Meißenheim "Wir brauchen regionale Lösungen"

Von Lisa Kleinberger

Meißenheim. Den Bürgern ein würdiges Altern ermöglichen, unabhängig vom Geldbeutel: Darum ist es bei einem Fachgespräch gegangen, zu dem der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Fechner gestern in das Erika-Zürcher-Haus in Meißenheim eingeladen hatte.

Bei einer Führung hatten Fechner und seine Parteikolleginnen, die Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens und die Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle die Gelegenheit, das Erika-Zürcher-Haus näher kennen zu lernen. Die Einrichtungsleiterin Susanne Edinger führte durchs Haus, wobei schon Eckpunkte der Pflegediskussion zur Sprache kamen. So ist das Haus mit 50 Pflegebedürftigen, von denen zwei Drittel an Demenz erkrankt sind, voll belegt. Für diese gibt es eine Fachkraft, die die Nachtwache übernimmt. Das ist gesetzlich so vorgesehen. Baehrens, Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestags, stellte fest: "Das ist hart".

Edinger und Einrichtungsleiter aus Biberach, Sasbach, Ettenheim und Gernsbach, die Fechners Einladung gefolgt waren, diskutierten beim Fachgespräch mit den Politikern. Fechner erklärte, im kommenden Pflegestärkungsgetz zwei (PSG) gehe es darum, diejenigen zu unterstützen, die gepflegt werden – aber auch diejenigen, die pflegen. Baehrens ergänzte, mit dem PSG zwei würden wichtige Maßnahmen beschlossen, etwa eine Verbesserung der Leistungen der Pflegeversicherung sowie des Betreuungskräfteschlüssels.

"Wir können aber nur das Bestehende weiterentwickeln und nicht wieder bei Null anfangen", erinnerte sie. In Vorbereitung sei außerdem ein Pflegeberufegesetz, das eine generalistische Ausbildung anstrebe. "Damit wollen wir den Beruf stärken und zukunftsfähig machen." Einen Nachteil für den Altenpflegebereich sah sie nicht: "Ich bin davon überzeugt, dass das der richtige Weg ist. Wir müssen jungen Leuten auch Perspektiven geben, damit sie den Beruf ergreifen."

Markus Harter, Leiter des ASB-Seniorenhauses "Kapellenblick" Biberach, übte Kritik an den Pflegekassen. "Ich habe das Gefühl, dass wir ihnen ausgeliefert sind", von "Gängelei" war die Rede. Die Runde äußerte den Wunsch, dass im PSG zwei ein stärkeres Gegengewicht zu den Pflegekassen eingebaut werden sollte. "Wir haben es immerhin mit Bedürftigen zu tun, da können Entscheidungen nicht fünf Wochen verschleppt werden."

Die Erklärung Wölfles, die auch Landesvorsitzende des Arbeiter-Samariter-Bunds ist, aus politischer Sicht gebe es "genügend Pflegeplätze" im Bundesland, sorgte für Protest. Edinger erklärte: "Wir brauchen regionale Lösungen" – denn in der Ortenau, das wurde im Gespräch klar, bestehe ein Bedarf an mehr Pflegeplätzen. Die Wartelisten seien lang, außerhalb der Heimatregion wolle kaum ein Pflegebedürftiger versorgt werden.

Zum Fachkräftemangel erklärte Edinger: "Uns fehlt der Zivildienst." FSJ und Bundesfreiwilligendienst deckten den Bedarf nicht. "Wer in der Pflege arbeiten will, muss das vorher gesehen haben. Wir bekommen unsere Azubis über das FSJ oder Praktika", so Edinger. Für ausländische Fachkräfte sei die Anerkennung oft zu teuer und dauere zu lang. Außerdem wichen die Anforderungen von Land zu Land stark voneinander ab, auch innerhalb der EU: In Spanien etwa übernähmen die Angehörigen die Grundpflege. "Spanische Kräfte sind völlig überrascht, wenn sie das bei uns plötzlich machen sollen", so Harter.

Wölfle räumte außerdem ein, dass der Pflegeberuf besser mit der Familie vereinbar sein müsse. "Wir brauchen zum Beispiel auch mehr Kitas in der Nähe von Altenpflegeeinrichtungen."

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