Münchweier "Titelverteidigung wäre ein Traum"

Dominik Oswald aus Münchweier ist Trial-Weltmeister. Foto: privat

Seinen bislang größten Erfolg hat der Fahrrad-Trialer Dominik Oswald aus Münchweier im November 2019 gefeiert. Bei der Weltmeisterschaft im chinesischen Chengdu holte er die Goldmedaille, zudem ist der 23-Jährige vom MSC Münstertal derzeit die Nummer eins in seiner Klasse (20 Zoll) der Weltrangliste. Im Gespräch mit der Lahrer Zeitung berichtet er, wie es ihm nach seinem Titelgewinn ergangen ist und was seine Ziele für die Zukunft sind. Und natürlich wird auch Oswald durch das Coronavirus vor völlig neue Herausforderungen gestellt. Wie er damit in seinem Sportleralltag umgeht und welche Auswirkungen die Krise auf die Saison haben könnte, hat er unserer Zeitung erzählt.

Herr Oswald, in diesen Zeiten müssen wir natürlich auch über das Thema Coronavirus sprechen. Eigentlich wollten Sie bald nach Spanien zum ersten Wettkampf mit anschließendem Trainingslager fahren. Steht der Plan noch?

Nein, leider nicht. Die ganzen Einstiegswettkämpfe in den kommenden zwei Monaten wurden erst mal abgesagt, wie es danach weitergeht weiß man noch nicht.

Wie sieht‘s danach aus, Ende des Jahres steht ja wieder eine Weltmeisterschaft an?

Aktuell gibt es dazu noch keine Informationen. Der Termin steht noch, ob sie aber in China stattfinden kann, ist noch unklar.

Ist auch Ihr Trainingsalltag von der Corona-Krise betroffen?

Ja, in der aktuellen Situation wird es schwer, da auch mein Crossfit-Studio jetzt geschlossen hat. Ich habe schon mit meinem Trainer telefoniert und wir werden das Training in nächster Zeit ein bisschen umstellen und viel auf dem Rad machen.

Also kein Krafttraining mehr?

Doch. Ich mache mein Workout dann zu Hause mit einer Langhantel. Mal schauen, wie das wird. Aber solange ich nicht in häuslicher Quarantäne bin, werde ich weiter trainieren. Wichtig ist, dass wir flexibel und positiv bleiben. Denn natürlich hat die Gesundheit aller oberste Priorität.

Ein kurzer Blick zurück. Im Herbst wurden Sie Weltmeister. Den sozialen Medien und den Presseberichten zufolge waren Sie danach auf dem ein oder anderen Empfang?

Ja, tatsächlich dachte ich eigentlich nicht, dass es so große Kreise zieht mit dem WM-Titel. Aber es war dann schon recht extrem.

Inwiefern?

Ich bin eigentlich eher jemand, der nicht so gerne im Mittelpunkt steht und dann wurde es mir nach der Weltmeisterschaft echt teilweise ein bisschen viel.

Warum das?

Nach dem Titel kamen ganz viele auf mich zu und ich hatte echt viele Termine. Da wollte echt jeder was von mir. Da noch ein Videodreh oder ein Fotoshooting und dort noch einen Sponsorentermin. Der erste Monat nach der WM war echt Full House. Eigentlich wollte ich danach das Rad einfach mal in die Ecke stellen aber so richtig abschalten konnte ich direkt danach noch nicht.

Anderseits ist es ja eine schöne Anerkennung.

Ja, klar – der Rummel war auch schön. Wenn man durch den Sport bekannt wird, ist das natürlich auch positiv.

Das heißt in Ettenheim kennt Sie jetzt jeder?

Ja, hier kennt man mich schon. Ich wohne zwar erst seit Kurzem hier, aber ich hatte früher auch schon ein paar Show-Auftritte in Ettenheim. Und in meinem Heimatort Münchweier kennt sich ja eh jeder. So groß ist es nicht hier und die Leute kannten mich schon vor dem WM-Titel, auch wenn der natürlich noch mal mehr Leute anzieht als der Vize-Weltmeistertitel.

Hat sich denn mittlerweile der Rummel um Ihre Person wieder etwas gelegt?

Ja, absolut. Eigentlich hatte ich auch für mich gesagt, dass ich mit dem semi-professionellen Sport aufhören will, um auch die Techniker-Schule zu gehen.

Aber?

Es hat sich dann irgendwie etwas verschoben. Ich darf in dieser Saison bei jedem Wettkampf außer WM und EM das Regenbogentrikot tragen und mit der Nummer eins starten – da kann man nicht sagen, dass man aufhört. Das muss ich mitnehmen – auch nach 16 Jahren Leistungssport.

Also auch bei den Deutschen Meisterschaften, die – Stand jetzt – im Juli in Duisburg stattfinden und von der ARD übertragen werden.

Ja, genau. Die "Finals" sind für uns eine Mega-Chance, das kam im vergangenen Jahr sehr gut an. Und auch die Übertragung hatte ein gute Quote, sodass wir Trial-Fahrer auch in diesem Jahr wieder dabei sind. Diese Chance haben wir natürlich mit Handkuss angenommen.

Und das obwohl Sie nicht gerne im Mittelpunkt stehen?

Ja, es hält sich für uns als Randsportart ja alles noch in Grenzen (lacht). So lange wir nicht olympisch sind, geht das alles.

Und wie stehen dazu die Chancen, sieht man Sie irgendwann auf der ganz großen Bühne?

Ja, die Möglichkeit besteht tatsächlich. Wir haben vor zwei Jahren unser Regelwerk umgestellt, der Wettkampf ist jetzt dynamischer und für den Zuschauer interessanter. Das wurde tatsächlich hinsichtlich Olympia umgestellt, damit wir da attraktiver werden. Und die Chancen stehen ganz gut, dass wir bei der nächsten Wahl vielleicht reinrutschen. Das wäre dann 2028.

Wären Sie dann noch fit genug, um mitzumachen?

Schwer zu sagen – körperlich wahrscheinlich schon. Der älteste Trialer in den Top zehn der Welt ist derzeit 38, aber das ist schon eine Ausnahme. Eigentlich bin ich jetzt gerade im goldenen Alter, das geht das so bis Ende 20. Ich glaube also eher, dass ich als Betreuer oder Zuschauer vor Ort sein werde (lacht). Ich bin jetzt keiner, der sagt, dass er den Sport solange machen muss, damit er noch zum Olympia kann.

Aber wenn Sie als Betreuer mit wollen, werden Sie ja nicht ganz aufhören mit dem Trial-Sport?

Auf keinen Fall. Ich mache bei uns im MSC Münstertal schon viel und bin im Vorstand. Außerdem kümmere ich mich um die Radsportlizenzen und betreue auch die Kids. Wenn ich nicht mehr aktiv bin, sehe ich mich ganz klar in diesem Feld.

Nur bei Ihnen im Verein oder auch bei der Nationalmannschaft?

Ja, schon auch beim Verband. Auf diesem Weg kann ich dann auch was zurückgeben für das, was ich den letzten Jahren bekommen habe. Weil vieles läuft da im Ehrenamt und ich sehe mich dann auch in der Pflicht, etwas zurückzugeben.

Noch sind Sie aber aktiv, was sind sportlich die nächsten Ziele?

Der Traum wäre natürlich, den Weltmeistertitel zu verteidigen, keine Frage. Das wird aber auf jeden Fall schwierig. Viele sagen, es ist unmöglich, den Titel als amtierender Weltmeister noch mal zu gewinnen. Aber das sehe ich eigentlich nicht so. Wenn ich gut vorbereitet bin und alles gut läuft, ist das definitiv möglich und ich werde alles dafür geben. Aber ich bin auch nicht todunglücklich, wenn es nicht klappt. Mein allergrößtes Ziel ist aber, den Spaß nicht zu verlieren.

Insgesamt haben Sie ja ein ganz schönes Trainingspensum, wie lässt sich das mit Ihrem Beruf bei Herrenknecht vereinbaren?

Einen Full-Time-Job könnte ich bei 20 bis 25 Stunden Sport pro Woche nicht machen. Aber mit meinem Halbtagsjob pendelt sich es ganz gut ein. Im Winter arbeite ich mehr, im Sommer dafür weniger.

Herr Herrenknecht kommt mit dem Pensum klar?

Noch hat er sich nicht negativ geäußert, daher gehe ich davon aus, dass alles passt. (lacht) Manchmal kommt er auch vorbei und fragt, wie es so läuft.

Und Ihre Freundin?

Wir haben bestimmt nicht so viel gemeinsame Zeit, wie andere Paare haben – aber insgesamt hat es sich gut eingependelt. Ich arbeite meistens bis etwa 13 Uhr, gehe dann trainieren, esse etwas und trainiere noch mal. Dann komme ich so gegen 18 Uhr heim und dann geht das. Im Sommer, wenn ich die Wochenende unterwegs bin ich sie – verständlicherweise – nicht immer begeistert. Aber bisher passt es gut – ich hoffe, es bleibt so (lacht).  

Fragen von Felix Gieger

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