Neuried Familiärer Rahmen statt großem Fest

Neuried. Für seine Bürger hat er stets ein offenes Ohr und ist neben dem Amt des Bürgermeisters auch ein großartiger Entertainer: Jochen Fischer feiert morgen, Sonntag, seinen 50. Geburtstag. Die Corona-Krise macht dem Neurieder Bürgermeister hinsichtlich des geplanten großen Fests zwar einen Strich durch die Rechnung, gefeiert werde aber dennoch. Neben seinen Geburtstagswünschen hat er der Lahrer Zeitung verraten, was die Höhepunkte in seiner bislang siebenjährigen Amtszeit waren.

Herr Fischer, die aktuelle Situation macht ein Geburtstagsfest unmöglich. Feiern Sie am morgigen Sonntag trotzdem?

Ja, eigentlich war ein großes Fest geplant. Wir müssen uns den Umständen nun aber anpassen. Statt dem großen Fest feiere ich meinen Geburtstag im kleinsten familiären Rahmen – nur meine Frau, unsere Kinder und ich.

Was wünschen Sie sich zu ihrem großen Tag?

Natürlich hat man immer materielle Wünsche, auf die möchte ich jetzt aber gar nicht eingehen. Das ist nur Luxus. Ich wünsche mir, dass meine Gesundheit soweit mitmacht, dass ich wieder richtig auf die Beine komme. Ich habe gerade eine Wirbelsäulen-OP hinter mir.

Sieben Jahre sind Sie bereits im Amt, was war der Anreiz, 2013 zu kandidieren?

Ich hatte damals das Gefühl, dass ich dieses Amt ausfüllen könnte. Ich wollte der Gemeinschaft, in der ich aufgewachsen bin, etwas zurückgeben.

Hatten Sie sich den Job genauso vorgestellt, wie er ist?

Nein, ganz und gar nicht. Das Amt des Bürgermeisters ist sehr viel abwechslungsreicher und vielseitiger, als man sich das von außen vorstellen kann.

Haben Sie es jemals bereut?

Diese Entscheidung habe ich noch keinen Moment bereut!

Was macht Ihnen am meisten Spaß an ihrem Beruf?

Es macht mir unheimlich Spaß, dass ich immer noch jeden Tag etwas dazulerne und ein tolles und engagiertes Team um mich herum habe, das mich trägt.

Was waren für Sie in ihrer Zeit als Bürgermeister bislang die Höhepunkte?

Besondere Höhepunkte sind für mich immer die Vereinsfeste und Konzerte im Jahresverlauf. Wenn ich bei den Vereinen bin und das ehrenamtliche Engagement sehe, das die Menschen für die Vereine einbringen, dann denke ich immer: "Ja, das ist Gemeinschaft – Gemeinschaft, der ich vorstehen darf." Das sind die wirklichen Lebensadern einer Gemeinde – Und die funktionieren bei uns noch sehr gut!

Gab es auch Tiefpunkte?

Richtige Tiefpunkte kann ich in den sieben Jahren als Bürgermeister von Neuried wirklich keine ausmachen.

Werden Sie 2021 nochmals kandidieren?

Natürlich mache ich mir dazu aktuell schon Gedanken. Aber es ist noch zu früh, mit diesen Gedanken an die Öffentlichkeit zu gehen. Fragen von Nadine Goltz

Kindheit und Schule: Jochen Fischer wuchs mit drei älteren Geschwistern in Ichenheim als Sohn von Doris und Oswald Wendle auf. Nach der Grundschule besuchte er die Realschule in Ichenheim, die er mit Erfolg abschloss. Ausbildung und Studium: Nach der Schule absolvierte er bei der BASF Willstätt eine Ausbildung zum Chemiefacharbeiter. Mittels Telekolleg II erwarb er danach die Fachhochschulreife und studierte im Anschluss "Chemische Technologie" an der FH Darmstadt. Beruf: Nach seinem Studium war er in der Technischen Marktbearbeitung Verpackungsdruckfarben bei der BASF Drucksysteme GmbH in Willstätt beschäftigt. 2006 wechselte er zur österreichischen Firma "Impress Decor" und übernahm die Entwicklungs- und Produktionsleitung eines unternehmenseigenen Farbherstellers in Spanien. Dort wurde er innerhalb des Unternehmens in den Potenzialführungsstab mit aufgenommen und absolvierte mehrere Führungsseminare am Zentrum für Unternehmensführung in Zürich. 2009 wechselte er als Betriebsleiter zur "Printing Inks Technology AG" nach Halle/Saale. Familie und Freizeit: 1998 heiratete er Heike Fischer und nahm deren Nachnamen an. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Er war in der Musikkapelle aktiv und übt sonstige musikalische Tätigkeiten auch zusammen mit seiner Tochter Hannah Luna aus. Kadidatur: Als 2013 die Wahl zum Bürgermeister der Gemeinde Neuried anstand, bewarb er sich und setzte sich letztlich gegen den bisherigen Amtsinhaber Gerhard Borchert durch. "Ich versuche mein Amt so gut es geht auszufüllen und meinen Dienst als Dienst an der Gemeinschaft zu sehen", sagt er. Dabei versuche er sich ehrenamtlich genauso zu engagieren wie alle Bürger auch. Er hoffe, dass er trotz seiner 2015 diagnostizierten Krebserkrankung dieses Amt weiter ausfüllen kann. df

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