Meißenheim Pendeln zwischen zwei Dialekten

Um ins Training zu kommen, fährt der Meißenheimer Alexander Velz erst mal in die Schweiz. Beim Zweitligisten TV Möhlin ist er in Windeseile angekommen. Auch mit dem Schweizerdeutsch seiner Mitspieler hat er wenig Probleme.

Ein Gespräch – am Telefon – ohne das Thema Corona ist derzeit nicht möglich. So muss natürlich auch der Meißenheimer Handballer Alexander Velz, seit dieser Saison beim Schweizer Zweitligisten TV Möhlin unter Vertrag, erst mal Fragen zu diesem Thema beantworten.

Im Gegensatz zu Deutschland, wo der Handball-Spielbetrieb bislang nur ausgesetzt wurde, wurden bei den Eidgenossen direkt Nägel mit Köpfen gemacht: Die Saison in der Schweiz ist abgebrochen, eine Wertung findet nicht statt. Für Velz bedeutet das, dass er mit Möhlin – beim Stand des Abbruchs Tabellenführer – auch in der kommenden Saison in der Nationalliga B spielen wird. "Es ist sehr schade für uns, da wir uns schon gerne bis zum der Ende der Saison oben festbeißen und auf jeden Fall um den Aufstieg mitspielen wollten", sagt Velz, der die Torschützenliste der Liga mit großem Abstand anführt. "Aber auf der anderen Seite ist es so vernünftig, da man es – egal wie man es macht – keinem wirklich Recht machen kann und wird", hat er Verständnis für die Entscheidung. Ab der 3. Liga abwärts werde es wohl auch in Deutschland so kommen, vermutet Velz.

Momentan ist nur Lauftraining drin

Seine Premierensaison in der Schweiz hat damit ein abruptes Ende gefunden, das Training findet nun vorerst in Meißenheim statt. "Ich kann nur joggen gehen, mehr bleibt mir nicht übrig. Und ich habe noch zwei Hanteln", gibt er Einblick in seinen veränderten Trainingsalltag.

Veränderung ist ein gutes Stichwort. Wenn der normale Sportbetrieb beim TV Möhlin wieder weitergeht, verändert sich für Velz die Anfahrt. Denn während der rund 75-minütigen Fahrt (Velz: "Hört sich schlimmer an, als es ist") war er bislang nur Beifahrer neben seinem Coach Jürgen Brandstaeter, der ebenfalls aus Meißenheim stammt.

Schon in der Jugend der SG Meißenheim/Nonnenweier trainierte Velz unter dem ehemaligen Bundesliga-Torwart, bevor Velz 2017 zum damaligen Drittligisten SG Köndringen/Teningen ging. Bei seinem Wechsel nach Möhlin im vergangenen Jahr war die Personalie Brandstaeter als Trainer und Fahrer dann "ein Plus", wie Velz sagt. Erste Berührungspunkte zum Schweizer Verein hatte der Meißenheimer, als er mit Teningen beim Turnier in Willstätt gegen Möhlin spielte.

Doch wenn der Rückraumspieler, der am gestrigen Sonntag seinen 21. Geburtstag feierte, in Zukunft nach Möhlin fährt, fehlt Brandstaeter. Nach zwei Jahren beim TVM wurde sein auslaufender Vertrag nicht verlängert, mit Samir Sarac wird ein in der Schweiz bekannter Coach sein Nachfolger.

Aus rein sportlichen Gesichtspunkten sei diese Entscheidung zwar nicht verständlich, "aber das gehört zum Sport dazu", sagt Velz und verweist auf den ehemaligen Bayern-Trainer Niko Kovac. Was das für Velz selbst, der noch einen Vertrag für die kommende Saison hat, und seine Pendelstrecke bedeutet, ist noch unklar – man arbeite an einer Lösung, sagt er.

Noch keine langfristige Zukunftsplanungen

Was dann in Zukunft passiert, will Velz auf sich zukommen lassen. Derzeit fühlt er sich beim TV Möhlin sehr wohl und ist schnell angekommen. "Und das, obwohl ich einen starken Dialekt spreche", lacht er. Dennoch könne es auch passieren, dass er, wenn er mal nach einem Mannschaftsabend bei einem Teamkollegen übernachte, ein leichtes Schweizerdeutsch mit in die Ortenau bringe. "Mein Vater sagt dann: ›Jetzt sind wir wieder in Missne‹", erzählt Velz lachend.

Rechtshänder mit "zwei linken Händen"

"Missne" ist auch nach wie vor Velz’ Lebensmittelpunkt, bei Heimspielen des HTV Meißenheim ist er immer mal wieder in der Halle, zu den Spielern hat er ein gutes Verhältnis. Wie es beim ihm handballerisch weitergehen wird, "lasse ich auf mich zukommen". Würde sich die Chance auf einen Wechsel in eine höhere Liga bieten, "würde ich auf jeden Fall nicht nein sagen", ist er ehrlich.

Zunächst aber bleibt alles beim Alten. In der Schweiz wird Handball im Nebenjob gespielt, bei "Zürcher Bau" in Meißenheim wird gearbeitet. Dort ist der Neu-21-Jährige als Kaufmännischer Angestellter tätig, auf einer Baustelle sei er Fehl am Platz. "Ich habe zwei linke Hände", sagt er lachend. Außer beim Handball. Da sorgt er mit der rechten Hand für viele Tore.

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