Oberhausen "Unser Erfolg spricht sich rum"

Line Rieder vom TuS Oberhausen wurde vom DHB zum Sichtungslehrgang nach Heidelberg eingeladen. Foto: Lahrer Zeitung

Wie das berühmte gallische Dorf stemmt sich auch der TuS Oberhausen gegen Bedrohungen von außen. Konkret: den Mitgliederschwund im Jugendhandball. Und das mit Erfolg. Der Grenzverein schreibt derzeit eine echte Erfolgsgeschichte.

Überall hört und liest man in den letzten Jahren vom Mitgliederschwund in den Sportvereinen. Selbst traditionell gut besuchte Sportarten wie Fußball und Handball sind davor nicht gefeit. Die Jugend verbringt ihre Zeit in Ganztagsschulen und im Internet. Und wer dennoch Sport machen will, bezahlt für Flexibilität häufig lieber das teurere Fitnessstudio. Doch dass es auch anders gehen kann, beweist die Entwicklung beim TuS Oberhausen.

Während die erste Männermannschaft des Vereins, unterstützt durch zahlreiche Spieler aus dem benachbarten Frankreich, derzeit den Aufstieg in die Südbadenliga anpeilt, setzt der Verein im Nachwuchsbereich komplett auf die Jugend aus der Region. Und das durchaus erfolgreich. Vor allem bei den Mädchen hat der TuS den Abwärtstrend gebremst und schreibt derzeit eine echte Erfolgsgeschichte: "Vor vier Jahren sind wir hier mit gerade einmal sieben Mädchenin der D-Jugend gestartet. In der nächsten Spielzeit haben wir schon fünf Mädchenmannschaften", freut sich der Trainer der weiblichen C-Jugend, Stefan Rieder. "Unsere weibliche Jugend entwickelt sich definitiv gegen den Trend." Von der E- bis zur B- Jugend sind zur neuen Saison alle weiblichen Mannschaften besetzt. Aber das reicht dem Verein nicht. Ziel sei es, bald wieder allen Altersklassen Handball im Verein zu ermöglichen, erklärt Rieder. Und nicht nur die Quantität stimmt inzwischen beim Klub, auch die Qualität kann sich durchaus sehen lassen. Denn über mangelnden Erfolg kann sich der Verein nicht beklagen. Im Gegenteil: Bereits zwei Spieltage vor Saisonende wurden die D-Jugend-Mädchen Bezirksmeister - und das ungeschlagen. Somit qualifiziert sich die Mannschaft, die über zahlreiche Bezirksauswahlspielerinnen verfügt, bereits das dritte Jahr in Folge für die Südbadische Meisterschaft. Aber damit nicht genug: Die komplette C-Jugend gehört der Bezirksauswahl an. Fünf Spielerinnen sind in der SHV-Auswahl und drei Spielerinnen waren sogar zuletzt bei der Sichtung zur Jugendnationalmannschaft in Heidelberg. Rund 60 Mädchen spielen inzwischen in den diversen Jugendteams des TuS. Damit sind mehr als die Hälfte der Jugendlichen in Oberhausen Mädchen.

Ex-Bundesligaprofi Ehrler als Zugpferd

Zugpferd des ungewöhnlichen Aufschwungs beim TuS Oberhausen ist der Ex-Bundesligaspieler des TuS Hofweier, Wolfgang Ehrler. Zu Beginn der letzten Saison ließ sich der ehemalige Trainer des Drittligisten SG Köndringen/Teningen, der nach 17 Jahren im Verein 2011 von Ole Andersen abgelöst wurde, vom Leistungswillen der Mädchen überzeugen und heuerte als Jugendtrainer bei seinem Stammverein an. "Eigentlich wollte ich ja nichts mehr machen", gesteht der gebürtige Oberhausener Ehrler. "Doch dann hat er sich von den Mädchen um den Finger wickeln lassen", ergänzt Trainerkollege Rieder. "Ein Mädchen kommt sogar extra aus Karlsruhe, um unter Ehrler zu trainieren. Für den Verein ist Wolfgang ein absoluter Glücksfall." Die meisten Spielerinnen stammen allerdings aus den Dörfern und Gemeinden in der Umgebung, verrät Rieder, der als Sportlehrer in Ettenheim tätig ist. Und der Trainer ist durchaus optimistisch, dass die positive Entwicklung im Jugendbereich noch lange nicht zu Ende ist. "Vor allem Mädchen suchen nach einem Sport, bei dem sie sich wohlfühlen. Alle Mädchen, die zu uns kommen, bleiben auch," verrät Rieder. Und ergänzt nicht ohne Stolz: "Unser Erfolg spricht sich rum."

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