Nach den Naturkatastrophen Wolfacherin hilft Verletzten in Haiti

Anke Brügmann erzählt von Lage in Haiti nach Erdbeben und Regenfällen.

Wolfach/Haiti - Auch Tage nach den schweren Erdbeben in Haiti sind noch nicht alle Verletzten versorgt. Die Gründerin des Wolfacher Haitivereins ist als Ärztin in Beaumont und hat alle Hände voll zu tun: Die Lage vor Ort sei katastrophal, erzählt sie.

Eingestürzte Hütten, obdachlose Menschen, zahlreiche Tote und unzählige Verletzte: Das ist die traurige Bilanz des jüngsten Erdbebens in Haiti. "Gestern war der schlimmste Tag von allen. Mir wurden die Schwerverletzten aus den abgelegenen Bergdörfern gebracht mit entzündeten Knochenstümpfen und offenen eitrigen Wunden", schreibt die Ärztin Anke Brügmann Dienstagnacht in einer Nachricht aus Beaumont, einem Dorf rund 250 Kilometer von der Hauptstadt Port-au-Prince entfernt.

Die Wolfacherin, die bis vor einigen Jahren im Wolfacher Krankenhaus als Ärztin gearbeitet hat, versorgt nun im haitianischen Beaumont die Menschen, die nach den Erdbeben am dringendsten Hilfe benötigen und sich mit letzter Kraft in ihr Dorf schleppen. Sie gründete bereits 2002 den Wolfacher Haitiverein, arbeitet und wohnt als Vorsitzende seitdem auf der karibischen Insel. Mit Hilfe von den "Ingenieuren ohne Grenzen" aus Karlsruhe hat sie auf Haiti ein Waisenhaus und eine Schule aufgebaut. Dank der erdbebensicheren Bauweise sind die 78 Kinder im Waisenhaus von Verletzungen weitestgehend verschont geblieben, die Möbel seien aber dennoch im Haus umhergeflogen und der Boden habe Risse bekommen, berichtet die Medizinerin.

Traudel Schippert, ehemalige Hautärztin in Tübingen, war bis vor Kurzem in Beaumont vor Ort und hat Brügmann bei ihrer täglichen Arbeit geholfen. Sie berichtet, dass die Lage bei den meisten Einwohnern nicht nur wegen des Erdbebens dramatisch aussieht: "Viele Haitianer leben seit dem letzten Zyklon im Jahr 2017 ohne Dach, nur mit einem löchrigen Segeltuch auf dem Haus. Und wenn es dort regnet, dann aber richtig. Die Menschen stellen sich dann notdürftig unter, geschlafen wird oft auf dem blanken Lehmboden", erzählt sie auf Nachfrage unserer Zeitung.

Zyklon verschlimmert die Lage der Einwohner noch

Weil Brügmann in ihrem Waisenhaus auch Schwangere, Kranke und schwer verletzte Patienten versorgt, nehmen viele einen Fußweg von zwei bis drei Stunden in Kauf, um von ihr behandelt zu werden. "Die Krankenhäuser sind sehr teuer und man kommt gar nicht erst hinein, wenn man kein Geld dabei hat. Anke versorgt ausnahmslos alle kostenlos, deshalb hat sie nun auch mit den Erdbebenopfern alle Hände voll zu tun", so Schippert.

Dem Vorstand des Wolfacher Vereins schreibt Brügmann in ihrer Nachricht weiter: "Ich habe nur sporadisch ein paar Minuten Netz. Ich konnte ein paar der Schwerverletzten in ein Krankenhaus zur Operation verlegen. Mein Verbandszeug und die Antibiotika werden immer knapper. Heute Nacht gab es einen kleinen Zyklon, die Leute saßen draußen im Regen, weil die Häuser entweder bereits beim Erdbeben eingestürzt oder nun einsturzgefährdet sind. Nur bei uns ist es noch einigermaßen sicher."

Auch Tage nach dem Erdbeben kommen Verletzte zu Brügmann und stehen Schlange, um kostenlos versorgt zu werden. "Anke tut, was sie kann, sie hat keine freie Minute mehr und fährt die Verletzten teilweise die halbe Nacht umher, um ein Krankenhaus für eine Operation zu finden", erzählt ihre Mutter Edeltraud Brügmann, die sich ebenfalls im Wolfacher Verein engagiert. Jede Nacht helfe sie auch bei ein bis zwei Geburten. Am Tag geht dann die Versorgung der Verletzten weiter – in einem Behelfszelt mit drei Feldbetten. All dies finanziert Brügmann allein mit Spenden (siehe Info).

Der Haitiverein Wolfach engagiert sich seit Jahren für die Einwohner Haitis, die Vorsitzende Anke Brügmann betreibt vor Ort ein Waisenhaus und eine Schule. Spenden sind an die Sparkasse Wolfach (IBAN DE07664527760010148072 BIC SOLADES1WOF oder an die Volksbank Kinzigtal (IBAN DE72664927000020012501 BIC GENODE61KZT möglich. Für die Zuwendungsbestätigung soll unter Verwendungszweck auch die Adresse angegeben werden.

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