Neuried Tabakernteim Ried läuft

Tabakbauer Jochen Adam vor dem Getrockneten Tabak. Foto: Fink Foto: Lahrer Zeitung

In Deutschland wird auf insgesamt rund 2000 Hektar Tabak angebaut. Auch die Tabakbauern haben mit der Hitze und der Trockenheit in diesem Sommer zu kämpfen. Im Ried hat die Ernte bereits begonnen. Jochen Adam berichtet, wie es dabei läuft.

Neuried. In Deutschland wird Tabak in sieben unterschiedlichen Regionen angebaut. Durch diese regionale Streuung ist der Verband in der Lage, stets Erträge zu garantieren, auch bei regional auftretenden Widrigkeiten. Der Wetterwarn- und Pflanzenschutzdienst ermöglicht ein effektives Risikomanagement.

Im Bereich des Landesverbands der baden-württembergischen Tabakpflanzer wird von 35 Pflanzern Tabak angebaut. Allein auf 1100 Hektar werden in der Orten­au, im Markgräfler Land und im Bereich Mannheim, Heidelberg und Bruchsal Tabakpflanzen der Sorte Virgin gepflanzt und geerntet. Damit findet ein Großteil der deutschen Tabakproduktion im Ried statt, erläutert der Altenheimer Jochen Adam als Vorsitzender des Landesverbands in Baden-Württemberg.

In der Ortenau werde jetzt in Ringsheim, Kippenheimweiler, Altenheim, Dundenheim, Schutterwald und Goldscheuer Tabak geerntet und anschließend in Heißluftöfen getrocknet. Bis 2009 sei auch noch die Sorte Geudertheimer angebaut worden, die in den Trockenschuppen an der Luft getrocknet wird. Aufgrund des im Vergleich sehr hohen Arbeitsaufwands von etwa 800 Stunden pro Hektar und aufgrund der dadurch hohen Lohnkosten lohnte sich der Anbau nicht mehr. Die Sorte Virgin kommt mit rund der Hälfte der Arbeitsstunden aus.

Vermarktet wird der Tabak vom Bundesverband Deutscher Tabakpflanzer. Die Hälfte der Ernte geht an den Erstverbeiter, die Firma Rotak in Karlsruhe. Die andere Hälfte des Tabaks geht direkt in die Shisha-Produktion und wird in Wasserpfeifen geraucht.

"Dieser Markt boomt", sagt Adam. Der Deutsche Tabak sei bestens für die Shisha-Produktion geeignet. Er enthalte vergleichsweise wenig Nikotin, habe einen hohen Zuckeranteil und sei geschmeidig im Blatt bei der Verwendung als Trägerstoff.

Tabak liebt es warm und feucht

Der Tabak liebt ein feuchtes Klima und verträgt Temperaturen bis zu 30 Grad, wenn genügend Wasser zur Verfügung steht. Die meisten Anbauer haben ihre Pflanzen daher in den letzten Wochen bewässert. "Wo beregnet werden kann, sind auch in diesem Jahr vollkommen normale Erträge zu erzielen", sagt der Vorsitzende des Landesverbands. Ohne Beregnung gibt es allerdings erhebliche Ertragsausfälle. Dies betätigt auch der Dundenheimer Tabakpflanzer Martin Sunderer.

Dass sich das Klima verändert, sei nicht zu bestreiten, ist Adam sicher. Er weist aber auch darauf hin, dass es immer schon mal heiße Sommer gegeben habe, wie zuletzt im bisherigen Jahrhundertsommer 2003, aber auch schon in den früheren Jahren 1983, 1976 oder 1959, wie ihm vor allem ältere Menschen immer wieder erzählen.

Die Aussichten für die Zukunft stehen nicht schlecht, solange ausreichend bewässert werden kann, prognostiziert Adam. Sorgen machen ihm jedoch die steigenden Produktionskosten, das steigende Lohnniveau und auch, dass es immer schwieriger wird, überhaupt irgendwelche Saisonarbeitskräfte zu bekommen. Rund 96 Prozent der deutschen Tabakpflanzer nutzen nämlich keine Erntemaschinen. Deutscher Tabak wird überwiegend von Hand gepflückt und ist daher frei von Druckstellen. Damit sind weiterverarbeiteten Betrieben beste Blätter garantiert.

Die geernteten Tabakblätter werden mehrere Wochen lang getrocknet. Der Wassergehalt der Blätter sinkt von 90 Prozent direkt nach der Ernte auf einen Gehalt von etwa 15 Prozent, die Blätter färben sich braun und chemische Abbauprozesse setzen ein. In Deutschland ist die Trocknung in Tabakschuppen die bevorzugte Methode.

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