Modellbauer mit Sonderauftrag Bernhard Stöhr zeigt Miniaturlandschaft

Adelbert Mutz

Eisenbahn: Bernhard Stöhr fertigt Miniaturlandschaft für Ausstellung in Karlsruhe / 32 Quadratmeter groß

Bernhard Stöhr aus Ettenheimmünster hat für eine Eisenbahnausstellung in Karlsruhe eine rund 30 Quadratmeter große Eisenbahnminiaturlandschaft gebaut. Sie ist vom 11. bis zum 28. November im Regierungspräsidium zu besichtigen.

Ettenheimmünster/Karlsruhe - Das Haus des 81-jährigen Modellbauers gleicht einem Museum für Miniatureisenbahnen und Flugzeugmodellen. Stöhrs Kreativität und Schaffenskraft scheinen auch im hohen Alter unerschöpflich zu sein. Zur Leidenschaft kommt seine Handwerkskunst als ehemaliger Blechner und Installateur sowie seine Bodenständigkeit. Anfang Januar sei er vom Regierungspräsidium Karlsruhe angefragt worden, ob er an einer Ausstellung teilnehmen würde. "Keine halbe Sekunde habe ich gezögert und sofort zugesagt", sagte Stöhr, als ihn unsere Zeitung zu Hause besucht.

Alle Metallarbeiten selbst übernommen

Sofort ging Stöhr ans Werk und baute extra für Karlsruhe auf der Terrasse seines Hauses eine gänzlich neue Anlage auf einer Fläche von rund 32 Quadratmetern mit Namen "Fantasia". Nun ist sie fast fertig.

Drei Themen sollte die Naturmodellbahn besonders prägen: Eine Säge- und Hobelwerkstatt mit Zubehör, die Lagerung und der Transport von Rundholz, und ganz aktuell "Nordstream II". Beim Landschaftsbau kam Holz aus dem heimischen Wald sowie Material aus seiner Werkstatt zum Einsatz. "Mensch Stöhr, du hast doch einmal Blechner gelernt", habe er sich gesagt und deshalb alle Metallarbeiten selbst gefertigt. Dabei ist er sehr detailverliebt. Auch zehn Waggons hat er selbst gebaut. Die Röhren für "Nordstream II" bestehen aus Kupfer, die auf Verladewaggons zum Transport bereitliegen.

Ralph Schlosser hilft bei der Elektronik

Alle zusätzlichen Holzarbeiten wie Ladegut für die Güterwaggons hat er selbst angefertigt. Kunststoffe verwendet Stöhr nicht. "Das was ich schaffe, hat mit meinem Leben zu tun", bekennt Stöhr, wobei die Kindheitserinnerungen prägend gewesen seien. Als Ministrant in Schweighausen habe ihn bereits der traditionelle ländliche Krippenbau fasziniert, der immer mit dem Sammeln von Holz, Wurzeln, Rinden und Moos begann. Und die Krippenfiguren wurden mit dem Laubsägebogen geschaffen, so Stöhr. "Damals schon habe ich die Leidenschaft zum Holz und zum kreativen Modellbau gespürt", sagte Stöhr.

In jüngeren Jahren zeigte er zunächst Interesse am Flugzeug-Modellbau und war auch Gründungsmitglied bei zwei Modellbauclubs. Doch das ständige Nach-obenSchauen habe ihm Nackenprobleme bereitet. Seit nunmehr 30 Jahren ist der Eisenbahn-Modellbau seine große Leidenschaft. "Man ist nie fertig", fügt er an – was aber keine Klage sein soll. Vielmehr ist er immer wieder auf der Suche nach etwas Neuem. Sein Fundus an Locks, Schienen und sonstigem Zubehör ist riesig.

Zu seiner wertvollen Sammlung gehören auch viele Utensilien und Originalteile der Eisenbahnromantik. Damit seine Züge auch durch die Miniaturlandschaft und die Tunnels fahren, hat Stöhr den jungen Ralph Schlosser aus Wallburg an seiner Seite, der sich um die Elektronik und die Programmierung kümmert. So fügt sich die langjährige handwerkliche Erfahrung des Seniors Stöhr mit der neuzeitlichen Technik der Jugend mit Ralph Schlosser zusammen.

Ans Aufhören denkt Stöhr noch lange nicht

Ans Aufhören denkt Stöhr mitnichten, die Einladung nach Karlsruhe ist für ihn eher Motivation weiter zu machen. Der Transport der Anlage wird von Karlsruhe organisiert. Die Geschichte des Eisenbahnbaus in Deutschland hat er an einer selbst gestalteten Infotafel in seinem Wohnzimmer, zugleich auch Arbeitszimmer, aufgeschrieben. Das Bild ist dann perfekt, wenn er sich daneben mit roter Zugführermütze, Münzgeldtasche, Fahrkartenknipser nebst Trillerpfeife präsentiert. Dann leuchten nicht nur die zwei alten Bahnlampen links und rechts, sondern auch seine Augen.

Die Ausstellung "Faszination Modellbau" kann vom 11. bis 28. November im Erdgeschoss des Regierungspräsidiums Karlsruhe am Rondellplatz besucht werden. Geöffnet ist sie montags bis donnerstags von 11 bis 18 Uhr und freitags bis sonntags von 11 bis 20 Uhr. Zu sehen sind zahlreiche Anlagen verschiedener Hersteller in unterschiedlichen Spurweiten auf insgesamt 550 Quadratmetern. Auf die Anlage von Bernhard Stöhr und Raphael Schlosser wird in der Ankündigung des Regierungspräsidium jedoch besonders hingewiesen.

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