Menschen zeigen Solidarität Wehr sammelt 100 Tonnen Spenden für Hochwasser-Opfer

Mittleres Kinzigtal - Die Feuerwehr Zell hat am Wochenende eine Hilfsaktion gestartet und Spenden für die Opfer der Hochwasserkatastrophe in Dernau in der Pfalz gesammelt. Mehr als 100 Tonnen aus ganz Baden-Württemberg waren dabei zusammengekommen.

Bäche sind übergelaufen, Flüsse aus ihren Ufern getreten und Sturmfluten haben Häuser, Bäume und Landschaften zerstört. Auch die Gemeinde Dernau an der Ahr hat das Unwetter heftig getroffen. Die Feuerwehr Zell am Harmersbach hat nach den Sturmfluten am Donnerstag kurzerhand einen Spendenaufruf gestartet und Kleidung, Spielzeug, Decken und vieles mehr gesammelt. Mehr als 100 Tonnen sind dabei zusammengekommen, die eine Fahrzeugkolonne gemeinsam mit der Hausacher Wehr nach Dernau gebracht hat. Auch die Oberwolfacher Feuerwehr hatte ihren Nachbarverein unterstützt und Spenden nach Zell gebracht.

"Wir haben aus einer Schneeflocke eine Lawine gemacht. Die Resonanz war überwältigend", berichtet Kommandant Philipp Schilli. Er habe bereits seit Jahren guten Kontakt mit der Feuerwehr und anderen Bewohnern in Dernau gehabt und nach der Nachricht über das Hochwasser direkt versucht, Kontakt mit den dortigen Wehrmitgliedern aufzunehmen. "Das ist nach einigen Versuchen auch gelungen, obwohl dort der Strom und das Telefonnetz ausgefallen sind", berichtet Schilli weiter.

"Dann haben wir gefragt, was die Menschen dort brauchen. Das war einfach alles, Kleidung, Spielsachen, Decken – nichts war mehr da", so Schilli weiter. Über die sozialen Netzwerke habe er dann aus dem Urlaub heraus die Spendenaktion am Wochenende organisiert, schon nach fünf Minuten habe das Telefon bis Samstagabend nicht mehr stillgestanden. "Wir hatten aus dem ganzen Land Anfragen von Menschen, die helfen wollten. Auch Speditionen und Firmen aus der Region haben uns unterstützt."

Aus einem kleinen Sprinter, mit dem die Feuerwehr nach Rheinland-Pfalz fahren wollte, ist schlussendlich eine Kolonne aus zehn Fahrzeugen, darunter auch ein Transportwagen der Feuerwehr Hausach, geworden.

Am Freitag hatte die Feuerwehr den Hilfeaufruf gestartet, am Sonntagnacht um 4 Uhr ging es dann los nach Dernau. Rund 25 Helfer fuhren im Fahrzeugkonvoi ins Hochwassergebiet. Um 10 Uhr morgens dort angekommen, erwartete die Helfer ein Bild der Verwüstung und gleichzeitig der Ernüchterung: Das eigentliche Gelände, ein Lagerplatz für Treibstoffe, auf dem die Hilfsgüter abgeladen werden sollten, war mit Katastrophentouristen und großen Maschinen zugeparkt, sodass kein Durchkommen möglich war.

Grundstückseigentümer bietet Ablageplatz an

"Wir waren kurz davor, wieder mit Sack und Pack nach Hause zu fahren, weil wir unsere Spenden nicht abladen konnten", berichtet Schilli. Dann der rettende Anruf: Ein Grundstückseigentümer in der Nachbargemeinde bot an, die Spenden dort abzuladen und die Kinzigtäler mit Gabelstaplern zu unterstützen, sodass die Dernauer doch noch an ihre dringend benötigten Hilfsgüter gelangten.

"Die Lage vor Ort war wirklich grauenvoll, die Bilder aus dem Fernsehen können diese Situation gar nicht widerspiegeln. Als unsere Helfer am Sonntag um Mitternacht wieder bei ihren Familien im Kinzigtal ankamen, hatten viele noch Tränen in den Augen, als sie vom furchtbaren Schicksal der Menschen dort berichtet haben", so Schilli.

Die Aktion der Zeller Feuerwehr habe eindrucksvoll gezeigt, dass die Menschen in der Krise zusammenhalten und Solidarität zeigen. Einen zweiten Hilfskonvoi wollen die Zeller allerdings nicht mehr starten, die Region sei inzwischen an Hilfsgütern überlaufen. Was den Menschen nun am meisten helfe, sei eine Geldspende, berichtet Schilli (siehe Info).

Wer die Menschen in Derna an der Ahr (Rheinland-Pfalz) unterstützen möchte, kann eine Geldspende auf das von der Landesregierung Rheinland-Pfalz eingerichtete Hilfskonto überweisen. Sachspenden seien laut Feuerwehrkommandant Philipp Schilli schon genügend eingegangen, den Menschen helfe eine Geldspende nun am meisten. Wer spenden möchte, kann dies unter dem Kennwort "Katastrophenhilfe Hochwasser" auf das Konto der Landeshauptkasse Mainz mit der IBAN: DE78 5505 0120 0200 3006 06, BIC: MALADE51MNZ tun.

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