Neue LZ-Serie Bild von Landwirten soll besser werden

Jonas Köhler

Getreide, Biogas und vor allem Milch – das sind die Standbeine des Ottenheimer Bauernhofs Benz. Möglich macht dies das Nutzen der Sonnenenergie. Landwirt Markus Benz möchte den Menschen ein besseres Bild von Bauernhöfen zu vermitteln.

Ottenheim - Markus Benz will die nächste Generation der Landwirte vertreten. Der 30-jährige hat sechs Jahre Ausbildung im elterlichen Betrieb hinter sich, ist dort inzwischen mittendrin im Geschehen und auch im Kreisvorstand des BLHV engagiert. "Der Wert von Landwirten für die Bevölkerung ist nicht so zu sehen", sagt Benz beim Besuch unserer Redaktion. Benz fordert von der Öffentlichkeit mehr Anerkennung für die Landwirte – und gibt der Lahrer Zeitung einige spannende Einblicke.

Der Bauernhof Benz in der Rheinstraße am westlichen Ottenheimer Ortsrand ist ein "Milchviehbetrieb, der noch relativ stark auf Ackerbau spezialisiert ist". Just beim Eintreffen unserer Redaktion fährt der Milchtransporter auf den Hof. Das Futter für die Tiere erzeugt der Hof zum größten Teil selbst. Auf den Ackerflächen werden fünf verschiedene Kulturen angebaut: Den größten Teil, etwa 60 Prozent laut Benz, macht dabei Mais aus. Hinzu kommen Kleegras, Winterweizen, Wintertritikale – eine gezüchtete Mischung aus Roggen und Weizen – sowie Grünschnittroggen. Letzterer wurde erst Ende April geerntet.

Im Mittelpunkt stellt Benz jedoch nicht Milch oder Getreide, sondern die Sonne. Benz sieht sich und andere Landwirte als einen der besten Nutzer dieser nachhaltigen Form der Energie. Und zwar nicht nur durch Photovoltaikanlagen. Denn nur durch die Sonne wachsen die Pflanzen, die die Kühe ernähren, die wiederum für Lebensmittel für die Menschen sorgen. In Form von Tierfutter kann die Sonnenenergie sogar gespeichert werden und zu einem beliebigen Zeitpunkt eingesetzt werden. "Das tun wir Landwirte schon immer", erklärt Benz.

Was die Menschen von den Pflanzen nicht verwerten können, verwerten die Tiere. Was die Tiere nicht verwerten können, landet in der Biogasanlage – ein weiteres Standbein des Betriebs. Durch die Biogasanlage erzeugt der Hof seinen eigenen Strom. Der Rest wird ins netz gespeist. Auch für Wärme sorgt die Anlage – in Ottenheim sind 19 weitere Haushalte an das Netz angeschlossen. Die Kritik an solchen Anlagen – erst in Schwanaus Nachbargemeinde Meißenheim gab es im vergangenen Jahr eine hitzige Debatte darum – kann Benz nicht nachvollziehen. Angesprochen auf möglichen Gestank durch die Anlage meint er: "Früher hat es überall im Dorf so gerochen".

In den vergangenen Jahrzehnten hätten sich die Dorfbilder sichtbar verändert. Gab es früher noch in vielen Straßen einen oder mehrere Höfe, gebe es heute nur noch sehr wenige. Diese sind dann jedoch meist große Betriebe, um den Bedarf an Lebensmitteln noch decken zu können. "Heute hält ein Betrieb nicht nur zehn Kühe sondern 100. 80 Tiere sind die unterste Grenze, um die Preise erfüllen zu können", schildert Benz.

"Die Landwirtschaft wird als Störfaktor angesehen", führt der Landwirt weiter aus. Das motiviere ihn, sich zu engagieren. Denn jemand, der tierische Produkte konsumiert, sollte sich auch bewusst machen, dass diese irgendwo herkommen müssen – vor allem, wenn ihnen noch lokale Erzeugung wichtig ist. "Der Gesamtblick fehlt", kritisiert Benz. Er wünscht sich mehr Toleranz gegenüber Bauernhöfen.

Das Negative werde viel zu oft in den Vordergrund gerückt und teilweise werde auch nicht objektiv diskutiert. Deutlich werde dies beim Vorwurf, es gebe eine "Vermaisung der Landschaft", dabei gehe die Ackerfläche für Mais in der Ortenau seit Jahren zurück. Der Beitrag zur Energiewende mit dem Nutzen der Sonnenenergie oder der Biogasanlage werde meist nicht gesehen.

Der Bauernhof Benz ist kein Biobetrieb. Dennoch legt man Wert darauf, bei der Pflege des Ackers wann immer es geht mechanisch und nicht chemisch vorzugehen. Bei den Kühen betont Benz, dass es "keine Massentierhaltung" sei. Viel Auslauf haben die Tiere jedoch nicht, wie beim Rundgang über den Hof deutlich wird. Die Kühe haben ein Dach über dem Kopf, können aber auch einige Meter nach draußen gehen, wenn sie das möchten. Das Melken geschieht mit einem Melkroboter: Wann die Kühe diesen benutzen, können sie frei entscheiden. Neben den Kühen, gibt es auch einen Zuchtbullen. Die weiblichen Kälber werden im Betrieb groß geworden und zu Milchkühen, die männlichen werden an lokale Mastbetriebe verkauft, so Benz.

Der Rundgang über den Hof endet bei der Biogasanlage. Diese sorgt nicht für mehr Geruch, als man auf einem Bauerhof ohnehin erwarten würde, läuft aber auch gerade nicht auf Hochtouren. Die Anlage ist bereits seit dem Jahr 2010 Teil des Betriebs, erklärt Benz und damit Teil eines Betriebs, der nicht dem Klischee eines Bauernhofs entspricht. Mit einer autarken Energieversorgung und einem Fokus auf nachhaltige Sonnenenergie setzt der Hof Akzente, die man bei einem Landwirt nicht unbedingt erwartet.

Das sind unsere Landwirte

Wie sieht die Arbeit der Landwirte in der Region aus? Wie hat sie sich im Laufe der Jahre verändert? Und Welche Herausforderungen bringt die Zukunft? In unserer Serie "unsere Landwirte" stellen wir die Kreisvorsitzenden im Landwirtschaftsverband BLHV und ihre Betriebe vor. In der Serie geht es um die Arbeiten, die gerade auf den jeweiligen Feldern anstehen, aber auch um die Probleme

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