Neuried Am Sonntag ist Schummeln erlaubt

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Allmannsweier/Neuried. Das Auto oder doch lieber mal das Fahrrad nehmen? Mit dem Aschermittwoch beginnt traditionell die Fastenzeit. Doch woher kommt der Brauch und wie wird er umgesetzt? Wir haben uns bei katholischen und evangelischen Pfarrern im Ried umgehört. Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Vier Wochen lang kann man auf Süßes oder auch mal aufs Auto verzichten. Doch gerade in der Zeit zwischen Fastnacht und Ostern lockt die Versuchung in Form von Schokohasen, Alkohol oder übermäßigen TV-Konsum. Für viele findet Fasten da keinen Platz mehr.

Dabei bedeute Fasten nicht unbedingt Verzicht, erklärt Kaplan Georg Henn von der katholischen Seelsorgeeinheit Schutterwald, Hohberg und Neuried. "Es kann auch bedeuten: Ich mache etwas, was ich sonst nicht machen würde" Zum Beispiel öfter das Fahrrad anstelle des Autos zu benutzen. Selbst könnte Henn aber arbeitsbedingt nicht auf Auto und Handy verzichten. Dafür fastet er an anderer Stelle. "Ich verzichte auf Alkohol und Fleisch", erklärt Henn. Ab Aschermittwoch bis Ostersonntag wird er zurückzustecken, 40 Tage lang soll der innere Schweinehund überwunden werden. Zurück geht die Tradition auf eine Stelle im Matthäusevangelium, in welcher Jesus 40 Tage in der Wüste fastet und vom Teufel immer wieder in Versuchung geführt wird. Wer aber genau nachrechnet, kommt in der Zeitspanne zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag auf glatte 46 Tage. "40 Tage sind es nur dann, wenn man die Sonntage herausrechnet", schmunzelt Kaplan Georg Henn. Man könnte sie also fast schon als "Schummeltage" bezeichnen.

Und wie hält es der Kaplan selbst an Sonntagen? Meistens hält er sich an das Fasten und verzichtet auf Fleisch und Alkohol. Schwierig wäre es, wenn man bei Freunden eingeladen wird, die selbst nicht fasten. "Das ist dann eine größere Herausforderung. Aber wenn ich dann nachgeben würde, bräuchte ich gar nicht fasten." Für ihn bedeutet Fasten "bewusst auf etwas zu verzichten, um "den Gesamtfokus auf das zu richten, was wichtig ist im Leben." Es gehe darum, ein stückweit die Seele zu entschlacken. Vorschreiben möchte er das Fasten aber auch niemandem.

Ebenso die evangelische Pfarrerin Renate Malter aus Allmansweier. "Jeder Einzelne kann selber entscheiden, was für ihn sinnvoll und möglich ist in der Fastenzeit", sagt Malter. Sie selbst fastet in diesem Jahr nicht. "Ich finde, man muss da kein Gesetz draus machen. Es wird Ostern auch ganz ohne Fasten." Vor 20 Jahren habe sie einige Jahre lang in der Passionszeit jeweils eine Woche lang wirklich gefastet. Das bedeutete für sie: nichts gegessen, nur Tee getrunken. "Das war eine gute und interessante Erfahrung. Dadurch dass man nicht kochen und einkaufen muss, gewinnt man Zeit, die man anderweitig nutzen kann, beispielsweise zum Beten und Bibellesen." Während dieser Zeit lerne man die Nahrung auch neu zu schätzen, erklärt sie. Mit dieser Form des Fastens hatte sie aufgehört, als die Kinder kamen.

Da sie den Kindern dann etwas zu Essen bereiten musste, funktionierte der Verzicht für sie nicht mehr. "Fasten heißt für mich wirklich Verzicht auf Essen oder Trinken. Natürlich kann man auch auf andere Sachen verzichten wie zum Beispiel Fernsehen. Mal was weglassen, kann in unserer Überflussgesellschaft grundsätzlich eine heilsame Erfahrung sein."

Generell könne sie Fasten nur jedem empfehlen. "Aber ich würde keine religiöse Vorschrift daraus machen", sagt sie. Fastenzeit zur Vorbereitung auf die Gottesdienste Sie selbst hat auf ihrem Schreibtisch den Kalender "Sieben Wochen ohne" von der Fastenaktion der evangelishen Kirche stehen. Da ist für jeden Tag ein Gedankenanstoß drin. Ansonsten nutze sie die Fastenzeit gerne um die Gottesdienste für die Karwoche und für die Osterfeiertage vorzubereiten. "Das ist meine innere Einstimmung auf diese besondere Zeit."

Für Kaplan Georg Henn heißt die besondere Zeit vor allem eines: Zähne zusammenbeißen. "Ich merke es jedes Mal, wenn Ostern da ist. Da freut man sich doppelt: Zum einen aufs Fest, zum anderen darauf, dass man wieder alles essen kann." Bis dahin heißt es durchalten und "umso mehr wird dann nach der Fastenzeit gefeiert", lacht Georg Henn.

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