Mühlenbach Borkenkäfer profitiert deutlich

Mittleres Kinzigtal (lmk). "So langsam zeigt sich: Es gibt ein echtes Problem." So fasst Benjamin Menn, Revierförster des Forstreviers Mühlenbach-Hofstetten, die Lage hinsichtlich der anhaltenden Dürre zusammen. Während die Landwirte mit Futterproblemen und drohenden Ernteausfällen zu kämpfen haben, macht sich im Wald so langsam ein Schädling breit: Der Borkenkäfer. Bisher sei die Region glimpflich davongekommen. "Ich befürchte aber, dass es jetzt massiv zunimmt."

Der Käfer profitiert von der Trockenheit. Denn die Bäume, führt Menn aus, schützen sich normalerweise mit Harz vor dem Befall. Wenn der Borkenkäfer die Rinde anbohrt, wird er durch das Harz herausgespült. Jetzt können die Bäume aber gar nicht so viel Harz produzieren, weil ihnen das Wasser dazu fehlt. Der Käfer dringt in die Rinde ein und nistet dort. Menn berichtet im Gespräch mit dem Schwabo am Freitagmorgen, dass der Käferbefall inzwischen beginnt, flächig aufzutreten. "Wir beobachten die Bestände seit zwei Monaten intensiv."

Problematisch ist auch, dass der Käferbefall inzwischen tiefer in den Wäldern auftritt. Normalerweise nisteteten die Insekten eher in Bäumen in Randlagen, erklärt der Förster. "Durch die Hitze ist es dort aber schon wieder zu trocken. Die Tiere setzen sich im Inneren des Bestands fest." Da werden sie erst spät entdeckt – beispielsweise, wenn die Krone eines Baums braun wird. "Dann ist es aber meistens schon zu spät. Ich habe vor kurzem ein Käfernest gefunden, bei dem 16 Bäume befallen waren. Nur zwei von ihnen war das überhaupt anzusehen."

Gift soll nicht zum Einsatz kommen

Zur Prävention ist "Waldhygiene" angesagt: "Gift ist für uns die letzte Option, weil es auch andere Organismen schädigt." Befallenes Holz müsse schnell aus dem Wald entnommen werden und durchtrocknen. Momentan ist aber gerade der erste Schritt schwer, macht Menn deutlich: "Den Speditionen fehlen die Fahrer und die Sägewerke legen jetzt erst einmal eine Sommerpause ein."

Der Käfer ist aber nicht das einzige Problem. Die Notreife setzt ein, vielerorts ist auch schon zu beobachten, dass die Bäume in ihre Herbstphase eintreten. Das Laub verfärbt sich. Schlimm wird es, wenn die Bäume derart unter Trockenstress geraten, dass das Laub einfach abstirbt – dieses Schicksal kann dann auch den ganzen Baum ereilen. "Das ist besorgniserregend." Flächig werden die Wälder zwar nicht absterben, ist Menn sich sicher, aber die Situation spitzt sich zu. Im Grunde stünden die Bestände bereits seit drei Jahren unter Stress wegen ausbleibender Regenfälle. "Das öffnet Krankheiten, Insekten oder Pilzbefall Tür und Tor."

Der Klimawandel wird die Bestände im Schwarzwald auf eine harte Probe stellen. "Hier gibt es viele Fichten", erklärt der Förster, "deren Holz verkauft sich gut". Gerade in sonnenexponierten Lagen aber könne diese sich unter den vorherrschenden Bedingungen nur schwerlich halten. Tannen seien etwas robuster, aber Trockenjahre verursachten bei ihnen deutliche Wurzelschäden. Das Resultat: Mehr Sturmwurf. "Die Bestandsplanung ist also wirklich schwierig. Ich denke auch, dass wir mit der Douglasie Probleme bekommen werden." Sagt Menn und befindet: "Das ist gerade eine spannende Zeit."