Meißenheim Rocker-Invasion in Meißenheim: Lahrer Hells-Angels-Gründer Horst Walter beerdigt

Lahr/Meißenheim - Die Beerdigung des Lahrer Hells-Angels-Gründers Horst Walter (58) geriet am Samstagnachmittag zum Massenansturm von rund 1000 Rockern aus ganz Deutschland und vielen europäischen Ländern. Ebenso viele Bürger verfolgten den Biker-Korso.

Stimmung wie bei der Tour de France zwischen Lahr und Meißenheim. Samstag, kurz vor 14 Uhr. Die Sonne brennt 34 Grad heiß vom Himmel, als sich viele Schaulustige an der Strecke sammeln. Schon rund um das Clubheim der Lahrer Rocker am Flughafen, neben Zalando, stehen die Ersten, warten gespannt auf das Motorrad-Spektakel, das gleich beginnen wird.

Die Polizei ist unübersehbar im Einsatz. Ein gutes Dutzend Polizei-Motorräder rollt die geplante Fahrtroute des Trauer-Korsos entlang, an allen Kreuzungen stehen Streifenwagen, die Strecke ist fest ausgesteckt. Im Hintergrund halten sich Hundertschaften der Polizei bereit, unter anderem neben Schaeffler in Lahr sind Einsatzwagen stationiert. Für den Fall der Fälle, der jedoch zum Glück ausbleiben wird.

Campingstühle, Sekt und Kaffee und Kuchen

An der Route am Flughafen, über die Autobahnüberführung nach Kürzell und weiter nach Meißenheim hinein haben es sich Zuschauergruppen gemütlich gemacht. Bierflaschen zischen, auf Balkonen ist man in Sektstimmung, Campingstühle werden ausgepackt und an der Straße positioniert, Bierbank-Garnituren aufgestellt, Kaffee und Kuchen aufgetischt. Und natürlich werden die Handys gezückt. Das Spektakel, wenn Hunderte schwere Harley-Davidson-Motorräder an einem vorbeiwummern, wollen viele Schaulustige festhalten. An der großen Kreuzung in Meißenheim stehen alleine schon gut 300 Zuschauer.

Dann geht es los, der Tross der trauernden Walter-Freunde setzt sich am Angels-Place, dem Clubheim der Lahrer Rocker, in Bewegung. Aus der Luft zählt die Polizei rund 600 Maschinen plus 200 Autos, die dem schwarzen Pickup folgen, auf dem der weiße Sarg des Oberrockers aufgebahrt ist. Ein Polizeihubschrauber begleitet die Route von oben, er kreist über Lahr, Kürzell und Meißenheim, wo die Beerdigung stattfindet. Als die ersten Biker dort eintreffen, sind die letzten Autos in Lahr noch gar nicht gestartet. Ein Harley-Lindwurm, der sich kilometerlang hinzieht. Einmal, wird später zu hören sein, stoppt die Polizei schwerbewaffnet den Tross: einige Biker fahrren ohne Helm.

Schnell ist der provisorische Parkplatz am Friedhof zugeparkt. Alles wirkt bestens durchgeplant. Sogar ein Toilettenwagen steht am Parkplatz bereit. Ruhig steigen die Rocker von ihren Maschinen, sie parken halb Meißenheim zu. Sie kommen aus Süddeutschland, Hessen, Hamburg, München, der Schweiz, Schweden. Alle tragen schwarze Bikerkluft, fast ausnahmslos ohne die Kutten mit den Hells-Angels-Symbolen. Die dürfen sie seit rund zwei Jahren nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigen. Nur auf dem Friedhof, beim Hinablassen des Sarges, tauchen einige Kuttenträger auf.

Bei der Bestattung knattert der Hubschrauber störend laut über dem Friedhof. Es läuft Rockmusik, Ansprachen würdigen das Leben des Rockerkönigs, Kinder von ihm verabschieden sich mit sehr persönlichen Worten. Gut 1000 Freunde sind es am Ende, die ihm die letzte Ehre erweisen. Noch ein paar kurze "Angels forever"-Rufe am Grab, dann ist die Feier vorüber. Die Versammlung löst sich schnell und friedlich auf.

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