Online-Angebote der Kirche erreichen nicht viele Jugendarbeit gestaltet sich schwierig

Nicht nur Gottesdienste mussten im Coronajahr 2020 ausfallen, auch die die Jugendarbeit konnte nicht so gestaltet werden, wie es sich die Kirchengemeinde gewünscht hätte. Foto: (Symbolfoto) Ehrlich

Neuried/Friesenheim - 2020 war geprägt von Absagen und Einschränkungen – auch innerhalb der Kirche. Pfarrerin Anna Schimmel aus Neuried und Diakonin Chantal Schön aus Friesenheim erzählen, was in der Jugendarbeit geleistet werden konnte – und was nicht.

Zu Beginn der Corona-Pandemie habe noch ein ebenso gutes Verhältnis zwischen Kirche und Jugend geherrscht wie zuvor. "Mit weiterem Fortschreiten wurde aber deutlich, dass die Teilnahme an Online-Angeboten deutlich abnahm und der hohe Druck auf Schüler vonseiten der Schulen damit im Zusammenhang stand", erklärt Chantal Schön, Diakonin in der evangelischen Kirche in Friesenheim, gegenüber der Lahrer Zeitung. Seit den Pfingstferien würden sich die Jugendlichen aber wieder treffen können, mit einem vorliegenden Hygienekonzept versteht sich. Zuvor wurden Angebote für Jugendgruppen online veranstaltet.

"Für mich hat die Pandemie gezeigt, wie wichtig es ist, die Kirche gerade in technischer Hinsicht besser auszubauen – was Internet in den kirchlichen Räumen angeht, aber auch die Bereitstellung von elektronischen Geräten für einkommensschwache Familien", sagt Schön.

Außerdem zeige die Pandemie, wie wichtig doch die Beziehungsarbeit für die Kirche sei, vor allem in Bezug auf die Jugend. Die Mitglieder eines Konfirmanden-Jahrgangs nur online zu treffen, sei für die Konfirmanden und für die Kirchengemeinde mehr als schwer, "um ein Wir-Gefühl der Gemeinschaft zu schaffen, was essenziell ist für diese Zeit". Durch die Pandemie sei für Schön eines deutlich geworden: "Die Kirche muss moderner werden." Sich nur auf Richtlinien und Paragrafen festzulegen, weil man Angst habe, etwas Neues auszuprobieren, funktioniere im Zeitalter von Tik-Tok, Instagram und Snapchat nicht mehr. Um nur ansatzweise diese Zielgruppe zu erreichen, müsse die Kirche ihr Image verbessern, in dem sie genau auf diesen Kanälen auch Präsenz zeige.

"Aufgrund der geringeren Beziehung zu den Jugendlichen der letzten zwei Konfirmanden-Jahrgänge konnten nur wenige Jugendliche für die kirchlichen Angebote begeistert werden", bedauert Schön.

Auch in Neuried habe sich die Arbeit mit und für die Jugendlichen schwierig gezeigt. "Da erwischen Sie mich bei einem Thema, dass mir echt Sorgen bereitet hat", sagt Pfarrerin Anna Schimmel gegenüber der Lahrer Zeitung. Sie habe sich – "obwohl ich ja gerne auch digital unterwegs bin" – mit der Jugendarbeit in der Pandemiezeit sehr schwer getan. Ein kleiner Teil des Jugendkreises habe sich regelmäßig online getroffen – aber die Konfi-Arbeit sei so gut wie auf Eis gelegt gewesen. "Als Bezirksjugendpfarrerin habe ich auch nur an digitalen Sitzungen der Bezirksjugend teilgenommen und eher an die Zeit ›danach‹ gedacht", sagt Schimmel.

Auf Instagram hat Pfarrerin Anna Schimmel mit einer Kollegin ein Format ins Leben gerufen: "Prost Gott! Zwei Pfarrerinnen am Montag". Die beiden Frauen treffen sich ab und an montags auf "Instalive" und erzählen aus ihrem Leben und Alltag als Pfarrerinnen. Meistens gibt es zwei Themen. Beispielsweise "Brides and Birthdays" – da wurde über Hochzeiten und Geburtstagsbesuche erzählt. "Neulich habe wir über unsere Lieblingsgeschichten der Bibel berichtet. Oder einmal über Beerdigungen und Fashion", erzählt Schimmel. Die Zuschauerzahl liege meist zwischen 30 und 50. Interessierte können bei Instagram #prostgott eingeben und gelangen so zu den Gesprächen. Wann genau das nächste stattfindet, steht noch nicht fest.

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