Meißenheim Großes Kino in Meißenheim

Vor zweimal ausverkauftem Haus ist am Wochenende "Mißne – der Film" gezeigt worden. Mehr als 900 Zuschauer waren begeistert und gerührt vom unterhaltsamen Rückblick auf das Jubiläumsjahr.

Meißenheim. 130 Minuten lang unterhielten Regisseur Enrico Kurz und Wolfgang Hierlinger, der Vorsitzende des Lahrer Filmclubs, die Meißenheimer mit ihrer Momentaufnahme des Dorflebens. In seiner Hauptversammlung hatte der Heimat- und Kulturverein erst in der vergangenen Woche eine Förderung in Höhe von 11 000 Euro von der Regionalstiftung der Sparkasse für das Projekt erhalten. Zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Teilen des Films gab es eine halbstündige Pause, in der man sich mit Flammenkuchen, Bratwurst, Bier und Wein stärken und die DVD zum Film erwerben konnte.

Die erste Stunde zeigte ohne Kommentar, aber mit selbst komponierter Musik, Szenen von Veranstaltungen und Festen im Jahreslauf. Vom Neujahrsempfang über die Stammtischgeschichten, das Genussradeln, die Partynacht, das Stellen des Maibaums, das Bachpromenadenfest und die Kulturnacht bis hin zum Weihnachtsmarkt. Zwischendurch kamen mehrere Zeitzeugen zu Wort, die von bedeutsamen Ereignissen aus der Geschichte Meißenheims erzählen – die Rheinhochwasser zum Beispiel, von denen die Bewohner früher immer wieder betroffen waren.

Auch die Zeit des Nationalsozialismus im Dorf und seine Aufarbeitung werden nicht ausgespart. Der Dorfälteste Georg Kleis berichtete der Nachwelt, wie er das Kriegsende erlebt hat, aber auch davon, dass das Dorf beim Blumenschmuckwettbewerb in den 70er-Jahren Auszeichnungen gewann. In der Pause erzählte der mit 98 Jahren noch rüstige Rentner der Lahrer Zeitung darüber hinaus von seinem Berufsleben als Landwirt und Gärtner, als den man ihn auch in Lahr kennt. Mit den Büchern, die er zur Geschichte Meißenheims verfasste, und mit seiner reichhaltigen Erfahrung hat er einiges zu den Jubiläumsfeiern und zum Film beigetragen.

Ein Dorf im Spiegel der Zeit in 130 Minuten

Als Ehrengäste waren wie schon im Jubiläumsjahr s’Bodde Jockels präsent. Die Brüder Andres und Schakob Schäfer, verkörpert von Bernd Heimburger und René Wilhelm, führten sowohl auf der Leinwand als auch in der Halle durch den Jahreslauf. Die Brüder Schäfer waren einst jedem bekannt, denn sie lebten gemeinsam und ohne Frau im Dorf. Sie starben 1941 im Abstand von nur wenigen Monaten. Der Film erzählt zu Beginn des zweiten Teils, wie beide mit einem Raumschiff, dem neuen Rathaus nämlich, in Meißenheim landen und den Ort als Touristen erkunden – und zwar animiert von Bürgermeister Alexander Schröder.

Brüder Schäfer landen mit dem UFO

Der Rathauschef sah seine Gemeinde im Film treffend abgebildet: "Die Resonanz ist toll, wenn man jetzt hier durch geht", schwärmte er. "Es war schwierig für Enrico Kurz, das Jahr zusammenzufassen, aber wer alles miterlebt hat, bekommt einen schönen Rückblick." Es sei das Anliegen des Projekts gewesen, eine Momentaufnahme des Dorflebens zu erstellen, die nicht nur die Gemeinde zusammenschweißt, sondern auch späteren Generationen zeigt, wie 2017 das Jubiläum in Meißenheim begangen worden ist. Zwischendurch ist mit musikalischer Untermalung immer wieder die Natur rings um Meißenheim im Bild festgehalten.

In den Film, der an beiden Abenden gezeigt wurde, hatte Enrico Kurz Szenen aus der Aufzeichnung der Kulturnacht hinein geschnitten. Die dort vorgetragenen Anekdoten in Mundart sorgten nicht nur damals, sondern auch noch einmal während der Ausstrahlung am Wochenende für zahlreiche Lacher. So präsentierten etwa die Bachstreetboys noch einmal ihr Lied vom "Röslein auf der Heide". Udo Wäldin überreichte den Mitwirkenden und insbesondere Filmemacher Kurz und seinem Team den Dank und Präsente der Gemeinde. Der Premierenabend war somit erneut ein Beleg für das, was die Dorfbewohner über sich selbst sagen: "D’Missner sin andersch – un des isch güed so!"

Für den rund zweistündigen Film hat Regisseur Enrico Kurz rund 80 Stunden Material gesichtet, das er mit Unterstützung des Filmclubs Lahr mit drei Kameras seit Anfang 2017 gedreht hat. Die Doppel-DVD mit "Mißne – der Film" und der Aufzeichnung der Kulturnacht ist für 15 Euro in den Rathäusern erhältlich. Mehr als die Hälfte der produzierten Exemplare war nach dem Wochenende bereits verkauft.

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