Musical-Premiere gelingt Die "Linie 1" ist bereit zur Abfahrt

Von Lisa Kleinberger

Mächtig Verspätung hat sie gehabt, die "Linie 1": Zwei Jahre mussten die Schüler des Hausacher RGG darauf warten, bis sie endlich einsteigen konnten. Die Wartezeit hat der Qualität aber keinen Abbruch getan, wie die Premiere am Freitag zeigte.

Hausach. "Es ist wieder Musical-Zeit in Hausach": So hatten die Verantwortlichen beim RGG die Aufführung von "Linie 1" schon 2020 angekündigt. Dass es dann noch einmal zwei Jahre dauern würde, bis die Schüler das Musical endlich aufführen konnten, war der Corona-Pandemie geschuldet. Trotzdem hatten die Verantwortlichen um Giovanni Gino Santo, Reinhardt Bäder und Ingo Franz sich dazu entschieden, die "Linie 1" starten zu lassen. Zwar teils mit anderer Besetzung als geplant, aber mit Erfolg. Die Premiere in der voll besetzten Hausacher Stadthalle überzeugte am Freitagabend auf ganzer Linie.

Berlin im Jahr 1986

Es ist das Jahr 1986, und Nathalie (Lia Brüstle) steigt am Bahnhof Zoo aus dem Zug aus. Die junge Westdeutsche ist auf der Suche nach dem Musiker Johnnie (Dominic Hesse in einer seiner drei äußerst unterhaltsam überzeichneten Rollen), den sie auf einem Konzert kennengelernt hatte. Auf der Suche nach ihrem Märchenprinzen lernt das Mädchen aus der Provinz schnell die unterschiedlichsten Charaktere Ostberlins kennen und gerät an den Drogendealer Bambi (Aaron Jehle), der ihr helfen will, Johnnie zu finden.

Zweigeteilte Großstadt mit unterschiedlichen Charakteren

"Linie 1" zeichnet ein tief gehendes Bild von einer zweigeteilten Großstadt. Mit Kleister (Tobias Thoma) und Lola (Magdalena Baljevic), Kunden von Bambi, wird der Drogensumpf mit all seinen schrecklichen Konsequenzen durchexerziert. Magdalena Baljevic glänzt in der Rolle als heroinabhängige Mutter und Prostituierte, zerrissen von der Sehnsucht nach ihrem Kind, das bei ihren Eltern aufwächst, und der Jagd nach dem nächsten Schuss. Aaron Jehle als ihr Dealer, eiskalter Geschäftsmann und schmieriger Aufreißer ist das perfekte Gegenstück in diesem tödlichen Spiel. Als das Schlimmste passiert, macht Tobias Thoma die Verzweiflung und Ohnmacht greifbar, die Lolas Partner Kleister verspürt.

Nathalies Suche nach ihrem Traumprinzen verläuft nicht ohne Selbstzweifel. Lia Brüstle bringt das stark rüber, sowohl schauspielerisch als auch gesanglich. Die Szenen sowohl mit Dominik Haas, der den Studenten Jan spielt, der sich in Nathalie verliebt, als auch mit Dominic Hesse überzeugen auf ganzer Linie. Und dazu lernt Nathalie einen ganzen Haufen schillernder Charaktere kennen, die das ganze Kaleidoskop der Großstadtbewohner von 1986 zeichnen: Vom gefrusteten Ehepaar über alkoholabhängige Obdachlose bis hin zu Rassisten unterschiedlichsten Alters. Die Lieder machen Spaß, haben den Beat der 80er – doch die Texte sind überraschend aktuell, wenn sie sich mit den Problemen der Zeit beschäftigen.

Bühnenbild stimmt bis ins kleinste Detail

Nur der Kanzler heißt heute anders. Wenn das Ensemble "Fahr’ mal wieder U-Bahn – Linie 1" trällert oder der Großstadt eine sehr deftige Liebeserklärung macht, bekommt man fast Lust auf eine Reise in die Hauptstadt.

Insgesamt ist das Niveau der RGG-Produktion durchweg wie gewohnt hoch: Starke Solisten und Schauspieler, die selbstbewusst und schlagfertig auf der Bühne stehen und sich auch nicht aus der Ruhe bringen lassen, wenn die Technik kurz streikt oder ein Einsatz nicht ganz passt – was ohnehin äußerst selten passiert. Die Chor- und Massenszenen stimmen bis ins Detail und lassen die wuselige, teils klaustrophobe Atmosphäre in der U-Bahn einer Großstadt lebendig werden. Die drehbare Bühne, die einen schnellen Wechsel zwischen Bahnsteig und U-Bahn-Wagen als Bühnenbild ermöglicht, war ein kluger Schachzug des Bühnenbau-Teams. Und das Bühnenbild stimmt bis ins Detail: Die Pendler lesen während ihrer Wartezeit in der Bahn sogar die "Berliner Zeitung".

Lang anhaltender Applaus ist der Lohn für die zahlreichen Personen, die auf, neben und hinter der Bühne für einen reibungslosen Ablauf und Musicalgenuss auf hohem Niveau gesorgt haben. Die mehrmaligen Zugaben gelingen da noch einmal besonders gut – dem Ensemble ist die Erleichterung über die gelungene Premiere ebenfalls anzumerken.

Eintrittskarten kaufen

Für das Musical "Linie 1" in der Hausacher Stadthalle sind für die Aufführungen am Mittwoch, 1. Juni, und Freitag, 3. Juni, noch einige wenige Karten bei der Firma Streit in Hausach und beim Sekretariat des RGG (nur vormittags) erhältlich. Eine Online-Buchung von Tickets ist nicht möglich. Über die Verfügbarkeit von Eintrittskarten wird auf der Internetseite www.rgg-musicals.de unter "Aktuelles" informiert. Dort gibt es auch sämtliche Infos rund um die "Linie 1".

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