Neuried "Er hinterlässt eine große Lücke"

Neuried - Ganz Neuried trauert um Bürgermeister Jochen Fischer, der von Samstag auf Sonntag gestorben ist. Die Lahrer Zeitung hat die Ortsvorsteher gefragt, was Fischer ausgemacht hat und was durch ihn möglich gemacht wurde.

Fünf Jahre lang von Krebs geplagt 

"Wir mussten bereits in den letzten Tagen mit seinem Ableben rechnen. Aber es ist etwas ganz anderes, diese Nachricht dann endgültig zu bekommen", erklärte Bürgermeister-Stellvertreter Peter Heuken am Sonntag im Gespräch mit der Lahrer Zeitung.

Bereits 2015 war bei Fischer Krebs diagnostiziert worden. Von einer erneuten Operation konnte er sich nicht wieder erholen und ist von Samstag auf Sonntag im Alter von 50 Jahren gestorben. Die Lahrer Zeitung hat sich mit den fünf Ortsvorstehern unterhalten und nachgefragt, was für sie das Eindrücklichste an Fischer war.  

Jochen Strosack, Altenheim: "Über den Tod unseres Bürgermeisters bin auch ich sehr betroffen. Es ist ein hartes Schicksal, im Alter von 50 Jahren aus einer erfüllenden Tätigkeit herausgerissen zu werden. Beeindruckt hat mich die Souveränität, wie Jochen Fischer mit Argumenten und Meinungen umgegangen ist, die nicht seiner eigenen Auffassung entsprachen. Da war nie eine verletzte Eitelkeit zu spüren. Auch ist es ihm in besonderer Weise gelungen, bei komplexen Themen als Moderator zu wirken und unsere Bürger bei den Entscheidungen mitzunehmen.

In den ersten Jahren seiner Tätigkeit hat sich dies beispielsweise beim Thema ›Erweiterung der Kiesabbaufläche‹ gezeigt, wo wir nach vielen emotionalen Diskussionen letztlich zu einer Lösung gekommen sind, die eine große Mehrheit im Gemeinderat – und ich denke auch in der Bevölkerung – gefunden hat. So hinterlässt er eine große Lücke."  

Hilde Wurth-Schell, Müllen: "Gleich zu Beginn seiner Amtszeit hat er allen Ortsvorstehern angeboten, immer wieder persönliche Gespräche zu führen. Hierfür kam er im Abstand von vier bis sechs Wochen immer wieder in die jeweiligen Verwaltungen, ganz gleich, wie voll auch der Terminkalender war. So gingen auch die kleinen Probleme der kleineren Ortsteile nie unter. Das waren immer sehr bereichernde Sitzungen, die mir definitiv fehlen werden."  

Helmut Roth, Ichenheim: "In der gesamten Zeit, in der ich mich nun für die Kommunalpolitik einsetze, ist mir eines immer wieder aufgefallen: Jochen Fischer war immer offen und ehrlich und hatte stets das Bedürfnis, die Gemeinde durch ein ›Wir-Gefühl‹ zu stärken – und hat dies meiner Meinung auch geschafft. Den Weg, den er eingeschlagen hat, war richtig. Ich würde keine Stunde missen wollen, in denen wir beisammen saßen."  

Hans Mild, Dundenheim: "Als 2013 bekannt wurde, dass Jochen Fischer kandidierte, wusste ich noch nicht einmal, wer diese Person ist. Als Bürgermeister gewählt, spürte ich beim ersten Kontakt, dass dieser Mann mit viel Herzblut, ortsteilübergreifend und voller Tatendrang dieses Amt wahrnehmen will. Die persönliche ›Wärme‹ beim Gespräch, das Winken, wenn wir uns begegneten, ein gemeinsamer Absacker nach einem Fest, das alles sind Mosaiksteine für eine gute Zusammenarbeit.

Seine Neujahrsempfänge, die er in Neuried einführte, waren für mich sein Ereignis und wenn sich in Neuried zu solch einem Anlass soviel Publikum angesprochen fühlt, bedarf es keiner weiteren Worte. Jochen Fischer hat mit seinem Tun und Wirken gezeigt, dass auch ein Quereinsteiger dieses Amt zum Wohle der Bürger ausüben kann.  

Thomas Eble, Schutterzell: "Es wäre zu wenig, Jochen Fischer auf ein Ereignis zu reduzieren. Es war das Gesamtpaket, das ihn ausgemacht hat. Jochen Fischer hatte mit seiner geselligen, humorvollen Art die Menschen abgeholt. Ihm war es wichtig, mit den Menschen im Gespräch zu bleiben und über Unstimmigkeiten zu diskutieren, bis eine für alle zufriedenstellende Lösung gefunden wurde.

Viele Ereignisse werden mir positiv in Erinnerung bleiben – unter anderem die Fahrt im Jahr 2017 nach Ludwigsburg. Dort haben wir beim Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" für Schutterzell den zweiten Platz einholen können. Aber auch die Feste und Feiern, die er begleitet hat – oft auch mit seiner Drehorgel, machten Jochen Fischer zu dem, was er war.

Er war sich auch nach seinem Amtsantritt zu nichts zu schade und wollte die Gemeinde stets lebendig halten."

Kondolenzbücher liegen aus

Aufgrund der coronabedingten Lage werden in den Rathäusern Altenheim, Dundenheim und Ichenheim, in der Michaelis-Kirche in Schutterzell und in der St.-Ulrichs-Kirche in Müllen, in der Zeit vom Mittwoch, 25. November, bis zum Mittwoch, 2. Dezember, Kondolenzbücher ausgelegt, um den Bürgern die Gelegenheit zu geben, ihre Anteilnahme zu bekunden.

Die Bürger sollen laut Mitteilung der Gemeinde auf die jeweiligen Öffnungszeiten achten. Auch Beileidskarten können hinterlegt werden, heißt es weiter. Des Weiteren besteht im Internet unter www.neuried.net die Möglichkeit, online zu kondolieren.

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