Nach Notfallzulassung Britisches Corona-Impfprogramm soll am Dienstag starten

Ein Schild im Stadtzentrum von Glasgow fordert das Coronavirus zum Abhauen auf ... Foto: Jane Barlow/PA Wire/dpa Foto: dpa

London - Nachdem die ersten Impfdosen in Großbritannien eingetroffen sind, will der britische Gesundheitsdienst NHS (National Health Service) am kommenden Dienstag mit dem Impfen beginnen. Das sagte NHS-Providers-Geschäftsführer Chris Hopson im BBC-Fernsehen.

Premierminister Boris Johnson sprach von der größten Massenimpfung in der Geschichte Großbritanniens. Die britische Arzneimittelbehörde MHRA hatte am Mittwoch dem Mainzer Pharma-Unternehmen Biontech und seinem US-Partner Pfizer eine Notfallzulassung für deren Corona-Impfstoff erteilt. Großbritannien ist damit das erste Land überhaupt, das den Impfstoff zur breiteren Anwendung freigegeben hat.

Bereits in der kommenden Woche sollen 800.000 Impfdosen zur Verfügung stehen. Millionen weitere sollen bis Jahresende hinzukommen. Mit dem größten Teil der insgesamt 40 Millionen bestellten Impfdosen werde in der ersten Jahreshälfte 2021 gerechnet, sagte ein Regierungssprecher am Freitag.

Als erstes geimpft werden sollen Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeheimen sowie über 80-Jährige und besonders gefährdetes medizinisches Personal. Wegen der komplizierten Lagerung bei minus 70 Grad soll der Impfstoff aber zunächst nur in 50 Kliniken im Land verabreicht werden. Später sollen weitere Zentren hinzukommen.

Die britische Regierung hatte die rasche Zulassung des Impfstoffs als Erfolg gefeiert. Experten aus der EU und den USA hatten jedoch auch Kritik an der Notfallzulassung geäußert.

Der US-Virologe Anthony Fauci ruderte jedoch zurück, nachdem er in einem US-Podcast gesagt hatte, die britische Arzneimittelbehörde habe die Zulassung des Vakzins "überstürzt". Er habe großes Vertrauen in die wissenschaftlichen und regulatorischen Abläufe in Großbritannien, sagte Fauci in einem BBC-Interview in der Nacht zum Freitag. Er betonte jedoch, dass der Prozess in den USA aufwendiger ablaufen muss - wegen der hohen Skepsis in der Bevölkerung gegenüber Impfstoffen.

Großbritannien gehört zu den Ländern, die besonders hart von der Pandemie betroffen sind. Nach offiziellen Angaben der Regierung sind inzwischen mehr als 60.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Experten gehen davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen noch höher liegen.

© dpa-infocom, dpa:201204-99-575004/3

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