Mehrere Demos in Lahr 450 Menschen stellen sich gegen "Spaziergänger"

Stefan Maier und Felix Bender

In Lahr stoßen die "Spaziergänger" auf immer mehr Widerstand: Am Montagabend waren die Gegendemonstranten erstmals in der Mehrzahl.

Mit knapp 400 Teilnehmern waren ähnlich viele Corona-Maßnahmen-Kritiker in der Innenstadt unterwegs wie in der vergangenen Woche. Bei den Gegenkundgebungen, die im Unterschied zu dem montäglichen Protestmarsch angemeldet waren, hatte es hingegen einen deutlichen Zuwachs gegeben: Allein am Rathausplatz hatten sich gegen 18.30 Uhr – und damit eine halbe Stunde vor Beginn des "Spaziergangs" – rund 400 Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen und andere Demonstranten versammelt. Federführend mit dabei war hier auch die SPD.

"Ziel ist es, auf die belastenden coronabedingten Zustände im Gesundheitswesen aufmerksam zu machen", hieß es im Aufruf zu der Kundgebung, die wieder der Krankenhaus-Arzt Wael Hamdan angemeldet hatte.

Die Satirepartei "Die Partei" war erneut mit einer Mahnwache auf dem Sonnenplatz vertreten. Dort zeigten gut 20 Menschen Flagge. Erstmals mit Gegendemonstationen waren neben der SPD die Lehrergewerkschaft GEW und die Grüne Jugend Ortenau in Lahr vertreten.

Unter den Kritikern der Corona-Maßnahmen würden sich viele Verschwörungstheoretiker und Rechtsextreme befinden, begründete Juni Schandl von der Grünen Jugend das Engagement beim Storchenturm, wo etwa 15 Menschen zusammengekommen waren. Unter dem Motto "Mahnwache statt Wahnmache – Wir holen uns die Stadt zurück" wolle man gemeinsam mit den anderen Organisationen zeigen, dass man Lahr nicht den Corona-Leugnern überlasse. Dem Aufruf der GEW zur Mahnwache am Rosenbrunnen waren mehr als 30 Menschen gefolgt.

Insgesamt hatten sich mehr als 450 Menschen den Gegendemonstrationen angeschlossen. In der vergangenen Woche waren es gut 100 gewesen.

Auch wenn es hin und wieder die eine oder andere verbale Auseinandersetzung zwischen "Spaziergängern" und Gegendemonstranten gab, blieb es wie an den vergangenen Montagabenden friedlich. Dass sich die Polizisten aufs Beobachten beschränken konnten, dürfte auch daran gelegen haben, dass die Teilnehmer des Protestmarschs den Kundgebungen buchstäblich aus dem Weg gegangen sind.

Info - Rückhalt von OB Ibert

Oberbürgermeister Markus Ibert hat die Kundgebungen gegen die "Spaziergänger" ausdrücklich begrüßt. Unterschiedliche Gruppierungen aus der Gesellschaft seien für die Einhaltung der Corona-Regeln und für ein solidarisches Miteinander in der Stadt auf die Straße gegangen, sagte Ibert am Abend im Gemeinderat. Mit Blick auf die "Spaziergänger" sagte der OB: "Der Dialog mit diesen Menschen bleibt eine wichtige Aufgabe für uns alle."

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