Nach nur drei Wochen Offenburger Aufnahmezentrum für Flüchtlinge schließt wieder

Marco Armbruster
Aufgebaut Mitte März, jetzt steht der Abbau bevor: Am Wochenende wird das THW Betten und Infrastruktur in der Messehalle 1 zurückbauen. Foto: Regierungspräsidium

Nach drei Wochen Betrieb wird die Aufnahmestelle für Ukraine-Flüchtlinge auf der Messe Offenburg geschlossen. Als Grund gibt das Regierungspräsidium an, dass die Halle bereits für andere Zwecke gebucht sei.

Offenburg - Innerhalb von 24 Stunden war das Ankunftszentrum in der Halle 1 der Offenburger Messe Mitte März eingerichtet worden. Seither sind dort insgesamt rund 800 Flüchtlinge aus der Ukraine vorläufig untergebracht worden, bevor sie in Unterkünfte in den Kreisen Ortenau, Rastatt, Lörrach, Emmendingen und Konstanz verlegt wurden, teilt das Regierungspräsidium Freiburg mit.

Nach rund drei Wochen ist jedoch Schluss: Wie die Behörde mitteilt, läuft der Mietvertrag mit der Messegesellschaft zum Ende der Woche aus, da die Messe von kommender Woche an für andere Zwecke gebucht ist. Am Mittwoch wurden rund 50 Menschen, die dort noch untergebracht waren, in umliegende Landkreise verlegt. "Es war von Anfang klar, dass die Messe nicht länger zu belegen ist", erklärt Heike Spannagel, Pressesprecherin des Regierungspräsidium, im Gespräch mit unserer Zeitung. Laut der Messe Offenburg handelt es sich bei der ausschlaggebenden Anschlussbuchung um die Messe "Forst Live", die am 29. April starten wird.

Mitte März hatte der Bund verlangt, kurzfristig Kapazitäten für die Erstaufnahme zu schaffen – "von heute auf morgen", betont die Pressesprecherin. Mit der Messe Offenburg sei das kurzfristig möglich gewesen. In einer Blitzaktion entstanden dort Schlafplätze und Infrastruktur für rund 500 Menschen. Die Landeserstaufnahmestelle (LEA) in Freiburg drohte zu diesem Zeitpunkt aus allen Nähten zu platzen (wir berichteten).

Die Situation scheint sich zwischenzeitlich entspannt zu haben. "Viele Landkreise und Kommunen haben Unterkünfte geschaffen", berichtet Spannagel. Ein Ersatz für die 500 Plätze, die in Offenburg wegfallen, werde nicht geschaffen. Unter anderem weil mit den Messen in Karlsruhe, Stuttgart und Meßstetten zusätzliche Aufnahmestellen im Land entstanden seien – die Offenburger Messe sei lediglich die erste gewesen. "In der LEA Freiburg ist zwischenzeitlich auch ein wenig Luft", so Spannagel. Der Zustrom habe in den vergangenen Tagen etwas nachgelassen – "aber man weiß natürlich nicht, wie sich das weiterentwickelt". In der LEA Freiburg sind laut Regierungspräsidium derzeit rund 630 Flüchtlinge untergebracht, 430 davon aus der Ukraine. Die Gesamtkapazität liegt bei 800 Plätzen.

Geplant ist der Abbau des Aufnahmezentrums Offenburg für Samstag und Sonntag. Der Aufbau sei ein "Kraftakt" gewesen, so ein Stress sei nun nicht nötig. Die Federführung wird dabei das Technische Hilfswerk haben.

Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer bedankte sich bei der Messe Offenburg, dem Ortenaukreis, der Stadt Offenburg, dem Malteser Hilfsdienst, dem Deutschen Roten Kreuz, den Freiwilligen Feuerwehren, dem THW, den ehrenamtlichen Dolmetschern sowie den Mitarbeiterin ihrer eigenen Behörde für die Unterstützung beim kurzfristigen Aufbau des Aufnahmezentrums. Insbesondere hob sie den professionellen Einsatz der Malteser bei der Betreuung der Flüchtlinge in den vergangenen Wochen hervor. "Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass auf das professionelle Zusammenspiel von Hilfskräften und Behörden gerade in Notsituationen Verlass ist. Wenn es schnell gehen muss, ziehen alle an einem Strang", sagte die Regierungspräsidentin.

1.700 Menschen

Dank der Unterstützung des Polizeipräsidiums Offenburg wurden im Ortenauer Migrationsamt  in den vergangenen drei Wochen mehr als 1.000 Kriegsflüchtlinge registriert. Für den gesicherten Identitätsnachweis stellte das Präsidium die nötige Technik zur Verfügung, teilt das Landratsamt mit.

Ein Team von  Kriminaltechnikern nahm die Registrierung vor. Schätzungsweise 1.700 Ukraine-Flüchtlinge sind inzwischen im Kreis angekommen. Der Großteil wohnt in privaten Unterkünften. Die Plätze in der vorläufigen Unterbringung werden derzeit aufgestockt. In leerstehenden Hotels und Pflegeheimen konnten 170 Plätze für den April gewonnen werden, voraussichtlich im Laufe Mai bis Anfang Juni werden noch verschiedene Containeranlagen mit insgesamt 412 Plätzen bezugsfertig sein.

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