Neuried Naturschutz: "Das Klima war immer ein Thema"

Ichenheim - Beim Neujahrsempfang der Gemeinde Neuried hat Georg Hosch das Konzept "Landwirtschaft 5.0" vorgestellt. Zusammen mit der Hochschule Offenburg und weiteren Partnern will er sich für Artenvielfalt und gegen den Klimawandel stark machen.

Bringen Blüh- und Gehölzstreifen sowie Pflanzenkohle mehr Artenvielfalt und Bodenfruchtbarkeit? Das soll bei 15 Landwirten in der Region im Laufe des Jahrs untersucht werden. Mit dabei sind auch vier Betriebe aus Neuried – einer ist der Bioland-Hof Hosch in Ichenheim.

"Das Klima war immer ein Thema für mich, schon als Jugendlicher", erinnert sich Georg Hosch im Gespräch mit unserer Zeitung. Bereits von Kindesbeinen an war der heute 28-Jährige in die Landwirtschaft involviert. Die Folgen des Klimawandels hat er ganz direkt mitbekommen. "Früher habe ich im Ried oft Kiebitze gesehen, heute sieht man den Vogel nur noch selten", erklärt der junge Mann. Das könne verschiedene Ursachen haben, eine sei wahrscheinlich auch das Insektensterben.

Mittlerweile managt Hosch den elterlichen Betrieb – unterstützt von den drei Generationen seiner Familie. Über Bodenverbesserung mit Pflanzenkohle habe er sich schon länger Gedanken gemacht, erzählt der Landwirt.

Da sei das Inserat in der Bauern-Zeitung zum Projekt "Landwirtschaft 5.0" gerade recht gekommen – die Hochschule hatte dort Projektpartner aus der Landwirtschaft gesucht. Hinter dem Projekt steckt geballte Kompetenz: Neben den Landwirten sind auch sechs Hochschulen, sechs Institute, zwölf Firmen und die Stadt Offenburg beteiligt. Unter Leitung der Hochschule Offenburg wollen die Beteiligten laut Selbstbeschreibung mit "einer neuen Landwirtschaft zur Rettung der Artenvielfalt und des Klimas beitragen".

Das Konzept erklärt Projektleiter Daniel Kray in einer Pressemitteilung der Hochschule: "Wir wollen am Ackerrand zwei Streifen anlegen. Auf dem einen bauen wir nur Kulturen an, die die Artenvielfalt steigern. Auf dem anderen bauen wir Biomasse an, aus der wir dann Pflanzenkohle herstellen. Diese wird dann auf dem Acker ausgebracht und zur Ertragssteigerung, Humusbildung und Kohlenstoff-Einlagerung genutzt."

Hosch stellt dafür einen Hektar seiner 80 Hektar Wirtschaftsfläche zur Verfügung. Mittelfristig solle in Offenburg eine Pyrolyse-Anlage entstehen, in der Gehölzschnitt zu Kohle umgewandelt wird, erläutert der Ichenheimer. Die Kohle werde dann mit Pflanzenresten kompostiert und so unter anderem mit nützlichen Mikroorganismen "aufgeladen".

"Das ist das Prinzip der Terra Preta", so der 28-Jähriger. Dabei handelt es sich um die portugiesische Bezeichnung für die fruchtbare, dunkle Erde, welche die indigene Bevölkerung Südamerikas kultivierte. "Die Terra Preta soll dem Boden helfen Nährstoffe und Wasser länger zu speichern", erläutert Hosch. Das fördere unter anderem die Widerstandskraft gegen Trockenheit.

Strom könnte zukünftig vom Acker kommen

Das Projekt beschränkt sich jedoch nicht nur auf Blüh- und Gehölzstreifen oder Pflanzenkohle: Langfristig soll auf den landwirtschaftlichen Flächen erzeugter Strom Traktor und Co. antreiben. "Im Prinzip handelt es sich bei ›Agrofotovoltaik‹ um Anlagen auf hohen Stelzen, darunter kann weiter Landwirtschaft betrieben werden", so Hosch. Eventuell könnten Mähdrescher und Traktor wie Elektrorasenmäher per Kabel direkt durch die Anlage mit Strom versorgt werden. "Da stehen wir aber noch ganz am Anfang", sagt Hosch.

Langfristig sollen die teilnehmenden Betriebe Ansprechpartner für interessierte Landwirte sein. "Ich finde das Thema wichtig und gut, deswegen mache ich das gerne", erklärt der 28-Jährige mit einem Lächeln.

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