Neu-Entwicklung in Friesenheim Auf dem Oberle-Areal entstehen Wohnungen

Christine Bohnert-Seidel

Das Oberle-Areal ist verkauft und wird überplant. Es sollen Wohnungen und Bungalows im Mehrgenerationenstil entstehen. Zuerst suchen jedoch Eidechsen ein neues Zuhause.

Friesenheim - Die Innerortverdichtung in Friesenheim schreitet voran. Das Oberle-Areal in Friesenheim ist an die Kappis Gruppe in Lahr verkauft worden. Damit stehen 1,5 Hektar Fläche zur Überplanung zur Verfügung. Bevor jedoch die Bagger rollen, müssen Bodengutachten sowie ein Lärm- und Verkehrskonzept erstellt werden. "Erst dann sind wir so weit, dass wir in den Bebauungsplan gehen können", sagt Amalia Lindt-Herrmann von der Geschäftsleitung der Kappis Gruppe im Gespräch mit der Lahrer Zeitung. Außerdem suchen vorhandene Eidechsen ein neues Zuhause. Seit vielen Jahren ist das Oberle-Areal eine Art "kleine Oase" umrahmt von Eisweiher, Mühlgasse und Bärengasse. Im nördlichen Verlauf sind Flächen seit mehr als 50 Jahren als Schrebergärten angelegt. Im Laufe der Jahre hat sich ein Lebensraum für die Tier- und Pflanzenwelt entwickelt.

Begleitet wird die Projektentwicklung auch von einem langwierigen Zeitraum eines naturschutz- und artenschutzrechlichen Gutachtens. Diese Gutachten erschließen sich in der Regel über eine gesamte Vegetationsperiode.

Eidechsen und Molche müssen umgesiedelt werden

Es ist von einer Vegetationsperiode von einem Jahr auszugehen, die im Februar beginne. Im Falle des Oberle-Areals gehe es auch um die Umsiedlung der Eidechsen und und Molche. Unter anderem die Zauneidechse ist dort zu finden, die vom Nabu zum Reptil des Jahres 2020 und 2021 ausgerufen wurde. Sie zeige sich anpassungsfähig und sei dennoch bedroht, heißt es in der Begründung.

Unbekannt ist diese Form der Umsiedelung in Friesenheim nicht. Bereits eine Erweiterung der Firma Albea in Schuttern sowie die Entwicklung des Neubaugebiets "Auf der Mühl" in Oberschopfheim haben bereits zur Umsiedlung einer Eidechsen-Kolonie in ein neues Habitat geführt.

Im Vorfeld wurde das komplette Gelände von einem Gutachterbüro für faunistische und floristische Untersuchungen in Augenschein genommen. Dabei ist das Unternehmen auf der Suche nach einer Grünfläche als Ausgleich von knapp 3.000 bis 4.000 Quadratmetern. "Mit unserem Projekt werden wir weiterhin voranschreiten", versichert Lindt-Herrmann. Die Bevölkerung dürfe sich hier auf ein sehr schönes Baugebiet freuen. Vom Einfamilienhaus bis zum Mehrfamilienhaus wird eine Art Generationenwohnen geplant. Einige Grundstücke werden im Bebauungsplan so vorbereitet, dass auch ein ebenerdiges Wohnen im Alter ermöglicht wird. Der demografische Wandel zeige: Die Kinder gehen aus dem Haus.

Zurück bleibe ein Wohnhaus, das eigentlich für das Alter zu groß ist. Gesucht wird dann nach einer alternativen Lösung. Ideal sei dafür das Oberle-Areal, weil zudem die Nahversorgung in Friesenheim sichergestellt sei. Eine gute Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel, fast schon vor der Haustür, sei ebenfalls gegeben. "Wichtig ist uns die komplette Aufwertung des gesamten Areals", erklärt Lindt-Herrmann. Es folgt ein Schritt nach dem anderen.

In der Gemeinde Friesenheim wird die Entwicklung des Bebauungsplans mit einem Bearbeitungsstand im Vorentwurf mit 40 Prozent angegeben. Es wird von einer Entwicklung für das Gelände von bis zu zwei Jahren ausgegangen. Abgeklärt wurde bereits der Verbleib der Alten Mühle. "Die Mühle kommt weg", sagt Lindt-Herrmann. Klaus Oberle, der frühere Eigentümer, erklärt im Gespräch mit der Lahrer Zeitung: "Die Mühle ist schon längst baufällig." Noch mahlt der Müllermeister das Mehl. Sobald die Entwicklung des Baugebiets "Oberle Areal" weiter an Fahrt aufnimmt, wird er seine Mühle schließen.

Historie

Erstmals ist in Friesenheim auf dem Oberle-Areal eine Mühle mit Müllerfamilie im Jahr 1799 dokumentiert. Bis ins Jahr 1864 blieb die Mühle im Eigentum von Familie Kopp. Die Nachfolge war innerhalb der Familie nicht geregelt, weshalb die Mühle nach dem Tod von Josef Kopp verkauft worden ist. 1864 kommt Müllermeister Franz Anton Oberle mit seiner Familie aus dem Raum Sasbachwalden nach Friesenheim. Müllermeister Klaus Oberle betreibt seit 1993 in fünfter Generation die Mühle.

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