Meißenheim Familie versucht, Betrüger zu schnappen

Es klingt wie eine Folge "Tatort", ist jedoch Realität: Nachdem die 81-jährige Erda Urbat aus Meißenheim von Trickbetrügern kontaktiert worden war, hatte sich die Familie vorgenommen, die Täter selbst zu überführen. Die Polizei rät davon Jedem ab.

Meißenheim. "Herzlichen Glückwunsch, Sie haben 42 000 Euro gewonnen", erklärte eine Frau der 81-jährigen Erda Urbat am Telefonhörer. Was die Frau am anderen Ende der Leitung am Montagnachmittag jedoch nicht weiß, ist, dass die Meißenheimerin eine ganze Familie hinter sich hat, wenn Betrüger versuchen, ihre Tricks bei der Rentnerin anzuwenden. "Wir haben meiner Mutter immer wieder eingetrichtert, dass sie uns bei einem solch dubiosen Anruf sofort informieren soll", sagte Elke Urbat-Heck gegenüber der Lahrer Zeitung. Und dieser Appell hat gefruchtet. Erda erzählte ihrer Tochter von dem vermeintlichen Gewinn und der vorher anstehenden Zahlung von 900 Euro Notarkosten. Zu viert – die "Notarin", die mit der Rentnerin telefoniert hat, ein "Lieferant" und zwei "Sicherheitsbeauftragte" – würden den Gewinn am Folgetag, gestern, zwischen 9 und 11 Uhr vorbei bringen. Zu dieser Zeit sollte Erda Urbat dann auch die 900 Euro parat haben, erklärte die Dame am Telefon den Ablauf.

Was Erda Urbats Tochter an der ganzen Sache am meisten beunruhigt habe, war die Tatsache, das die mysteriöse Anruferin alles über ihre Mutter gewusst hätte: von der Adresse bis hin zur Bankleitzahl.

"Fünf Familienmitglieder haben sich Zeit genommen, die Autos eine Straße weiter weg geparkt und sich im Haus versteckt", erzählte die Tochter den Plan, die Betrüger auf frischer Tat zu ertappen. Dazu kam es jedoch nicht: Kurz nach 9 Uhr wurde Erda Urbat nochmals angerufen, wieder von der selben Frau. "Der Besuch wird sich auf 13 Uhr verschieben", hieß es. Die 81-Jährige hat daraufhin einen Arzttermin am Mittag erfunden: "Entweder jetzt oder nie. Ich habe am Mittag keine Zeit."

Beendet worden wäre das Telefonat – in dem die Renterin immer weiter unter Druck gesetzt wurde – von ihrem Sohn. "Ihm ist der Kragen geplatzt", erzählte Elke Urbat-Heck. Die angebliche Notarin habe dann versucht, den Spieß umzudrehen und mit einer Anzeige wegen Beleidigung gedroht.

Angebliche Notarin droht mit Anzeige wegen Beleidigung

Der Pressesprecher der Polizei Offenburg, Rüdiger Schaupp, konnte sich ein Lachen nicht verkneifen: "Bei uns ist noch nie eine Anzeige von einem Trickbetrüger eingegangen", sagte er auf Nachfrage der LZ. Das Vorgehen der Familie Urbat bringe aber "leider" nicht viel. Er rät, sofort nach dem ersten Telefonat die Polizei zu informieren (siehe Info). Dies hat Elke Urbat-Heck gestern Mittag dann auch getan. Darüber hinaus hat sie die Gemeinde informiert, "damit die Trickbetrüger nicht doch noch ein Opfer in Meißenheim oder den Nachbargemeinden finden."

"Jede Zeit hat ihre Betrüger – leider", sagte Rüdiger Schaupp, Pressesprecher der Polizei Offenburg. So seien derzeit vor allem Enkeltrick- und Gewinntrickbetrüger unterwegs. Sein Appell lautet: "Gleich nach dem ersten Anruf sollten die Betroffenen sofort die Polizei informieren." Nur so gebe es die Chance, die organisierten Banden in die Knie zu zwingen. "Denn hinter den vier, die ein Opfer zu Gesicht bekommt, stehen weitaus mehr Hintermänner", weiß Schaupp. Die Betroffenen sollen sich keinesfalls unter Druck setzen lassen. "Bei seriösen Lotterie-Unternehmen werden die Gewinner nicht telefonisch, sondern meist schriftlich kontaktiert. Das sollte man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen", erklärte der Polizeibeamte. Neben der Anzeige wäre es äußerst wichtig, mit der Familie, mit Freunden und Bekannten – "mit so vielen wie möglich" – über den Vorfall zu sprechen. So hätten die Betrüger weniger Chancen, ihr Vorhaben ausführen zu können. Zum Thema "Daten der Personen" wusste Schaupp, dass diese im Darknet verkauft werden. So sei vermutlich auch die Bande, die Erda Urbat anrief, an die Bankdaten der 81-Jährigen gekommen. "Glücklicherweise sind die Banken für diese Fälle mittlerweile sensibilisiert", so Schaupp. Leider würden sich viele Ältere davor scheuen, bei einem Betrugsversuch die Polizei zu kontaktieren. "Sie glauben, sie würden belächelt und nicht ernst genommen, was jedoch keinesfalls so ist", weiß der Polizist.

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