Nächste Praxis schließt Ärzte-Alarm in Friesenheim

Christine Bohnert-Seidel
Die Praxis von Allgemeinmediziner Axel Textor, die sich im selben Haus wie die Alemannen-Apotheke befindet, schließt bis zum 30. Juni auf. Foto: Bohnert-Seidel

Die Hausarzt-Situation in Friesenheim verschärft sich weiter. Zum 30. Juni wird Axel Textor seine Praxistätigkeit als niedergelassener Arzt in Friesenheim beenden. Die Gemeinde schlägt Alarm.

Friesenheim - "Ein Schritt, der mir ganz gewiss sehr schwer fällt, der aber aus persönlichen Gründen für mich unumgänglich geworden ist", erklärt Hausarzt Axel Textor seine Praxisschließung im Friesenheimer Amtsblatt. Innerhalb des Gesundheitswesens werde er sich neu orientieren, was für ihn eine neue Herausforderung darstelle. Nach 25 Jahren wird er den Bereich der hausärztlichen Versorgung als Kassenarzt verlassen. Für seine Patienten und die Ärztelandschaft in Friesenheim stellt der Weggang des Allgemeinmediziners eine Katastrophe dar. Schließlich verlässt binnen zwei Jahren, neben Werner Salge im Juli 2020 und Heino Adam im März 2022, ein dritter Arzt nun die Gemeinde.

Laut Kassenärztlicher Vereinigung gibt es im Gebiet noch genug Ärzte

"Für uns ist das eine sehr schwierige Situation", so Bürgermeister Erik Weide gegenüber der LZ. Entgegen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), die betont, dass es keine ärztliche Unterversorgung für den Mittelbereich Lahr, zu dem Friesenheim zählt, gebe, sieht das Weide für Friesenheim nicht so. Im Juli 2021 lag der Mittelbereich Lahr noch bei einer Ärzteversorgung von knapp 108 Prozent, was laut KV einer mehr als guten Versorgung entspricht – in der statistischen Zahl entspricht das 70,5 Ärzten.

"Die KV spricht noch immer davon, dass 20 Kilometer Distanz zum nächsten Hausarzt zumutbar wären. Das sehe ich nicht", betont Weide. Leider gebe es nach wie vor keine Ärzte, die zur Verfügung stünden. "Aber ich sehe Licht am Ende des Tunnels", so Weide. Viele junge Ärzte, mit denen Bürgermeister Weide bislang im Gespräch sei, befänden sich in Ausbildung und bräuchten noch ein bis fünf Jahre. Schwierig werde es, wenn sich verstärkt Ärzte in Gemeinschaftspraxen in Lahr niederließen.

Die Gemeinde würde alles dafür tun, um neue, junge Ärzte für Friesenheim zu gewinnen. "Wir würden als Gemeinde neu bauen, mieten, kaufen – einfach alles machen. Aber solange sich kein ausgebildeter Arzt sich niederlassen will, bleiben uns die Hände gebunden", fügt Weide an. Jedes denkbare Modell wäre möglich. Dankbar ist Weide für die Lösung, die die Gemeinde gemeinsam mit ihrem Berater Roman Hadjio mit der Praxis Ulrich Suaudeau in Schuttern und der Praxis Werner Dinkelbach gefunden hat: Dinkelbach, der bereits in Rente ist, ist derzeit Zweigstelle von Suaudeau. Eines versichert Bürgermeister Weide: "Wir werden nicht aufgeben und weiterhin Gespräche führen."

Seit 1. April 2022 ist die Praxis Heino Adam in Oberschopfheim geschlossen. "Eine einzige Katastrophe", sagt Ortsvorsteher Michael Jäckle. Viele Oberschopfheimer seien in der Umgebung fündig geworden. Jäckle selbst werde künftig seinen Hausarzt in Schutterwald haben. Von einigen wisse er, dass sie in Hohberg oder Diersburg untergekommen seien. Nur wenige fanden einen Arzt in Friesenheim. Aber die Situation betreffe nicht nur die Gemeinde Friesenheim. "Dass in Ottenheim eine komplett eingerichtete Praxis leer steht, zeigt mir, dass wir mit dem Ärzteproblem nicht alleine dastehen", so Ortsvorsteher Jäckle.

Förderung

Im April hat der Gemeinderat eine Summe von maximal 50 000 Euro zur Förderung der Ärzteversorgung genehmigt. Sollte sich noch in diesem Jahr ein Arzt für Friesenheim entscheiden, wären die Mittel auch als überplanmäßige Aufwendungen abrufbar.

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