Mittleres Kinzigtal Sieben Prozent der Züge sind zu spät

Mittleres Kinzigtal - Im Kinzigtal, vor allem an den Bahnhöfen Hausach, Haslach und Wolfach, kommt es seit einigen Monaten zu Zugverspätungen um fünf bis zehn Minuten. Die Gründe dieses Problems sind vielschichtig.

 

Die Südwestdeutsche Landesverkehrs-Aktiengesellschaft (SWEG) dementiert die Lage gar nicht. "Die Betriebsqualität zwischen Offenburg und Freudenstadt entspricht in der Tat nicht unseren Vorstellungen", bestätigt Matthias Laber, SWEG-Fachbereichsleiter für Betrieb Eisenbahn und Verkehrsplanung.

"Von generellen Verspätungen kann hier aber nicht die Rede sein", schwächt er den Eindruck ab, den so mancher Kinzigtäler Pendler in den vergangenen Wochen von der Ortenau-S-Bahn (OSB) gewonnen hat. Lediglich sieben Prozent der SWEG-Züge haben demnach im Monat Juli Ankunftsaufschübe in Hausach gehabt, die mehr als fünf Minuten dauerten.

Anschlüsse erreichen

Die Ursachen dafür sind hauptsächlich externer Natur. "Die Fahrzeiten zwischen Offenburg und Freudenstadt sind sehr eng bemessen", teilt Laber mit. Dies liege insbesondere an den zu erreichenden Anschlüssen aus dem Rheintal in Offenburg und in Freudenstadt nach Stuttgart. "Da keine Fahrzeitreserven vorhanden sind, wirken sich kleine externe Einflüsse unmittelbar aus", analysiert der Fachbereichsleiter der SWEG.

Das fällt auch den Reisenden und vor allem langjährigen Pendlern aus dem Kinzigtal auf, die regelmäßig mit den Zügen der OSB und SWEG unterwegs sind. So treten die Verspätungen demnach besonders beim Nachmittagsverkehr zwischen 14 und 18 Uhr auf. In den Sommerferien waren es gefühlt etwas weniger Verzögerungen, was mit den fehlenden Schülern zu tun habe, wurde vermutet. Andererseits waren vermehrt Fahrräder unterwegs, die jede Fahrt mit der OSB zu einer Art Lotterie werden ließen, ob neben den 20 Rädern noch Platz im Zug ist, schildern Betroffene, und wie viel zeitlicher Aufschub durch die Radler beim Ein- und Ausstieg entsteht.

Auch diese Ursache ist der SWEG bekannt: Zum Einen sind Laber zufolge durch die vermehrte Fahrgastnachfrage im Sommer, die insbesondere auf Fahrradfahrer zurückzuführen ist, die Ein- und Ausstiegszeiten an den Bahnhöfen gesteigert worden. "Zum Anderen ist aber auch die erhöhte Bautätigkeit auf dem Schienennetz ein Auslöser für diese Verspätungen", betont Laber. Dies sei auch zwischen Karlsruhe und Offenburg der Fall und wirke sich direkt auf die Ortenau-S-Bahn aus. Das liegt vor allem daran, dass die Schwarzwaldbahn den zeitlichen Aufschub nach Offenburg mitbringt, so der SWEG-Fachbereichsleiter. Die OSB werde sozusagen ausgebremst, da sie zwischen Offenburg und Hausach unmittelbar hinter der Bahn herfahren muss.

Ein weiterer aktueller Grund ist die Einrichtung von Langsamfahrstellen auf dem Schienennetz, die nicht im Fahrplan berücksichtigt worden sind, hebt Laber hervor. Diese sogenannten Geschwindigkeitsbeschränkungen, die wegen schlechter Fahrbahn installiert werden, treten im Sommer bei hohen Temperaturen auf. Aufgrund der Sonneneinstrahlung neige die Gleislage zu Veränderungen, begründet Laber.

Firma auch machtlos

Die Lösungsansätze? "Wir sind aber mit unserem Auftraggeber, dem Land Baden-Württemberg im Gespräch, und versuchen, eine Anpassung der Fahrzeiten zu erreichen", sagt er hoffnungsvoll. Dies sei der SWEG schon auf dem Abschnitt der Europabahn zwischen Kehl und Offenburg zum Fahrplanwechsel hin gelungen. Hierbei sollen weitere Fahrzeitreserven eingebaut werden, um die Pünktlichkeit zu verbessern. "Da es sich größtenteils um externe Einflüsse handelt, ist die SWEG weitgehend machtlos", weiß Laber aber auch.

Die Ortenau-S-Bahn (OSB) ist eine Marke der Südwestdeutschen Landesverkehrs-Aktiengesellschaft (SWEG). Sie fährt die Bahnhöfe unter anderem in Haslach, Zell, Steinach, Hausach, Offenburg, Wolfach, Schiltach, Schenkenzell und Freudenstadt an.

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