Martin Groß muss gehen Kirchengemeinde Friesenheim schmeißt Chorleiter raus

Christine Bohnert-Seidel
Martin Groß ist nicht mehr länger Chorleiter in der Katholischen Kirchengemeinde Friesenheim. Die Kirchengemeinde hat die Zusammenarbeit beendet. Foto: Bohnert-Seidel

Mit einer ungewöhnlichen Nachricht sind die Leser des Pfarrbriefs überrascht worden: "Die Kirchengemeinde beendet Zusammenarbeit mit Martin Groß". Der Chorleiter ist von der Nachricht ebenfalls überrascht.

Friesenheim - Wörtlich heißt es: "Die Kirchengemeinde Friesenheim hat die Zusammenarbeit mit dem freiberuflich beauftragten Chorleiter Martin Groß beendet." Ausgesprochen wurde diese Beendigung bereits Anfang November und beruhe auf einem eindeutigen Beschluss aus dem Stiftungsrat, teilt Pfarrer Steffen Jelic auf Anfrage der Lahrer Zeitung mit. "Die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit mit Herrn Groß war mittlerweile nicht mehr gegeben. Es war nicht möglich, die freiberufliche Tätigkeit von Herrn Groß rechtlich korrekt festzuhalten. Es ist keine Entscheidung, die von mir alleine getroffen worden ist", betont Jelic.

Die katholische Kirchengemeinde danke Chorleiter Groß für die kirchenmusikalische Begleitung in den vergangenen Jahren. Diese Form der Trennung ist bislang einmalig in der Kirchengemeinde. Zu mehr wollte sich Pfarrer Jelic aus Rücksicht auf Groß sowie die beiden Kirchenchöre nicht äußern. "Wichtig ist, dass wieder Ruhe einkehrt und die Chöre sich im neuen Jahr wieder auf ihre Chorproben freuen", so Jelic. Persönlich unterstütze er die Vorstände der beiden Chöre auf der Suche nach einem neuen Chorleiter.

Martin Groß besteht auf Gegendarstellung

Martin Groß zeigt sich von der Veröffentlichung im Pfarrbrief überrascht. Er besteht auf eine Gegendarstellung. Der Kirchenmusiker betont: "Der Text stellt Behauptungen auf, die falsch sind." Tatsache sei, dass weder ein sogenanntes freiberufliches Beauftragungsverhältnis noch überhaupt ein vertragliches Verhältnis zwischen der Katholischen Kirchengemeinde Friesenheim und ihm bestanden habe. "Insofern konnte dieses auch nicht beendet werden", so Groß gegenüber der Lahrer Zeitung und merkt an: "Die Zusammenarbeit mit dem Kirchenchor St. Leodegar in Oberschopfheim besteht fort. Die Zusammenarbeit mit dem Kirchenchor St. Laurentius habe ich in Absprache mit der überwiegenden Mehrheit der Sängerschaft eingestellt, weil der Kirchenchor nicht mehr singfähig ist." Vielmehr habe Pfarrer Jelic gegen die Bestimmungen des Cäcilienverbandes verstoßen und so sehr in das Chorleben eingegriffen, dass man von einer Störung und versuchten Behinderung der Chorarbeit und damit einer Schädigung der Kirchenmusik der Kirchengemeinde sprechen könne.

Weiter fügt Groß in einer schriftlichen Stellungnahme an: "Da ich seit einigen Monaten Mitglied der Evangelischen Kirche bin, somit aus der Katholischen Kirche ausgetreten, besteht der durchaus begründete Verdacht, dass mich Herr Jelic als Chorleiter loswerden möchte. Herr Jelic hat mir ein seelsorgerliches Gespräch verweigert. Danach bin ich aus der Katholischen Kirche ausgetreten." Die Katholische Kirchengemeinde habe über die vergangenen Jahre von seinem Engagement als Kirchenmusiker profitiert. Seine Kirchenmusikalische Tätigkeit sehe er im Dienst der Ökumene.

Vielmehr führt Groß die jüngste Entwicklung auf das eigene Eintreten für Renate Delakowitz zurück, der nach einem Konfessionswechsel als Erzieherin, gekündigt worden war. Ganz gleich, was geschehen war, Kirchenmusiker Groß betont: "In jeder Form bin ich nach wie vor offen für eine gedeihliche Zusammenarbeit." Pfarrer Jelic dementiert die Vorwürfe von Groß: "Ich stehe grundsätzlich immer für ein seelsorgerliches Gespräch zur Verfügung."

Info: Zusammenarbeit
Zwanzig Jahre war Martin Groß Chorleiter des Friesenheimer Kirchenchores und weitere zehn Jahre hat der den Kirchenchor in Oberschopfheim geleitet und mit den Chören gemeinsam die Liturgie vor Ort gestaltet.

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