Oberhausen TuS Oberhausen will Schwung aus Derbysieg mitnehmen

Oberhausens Linksaußen Fabien Stoeffler zeigte gegen Herbolzheim eine ganz starke Leistung. Foto: Archiv: Wendling

Die Betreuerin der Einlaufkinder strahlte über beide Ohren über die Lösung des Pro­blems, das Oberhausens Spielgestalter Clement Martinez gewissermaßen selbst verusacht hatte. "Alle Kinder wollen immer nur mit Clement einlaufen. Der hat irgendetwas Besonderes", hatte die Frau noch kurz vor dem Anpfiff der Partie des heimischen TuS gegen den TV Herbolzheim geklagt. Und wie auch auf dem Spielfeld hatte der Regisseur eine kreative Lösung gefunden, um das Problem zu beseitigen: Ein Kind an der Hand, das andere kurzerhand grinsend unter den Arm geklemmt und los ging es aufs Spielfeld.

 

So wie die Betreuerin vor dem Spiel wirkte auch Oberhausens Trainer Francois Berthier nach dem Abpfiff sichtlich erleichtert. Und warum auch nicht? Immerhin hatte sein Team am Samstagabend in der mit rund 500 Zuschuern bestens gefüllten Rheinmatthalle in Oberhausen mit dem "Team der Stunde", dem TV Herbolzheim, gerade einen der wohl größten Stolpersteine auf dem Weg zum Relegationsrang in der Landesliga Süd aus dem Weg geräumt. Sechs Spiele hatte der Nachbar aus Herbolzheim, der nach einer Seuchen-Hinrunde mit zahlreichen Verletzten endlich wieder mit großem Kader und noch größerem Selbstbewusstsein ins neue Jahr gestartet war, nicht verloren. Und dann das: eine überdeutliche 31:22-Packung im prestigeträchtigen Derby. Mit dieser unglaublichen Dominanz seines Teams, das bereits zur Halbzeit mit sechs Toren vorne gelegen hatte, hätte auch Berthier nicht gerechnet: "Normalerweise geht so ein Derby mit einem Tor Unterschied aus." Dass es dann doch so deutlich wurde, hatte der TuS vor allem einer imposanten Abwehrleistung zu verdanken, bei der Oberhausens Abwehrrecken um Florian Stern und Dominik Köbele gut verschoben und vor allem Dominik Klausmann am Kreis weitgehend abmeldeten. Was dann doch den Weg aufs Tor fand war dann in der Regel leichte Beute für TuS-Torhüter Lionel Gasser, der seit Wochen in bestechender Form ist und mit Paraden am Fließband den langfristigen Ausfall von Routinier Christian Hilß immer mehr vergessen macht. Einzig gegen die Wurfgewalt von TV-Shooter Niklas Pommeranz konnte selbst der Franzose an diesem Tag wenig machen.

Auf elf Treffer brachte es Pommeranz am Ende. Doch alleine konnte Pommeranz wenig ausrichten, schließlich fehlte mit David Knezovic der andere große Torjäger im Herbolzheimer Team. "Ohne Linkshänder im Team konnten wir auf der rechten Seite keinen Druck erzeugen", erklärt Gästetrainer Mario Reif im Gespräch mit der Lahrer Zeitung. Knezovic hatte sich genau wie Abwehrchef Frank Reymann bereits Anfang der Woche mit Grippe-Symptomen vom Training abgemeldet und war nicht rechtzeitig für das Spiel fit geworden. "Mit einem fitten David Knezovic hat man gesehen, wie sich die Mannschaft in den letzten Wochen gesteigert hat", so Reif.

Aber auch in der Abwehr habe es seine Mannschaft der Berthier-Sieben viel zu einfach gemacht, gesteht Reif: "Der TuS macht vorne eine einfache Dreierkreuzung und das Ding war erledigt", ärgerte sich Reif über die Naivität seiner Defensive. Sein Kontrahent Berthier freute sich dagegen über die taktische Variabilität seiner Truppe, die stets die richtigen Lösungen fand: "Der TV wollte Manndeckung gegen Martinez spielen, aber das hat nicht so richtig funktioniert."

Während für Herbolzheim nach dem kurzen Höhenflug die Augen wieder in Richtung Keller gerichtet sind ("Bis zum Relegationsrang ist es nicht weit"), blickt Francois Berthier in die entgegengesetzte Richtung: den zweiten Platz, der zur Teilnahme an den Aufstiegsplayoffs berechtigt. Dort steht aktuell die SG Gutach/Wolfach, die sich am Wochenende ebenfalls keine Blöße gab und nach einer überragenden zweiten Halbzeit Steißlingen 2 mit 29:22 besiegte. Am kommenden Samstag kommt es nun zum direkten Aufeinandertreffen der beiden Aufstiegskonkurrenten in Gutach. "Das wird unglaublich schwer", gesteht der TuS-Trainer. "Schließlich darf man nicht vergessen, dass wir gegen Herbolzheim zwar ein gutes Spiel gemacht haben, aber noch lange nicht Weltmeister geworden sind."

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