Mehr als 300 Arbeitsplätze Firma Benz verlässt Haslach

Lisa Kleinberger
Der Standort in Haslach wird für die Firma Benz Werkzeugsysteme zu klein. Sie zieht nach Gengenbach. Foto: Benz

Das Unternehmen Benz Werkzeugsysteme wandert aus Haslach ab – weil der Platz fehlt. Bürgermeister Philipp Saar fordert, die Interkom-Entwicklung wieder stärker in den Blick zu nehmen.

Haslach - Die Nachricht wird am Donnerstagvormittag offiziell: Benz Werkzeugsysteme, laut Internetseite der Stadt einer der größten Arbeitgeber in Haslach, wird den dortigen Standort aufgeben. Wie das Unternehmen mitteilt, ist ein Neubau in Gengenbach geplant. 17 Millionen Euro will die Firma dort investieren.

Keine Perspektive für Wachstum

Erst im August 2020 hatte Benz sein Werk in Rheinau geschlossen und angekündigt, seine Kräfte in Haslach bündeln zu wollen. Jetzt kommt also das Aus für den Standort. Der Grund? Laut Mitteilung will das Unternehmen in den kommenden Jahren expandieren. Aber: "In unseren aktuellen Räumlichkeiten in Haslach sehen wir langfristig leider keine Wachstumsperspektiven", so Geschäftsführer Oliver Baur in der Mitteilung. Ein Schlag für die Stadt.

Gewerbeflächen sind rar

Gewerbeflächen sind im Kinzigtal sehr gefragt und kaum vorhanden. Am Dienstag hatte Haslachs Bürgermeister Philipp Saar im Ausschuss des interkommunalen Gewerbegebiets Interkom, das sich auf Steinacher Gemarkung befindet, darum gebeten, dass die Frage nach der Weiterentwicklung des Gebiets kommendes Jahr wieder nachhaltig diskutiert werden solle.

Befürchtung: Mehr Firmen wandern ab

Mit Blick auf den Benz-Weggang wird er am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung deutlich: "Wenn vor Ort nicht endlich die Initiative zu einer Interkom-Erweiterung in Steinach angegangen wird, werden immer mehr Unternehmen in gestaltungswillige Kommunen abwandern. Die Menschen unserer Raumschaft haben es aber mehr als verdient, dass Kommunalpolitiker alles versuchen, um Arbeitsplätze vor Ort zu erhalten. Dafür werde ich mich auch weiter mit aller Vehemenz einsetzen und erwarte selbiges klares Bekenntnis auch von allen politisch Beteiligten."

Bürger entschieden 2015 gegen "Interkom II"

Am Dienstag hatte Haslachs Rathauschef auch die Gemeinde Steinach darum gebeten, das Thema erneut anzugehen. Im Jahr 2015 hatte es in Steinach heftige Debatten um eine Erweiterung des Gewerbegebiets gegeben. 53,6 Prozent der Steinacher hatten sich in einem Bürgerentscheid gegen ein "Interkom II" ausgesprochen. Nach drei Jahren ist ein Bürgerentscheid jedoch nicht mehr bindend, eine mögliche Erweiterung könnte also wieder diskutiert werden.

Nicolai Bischler, Bürgermeister von Steinach, beantwortete Saars Stellungnahme am Dienstag kurz und knapp: Der Gemeinderat werde dies zunächst intern besprechen, danach könne die Diskussion gerne auch im Interkom-Ausschuss wieder aufgenommen werden (wir berichteten).

Benz investiert in Gengenbach 17 Millionen Euro

Benz wandert ins Gewerbegebiet Kinzigpark in Gengenbach ab. Dort hat das Unternehmen eine Fläche von knapp 35 000 Quadratmetern erworben. Die Zahl der Mitarbeiter, aktuell mehr als 300, soll ausgebaut werden. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf rund 17 Millionen Euro. Der Baubeginn ist für Ende 2022 vorgesehen, so dass der Umzug spätestens Anfang 2024 stattfinden kann