Missbrauchsskandal in Kirche Friesenheimer Pfarrer findet klare Worte

Christine Bohnert-Seidel
Die Katholische Kirchengemeinde möchte eine lückenlose Aufarbeitung. Der Pfarrgemeinderat will in einem Pfarrbrief und auf der Homepage eine Stellungnahme abgeben. Foto: Bohnert-Seidel

Die Katholische Kirche steht wegen den Missbrauchsskandalen scharf in der Kritik. Pfarrer Steffen Jelic und die Friesenheimer Kirchengemeinde beziehen Stellung: Sie wollen eine lückenlose Aufarbeitung und Anerkennung der Opfer.

Friesenheim - Die Katholische Kirchengemeinde Friesenheim steht klar für eine lückenlose Aufarbeitung der Missbrauchsskandale und Anerkennung der Opfer. Zudem will sie, dass Homosexuelle, Geschiedene und Wiederverheiratete als vollwertige Mitglieder der Katholischen Kirche anerkannt werden.

Den Menschen in der Kirche einen Ort des Wohlgefühl, des Innehaltens und der Neujustierung schenken: Dafür steht die Kirchengemeinde Friesenheim mit den Hauptamtlichen und den Hunderten von Ehrenamtlichen vor Ort. Sie besuchen Senioren, Kranke, Alleingelassene, singen im Chor, unterstützen in der Liturgie, arbeiten im Pfarrgemeinderat, in den Kindergärten, haben Ideen, gestalten und sind für ihre Nächsten da. Sie alle sind zutiefst erschüttert über das, was in der Kirche geschieht.

Pfarrer Steffen Jelic macht das seit Wochen immer wieder in seinen Predigten deutlich und sagt: "Vieles wurde und wird noch immer unter den Teppich gekehrt. Ausmaße angestauten Leids kommen an die Oberfläche. Widersprüchliche Aussagen von Bischöfen, selbst des emeritierten Papstes erschüttern." Respekt zollt Jelic all jenen, die den Mut haben, sich zu öffnen und an die Öffentlichkeit zu gehen. Doch noch immer würden viele Opfer leiden. Die Kirche müsse durch mutige Menschen einen neuen Weg einschlagen. Dazu gehörten auch Mitarbeiter der Kirche, die ihr Anderssein öffentlich zeigten. Diese Menschen müssten ernst genommen und wertgeschätzt werden. "Ich schäme mich dafür, dass Menschen in dieser Kirche Angst haben müssen", betont Jelic. Die Schöpfung Gottes sei unterschiedlich, so auch die sexuelle Orientierung oder Neigung der Menschen.

Aus aktuellem Anlass hat der Pfarrgemeinderat der Katholischen Kirchengemeinde Friesenheim in seiner jüngsten Sitzung Position bezogen. Martina Hamm, stellvertretende Pfarrgemeinderatsvorsitzende hat es auf die Agenda gebracht. Die Verzweiflung und Anteilnahme am Leid der Missbrauchsopfer kann der Rat nur schwer in Worte fassen: "Wir sollten nicht schweigen", betont Hamm. Nicht nur die konsequente und offene Aufarbeitung von Missbrauchsfällen müsse geschehen. "Die Katholische Kirche muss endlich zu anderen, gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften stehen", sagt sie.

"Wir müssen unsere Stimme erheben"

"Wir dürfen nichts unter den Teppich kehren", betont auch Jelic. Das Leid müsse anerkannt werden. Ihm graue davor, wenn jede Diözese ihr Gutachten veröffentliche und noch mehr zutage komme. Der Pfarrer bezieht klare Position: "Es ist eine Zeit, in der deutlich wird, dass es auch in der Kirche viel Schreckliches und Grausames gibt: Sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen und die damit verbundene schleppende Aufarbeitung." Strukturen müssten verändert werden, damit alle Menschen Heimat in der Kirche finden können. "Es gibt nichts Verborgenes, das nicht offenbar wird, und nichts Geheimes, das nicht an den Tag kommt", zitiert er einen Teil des Markus-Evangeliums.

Zur Prävention brauche es nicht nur Ansprechpartner auf der Ebene von Hauptamtlichen. Gefragt seien auch Ansprechpartner im Kreis der Ehrenamtlichen. Ein möglicher Ansatz wäre, bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Führungszeugnisse vorzulegen.

Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Stefan Moser stört sich daran, dass selbst nach zwölf Jahren noch immer ein emeritierter Papst von einem "komischen Verfahrensfehler" spreche und nichts gewusst haben will. Martina Hamm geht noch einen Schritt weiter und fordert: "Wir müssen unsere Stimme erheben und niemanden ausschließen. Dazu zählen auch Homosexuelle, Wiederverheiratete und Geschiedene."

Der Pfarrgemeinderat der Katholischen Kirchengemeinde Friesenheim werde in einem nächsten Pfarrbrief sowie auf der Homepage eine Stellungnahme abgeben. Die Kirchengemeinde beinhaltet die Pfarreien St.Laurentius in Friesenheim, Herz Jesu in Heiligenzell, St. Laurentius in Kürzell, St. Leodegar in Oberschopfheim, St. Michael in Oberweier und Mariä Himmelfahrt in Schuttern.

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