Neue Verbrennungsanlage "Meilenstein für den Zweckverband"

Beim symbolischen Spatenstich (von links): die Bürgermeister Thomas Gedemer (Herbolzheim) und Pascal Weber (Ringsheim), Heiner Steinberg vom Wehrle-Werk, Landrat Frank Scherer (Ortenau), ZAK-Projektleiter Jonas Brosmer, Landrat Hanno Hurth (Emmendingen), Roland Ritter, Polier der Firma Ritter Schutterwald und ZAK-Geschäftsführer Georg Gibis Foto: ZAK/ Mutz

Ringsheim - Eine neue Verbrennungsanlage auf dem Ringsheimer Kahlenberg soll dafür sorgen, dass der Abfallverband ZAK seine Ersatzbrennstoffen selbst verwerten kann – und eine Biotonne unnötig bleibt. Am Donnerstag war der Spatenstich.

Seit fünfzig Jahren betreiben die beiden Landkreise Ortenau und Emmendingen in einem Zweckverband die Abfallbehandlungsanlage auf dem Kahlenberg (ZAK) in Ringsheim. Jährlich rund 110 .000 Tonnen Restmüll aus beiden Kreisen werden dort in der mechanisch-biologischen Anlage (MBA) verwertet. Davon fallen rund 35. 000 Tonnen Restabfall an, der bisher in externen Kraftwerken anstelle fossiler Brennstoffe mit erheblichen Kosten für den Zweckverband, sprich die Gebührenzahler, verwertet wird.

Mit der Änderung des Abfallwirtschaftsgesetzes und der verpflichtenden Einführung der Biotonne geriet das bisherige Verfahren in Schieflage, weil gerade Bioabfälle zu einem Kernbereich der Verwertung des Hausmülls gehören. Nach einem langen Diskussionsprozess wurde der Entschluss gefasst, eine eigene Verbrennungsanlage zu bauen, in der etwa zwei Drittel, rund 24. 000 Tonnen, selbst thermisch verwertet werden. In einem zweiten Schritt wird aus der Asche Phosphor gewonnen, was eine zentrale Forderung der Kreislaufwirtschaft ist. Das Projekt bekam den Namen "Thermische Verwertung und Rohstoffrückgewinnung von Ersatzbrennstoffen" (ESB).

Land fördert Anlage mit 7,5 Millionen Euro

Die Idee wird nun sogar vom Land mit 7,5 Millionen Euro bezuschusst. Damit war die Biotonne vom Tisch. "Das ist ein weiterer Meilenstein in der 50-jährigen Geschichte des ZAK", sagte Frank Scherer, Landrat des Ortenaukreises, beim Spatenstich der ES-Anlage am Donnerstag auf der vorgesehenen Fläche südlich der Deponie.

Vor dem Spatenstich fand eine öffentliche Sitzung im Bürgerhaus in Ringsheim statt, bei der es von Deponieleiter Georg Gibis Informationen zur neuen Anlage gab. Allein schon die bestehende MBA-Anlage erregt seit mehreren Jahren weltweites Interesse, so dass die Technologie inzwischen unter der Bezeichnung MYT an mehrere Länder verkauft wird. "Der Schutz von Mensch und Umwelt hat für uns höchste Priorität", sagte Landrat Scherer. Die gesetzlich geforderten Immissionsstandards würden umgesetzt und garantieren, "dass es keine zusätzlichen Belastungen geben wird", betonte er. "Der ZAK stellt erneut seine Leistungsfähigkeit unter Beweis, sowie die Bereitschaft, seine Technik innovativ weiterzuentwickeln", pflichtete Emmendingens Landrat Hanno Hurth bei.

Ringsheimer mussten in den Anfangsjahren Gestank ertragen

Bei den Gemeinden Ringsheim und Herbolzheim hielt sich die Euphorie in den vergangenen 50 Jahren in Grenzen, denn gerade die Ringsheimer hatten in den Anfangsjahren erhebliche Geruchsbelästigungen sprich Gestank zu ertragen. Die Abfalltechnologie war zunächst bescheiden, der Müll wurde angefahren, auf der Fläche verdichtet und dann mit Mutterboden, später mit Folie, abgedeckt. Dank einer guten Mannschaftsleistung des Teams auf der Ringsheimer Anlage, von Scherer hochgelobt, hat sich vieles verbessert, aber das Misstrauen bei Bürgermeister Pascal Weber und dem Gemeinderat ist immer dann wieder präsent, wenn etwas Neues auf dem Berg entstehen soll, wie die Verbrennungsanlage. Einen ganzen Katalog an Bedingungen und Forderungen stellte der Gemeinderat an den Bau der neuen Verbrennungsanlage des ZAK.

Zwischenzeitlich holte sich die Natur Teile des Berges wieder zurück. Deponieflächen wurden rekultiviert und zu einem ansehnlichen Naturschutzgebiet mit einem großen Artenreichtum. Am Wochenende wandern Familien in den Tierpark am Berg oder unternehmen eine Wanderung zum Heubergturm. Aber die Bürger aus Ringsheim und Herbolzheim werden weiter einen kritischen Blick auf den Berg werfen.

Den Lkw-Verkehr aus den Gemeinden herauszubekommen, ist eines der Ziele. Und die Pläne liegen in den Köpfen der Bürger und der Räte schon parat. Eine neue Zufahrt von der Umfahrung B 3 zwischen Herbolzheim und Ringsheim direkt zur Deponie, mit einer neuen Brücke über die Bahn, wäre wünschenswert.

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