Musikverein Wittelbach Neues Konzert-Konzept kommt beim Publikum sehr gut an

Endrik Baublies

Der neue Titel "Musik und mehr" des Wittelbacher Musikvereins hatte nicht zu viel versprochen. Denn das Konzert am Samstag im Seelbacher Bürgerhaus – mit Helmut Dold und jungen Solisten aus den eigenen Reihen – klang frisch und neu.

Seelbach. Das erste Lob gilt den jungen Solisten des Musikvereins, die einen ganz neuen Akzent setzen. Tamira und ihr Vater Heiko Himmelsbach traten als Sänger auf. Die helle, klare und dynamische Stimme der jungen Musikerin war bei dem Stück "Gold von den Sternen" eine Klasse für sich. Dabei war das Lied aus dem Musical "Mozart" aufgrund seiner komplexen Struktur keine einfache Kost. Solistin und Ensemble bewältigen diese Herausforderung jedoch bravourös.

Trompeten-Solisten sind bei Helmut Dold in die Schule gegangen

"The Rose", im Original ein Hit von Bette Middler, stand dem in nichts nach. Hier verstärkte Vater Heiko Himmelsbach die Stimme der Tochter ausdrucksstark. "Jazz Waltz No 1" komponierte Otto Schwarz im Stil des Swing. Dazu gehören Soli für Saxofon und Trompeten. Mit Sarah Himmelsbach (Saxofon) sowie Marvin Meier und Maximilian Griesbaum (beide Trompete) überraschten und überzeugen hier junge Musiker des Ensembles mit gelungenen Soloeinlagen. Der Beifall war hoch verdient.

Dass Helmut Dold ein begnadeter Trompeter ist, steht außer Zweifel – aber er versteht es auch, sein Wissen an den Nachwuchs weiterzugeben. So war der Schuttertäler – der bei "Musik und mehr" für beide Begriffe einstand – sichtlich stolz, dass die Solisten an der Trompete aus seinem Unterricht an der Lahrer Musikschule kamen. Sicher trägt da auch die Nachwuchsarbeit des Vereins in Wittelbach Früchte.

"The Girl from Ipanema" aus den frühen 1960er Jahren ist ein Klassiker des brasilianischen Bossa-Nova. Hier überzeugte Dold als Solist am Flügelhorn und als Sänger. Ein Lob gebührt neben dem Ensemble auch Dirigent Clemens Meier. Denn gerade das Stück über Ipanema, ein Vorort der Metropole Rio de Janeiro, hat es in sich: Die Melodie ist bekannt, aber das gesamte Ensemble muss unmittelbar zwischen den Tonarten Des-Dur und D-Dur wechseln. Gerade dieser Unterschied eines Halbtons gibt dem Stück im Mittelteil (mit dem dynamischen D-Dur) eine ganz andere Klangfarbe.

Des-Dur klingt gerade für Saxofone oder Bassinstrumente eher dunkel und melancholisch. D-Dur fordert dagegen Kraft im Ausdruck des Ensembles; die Tonart klingt weitaus lebendiger. Das Orchester und Dold als Solist stemmten aber auch diese Schwierigkeit mit Bravour.

Ebenfalls ungewohnt, aber erfreulich abwechslungsreich war die Moderation, die Gisela Griesbaum übernommen hat. Sie "schwätzte, wie ihr der Schnabel gewachsen war" – also auf gut Badisch. Dem stand Dold – jetzt ganz der "Hämme" – nicht nach.

Noch eine Überraschung war ein Duett im ersten Konzertteil. Was einfach als "de Hämme 2" auf dem Programmplan stand, war ein gesungener Flirt von Helmut Dold und seiner Frau Diana. Sie sang klar auf Hochdeutsch, der Hämme gewohnt Badisch. Schade war nur, dass die nicht besonders gute Akustik des Bürgerhauses dem gesungenen "Süßholzgeraspel" nicht gerecht wurde. Denn die Texte waren nicht zur Gänze zu verstehen.

Dold glänzte bei seinem ersten Soloauftritt mit einem badischen "Muggesäckele-Blues". Orchester und Solist spielten dann kongenial zusammen bei "The sunny Side of the Street", einem Musical-Klassiker von 1930. Damals hatte gerade die Ära des Swing und der Big-Bands begonnen. Das passte also sehr gut zu "Musik und mehr".

Zugaben waren ein Muss. Insgesamt hat der Musikverein aus Wittelbach mit diesem gelungenen Konzert einen neuen Weg mit Erfolg beschritten. Man darf also auf die Zukunft gespannt sein.

Die zwei vorderen Reihen im Seelbacher Bürgerhaus blieben am Samstagabend leider leer. Das ist schade, denn das neue Konzept, dass der MV Wittelbach mit viel Mühe und Arbeit auf den Weg gebracht hat, hätte mehr Aufmerksamkeit und einen ausverkauften Saal verdient gehabt. Das Orchester und die Solisten nahmen es sportlich. Den Auftritten war nichts anzumerken.

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