nicht klagen, aber auch sie habe die Hausgeburtshilfe in den Familien aufgegeben. "Hausgeburtshebammen bezahlen eine jährliche Versicherungssumme von 8000 Euro", erklärt sie.

Die Geburten steigen, die Anzahl der Hebammen aber sinkt

"Zu viel und eigentlich kaum mehr zu tragen", sagt die Oberweiererin. Dabei würden freiberufliche Hebammen so dringend gebraucht werden wie nie. Die Geburten steigen und die Anzahl der Hebammen geht zurück. Viele Schwangere wüssten noch nicht einmal, dass sie vom ersten Tag der Schwangerschaft an die Hebammenhilfe in Anspruch nehmen dürfen. Außerdem stünden jeder Schwangeren Kurse in der Geburtsvorbereitung, Säuglingspflege oder der Stillvorbereitung zu. Damit der Beruf der Hebamme nicht ausstirbt, hätten viele Gemeinden unterstützend nachgelegt. Ettenheim beispielsweise vergütet einmal über den Stadthaushalt 30 Euro für Gebärende, die ihren Wohnsitz im Ort haben als freiwillige Leistung, als eine Art Betreuungsgeld für die Vor- und Nachsorge. Um diese Form von Sicherung der häuslichen Versorgung habe Rendler auch bei Bürgermeister Erik Weide angeklopft. Ob sie damit Erfolg haben wird, entscheidet sich am Montag.

Aber was wäre, wenn es die freiberufliche Hebamme nicht mehr gibt? Dann hätten wir, was es bereits in manchen Großstädten gibt – Notprogramme und Beratung über das Telefon oder der Besuch der Hebamme in der Klinik, so Rendler. Dabei sei das Wochenbett, die Zeit Zuhause im behüteten Umfeld, fern jeglicher Krankenhauskeime, elementar für die Entwicklung von Mutter und Kind.

1000 Mütter hat Rendler bei der Geburt begleitet

Und doch zwickt es im Geldbeutel der Hebammen. Das Honorar reiche kaum zum Leben. "Für dieses Geld würde kein Handwerker ins Haus kommen", bemerkt Karin Rendler. Ihr Einsatzgebiet zieht sich über einen Radius von mehr als 40 Kilometern. Trotz aller Widrigkeiten würde sie immer wieder den Beruf der Hebamme ergreifen, sagt sie. Kurz überlegt sie und sagt: "Gut 1000 Kinder dürfte ich bisher zur Welt gebracht haben." Karin Rendler nimmt sich Zeit für Familien. So viel, wie Mutter, Kind, aber auch der begleitende Vater benötigen. Für sie ist der Beruf eine Berufung.

Am Montag, 25. Februar, wird ab 19 Uhr in einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderats im Bürgersaal Friesenheim über die Vergabe der Leistungen entschieden.

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