Mühlenbach Dirigenten sind eine große Konstante

Paul Neumaier (links) und Jürgen Brucker haben die musikalische Ausrichtung der Mühlenbacher Trachtenkapelle in den vergangenen 60 Jahren geprägt. Foto: Störr Foto: Schwarzwälder Bote

Die Mühlenbacher Trachtenkapelle feiert vom 12. bis 15. Juli ihr 125-jähriges Jubiläum. In der Reihe des Schwarzwälder Boten wird heute eine der großen Konstanten des Vereins vorgestellt: Die Dirigenten.

Mühlenbach. Paul Neumaier und Jürgen Brucker erzählen über das verantwortungsvolle Amt, das im Herbst in neue Hände gelegt wird.

In den vergangenen 95 Jahren der Vereinsgeschichte hat es mit Karl Neumaier (1924 bis 1956), Sohn Paul Neumaier (1956 bis 1998) und Jürgen Brucker (seit 1998) nur drei Dirigenten gegeben. In den Anfangsjahren der Kapelle wechselten die Dirigenten öfter. So stand der Haslacher Lehrer Lauble 1895/1896 in der Verantwortung, Vulkan-Meister Loob von 1896 bis 1900. Stadtkapellmeister Otto Fischinger von 1901 bis 1914 immerhin 13 Jahre lang.

Der Mühlenbacher Fridolin Kern dirigierte ab 1919 für drei Jahre und der Haslacher Wilhelm Hauer anschließend für zwei Jahre.

Karl Neumaier führte 32 Jahre den Taktstock

Mit Karl Neumaier begann eine neue Ära. 32 Jahre lang prägte er die Mühlenbacher Trachtenkapelle. Sohn Paul Neumaier ist heute 87 Jahre alt, stand 42 Jahre am Dirigentenpult und lebt für die Musik. "Als wir 1940 in die Kapelle eingetreten sind, waren wir eine größere Gruppe junger Männer", erinnert sich Paul Neumaier. Dass er einmal für 75-jährige aktive Mitgliedschaft im Verein ausgezeichnet werden würde, hätte er damals nicht im Entferntesten vermutet. Mit der Übernahme des Dirigentenstabs hatte er 1956 auch die Ausbildung der jungen Musiker übernommen. "Das waren immer zwei Jahre Theorie und drei Jahre am Instrument", erzählt Neumaier.

Die Kapelle sei schnell auf 40 aktive Musiker gewachsen und habe 1978 durch die gleichzeitige Ausbildung von 20 Jungmusikern eine enorme Verstärkung erfahren. Zu Beginn seiner Dirigentenzeit habe der damals 24-Jährige viele Noten, Märsche und das Mühlenbacher Lied selbst geschrieben, weil die Auswahl damals noch nicht besonders groß gewesen sei. Doch schon damals wäre das Neujahrs-Konzert in den Gasthäusern Sonne und Ochsen gespielt worden, seien kirchliche Feiertage, Hochzeiten und Jubiläen musikalisch begleitet worden.

Auf die Frage, was in seiner Amtszeit prägend gewesen wäre, lacht Paul Neumaier: "Dass keiner in den Proben raucht." Es sei ihm ein großes Anliegen gewesen, den jungen Musikern auch Werte des gesellschaftlichen Lebens zu vermitteln. Neben seinem Engagement für die Mühlenbacher Musik habe er 15 Jahre lang in der Tanzband "Blue Boys" gespielt und sei über das Kinzigtal hinaus zu Auftritten nach Karlsruhe, Freiburg, ins Renchtal oder ins Wolftal unterwegs gewesen, erzählt Neumaier.

Außerdem habe er einige Jahre im Haslacher Akkordeonorchester gespielt. Aufgrund seines Alters habe er 1998 den Dirigentenstab und die Verantwortung dann an Jürgen Brucker abgegeben. "Ich habe eigentlich alles von seinem Dirigat übernommen", macht Brucker es kurz und meint dann augenzwinkernd: "Ich halte den Laden eben zusammen." Er müsse nicht mehr so viele Noten selbst schreiben, sondern die Stücke eher an den eigenen Bedarf anpassen, verweist er dann auf Unterschiede. Allerdings benötige das Aussuchen der Stücke sehr viel Zeit, denn auch die Musiker sollen immer ihren Spaß haben.

Dass sich die Spielfreude dann aufs Publikum überträgt und große Hallen und Zelte bestens unterhalten werden, liegt ein Stück weit sicher auch an Jürgen Bruckers bekanntem Talent als Entertainer. "Eigentlich wollte ich zunächst zehn Jahre die Trachtenkapelle dirigieren, dann hat es sich immer weiter verlängert – und jetzt passt es, nach dem Jubiläum aufzuhören."

Die Mühlenbacher Trachtenkapelle sucht einen neuen Dirigenten. Für Jürgen Brucker wird das Jubiläum vom 12. bis 15. Juli und der dortige Auftritt im Rahmen des sonntäglichen Verbandsmusikfests der Abschluss seines Dirigats sein. Künftig wird er als Musiker eine neue Herausforderung annehmen, denn das Bariton-Saxofon ist in der Kapelle seit langen Jahren unbesetzt. Für den bisherigen Flügelhorn-Spieler und Instrumenten-Allrounder ein Ansporn, sich weiterhin gewinnbringend zu engagieren.