Mahlberg Wie Benz zum "Bank-Räuber" wurde

Weil sie gegen die Corona-Verordnung verstoßen haben und sich danach uneinsichtig zeigten, hat Mahlbergs Bürgermeister Jugendlichen ihren Treffpunkt weggenommen. Derweil wurde er selbst als angeblicher Regel­brecher angezeigt.

Mahlberg. Darüber redet die ganze Stadt: Rathauschef Dietmar Benz hat beim Bolzplatz zwischen Mahlberg und Orsch­weier eine Sitzbank abschrauben lassen. Grund: Sie war Sammelplatz junger Leute – auch in Corona-Zeiten. Die Meinung in der Bevölkerung ist geteilt. Von einigen gibt es Zustimmung, andere finden es überzogen, für manche ist es schon jetzt der nächste Fasentskracher. Benz selbst sieht sein Handeln als alternativlos und will es nicht zu hoch hängen, wie er der LZ erklärt.

Das Ganze liegt schon rund einen Monat zurück. Der Bürgermeister ist zwischen den beiden Ortsteilen unterwegs, als er auf einer Sitzbank am Wegesrand eine Gruppe Heranwachsender erblickt. "Sie waren zu sechst, saßen ohne Abstand und Maske beieinander." Wer Benz kennt, weiß, dass er keiner ist, der wegschaut, der sagt, wenn ihm etwas nicht passt, ein Mann mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn. Also spricht er die Jugendlichen an. "Ich machte sie auf die aktuellen Regeln aufmerksam und bat sie, sich daran zu halten."

Eigentlich hätte es das gar nicht gebraucht. Denn auf dem Freizeitgelände mit Bolzplatz und "Keinschuhpfad" stehen mehrere Schilder, die Benz’ Unterschrift tragen. "Bitte beachten Sie die Vorgaben der Corona-Verordnung BW", ist darauf zu lesen. Doch statt Einsicht schlägt ihm Patzigkeit entgegen, berichtet der Schultes. "Nach dem Motto: Wer bist du eigentlich?" Antwort: Stadtoberhaupt und damit Chef der Ortspolizeibehörde.

In dieser Doppelrolle fackelt Benz nicht lange, sondern beauftragt kurzerhand den Bauhof, den Schraubenschlüssel einzupacken und rauszufahren. Seitdem zeugen von der Sitzgelegenheit nur noch ein paar unscheinbare Bohrlöcher im roten Pflaster.

Benz, das ist ihm im Gespräch anzumerken, will der Sache nicht zu viel Raum und Aufmerksamkeit geben. Nicht, weil er nicht zu seinem Handeln stünde. "Es gibt einfach keine andere Möglichkeit, wie wir die Einhaltung der Corona-Regeln kontrollieren könnten." Punkt. Mahlberg hat keinen Ordnungsdienst, nach dem Rechten im Städtchen schaut meistens: der Bürgermeister. Meistens hat der aber auch Besseres zu tun, als renitente Jugendliche zurechtzuweisen und sich dafür "auch noch unflätige Bemerkungen" anzuhören. Schon während des ersten Lockdowns vor einem Jahr hatte Benz erklärt, dass er es begrüße, "wenn jemand Verstöße meldet". Das habe nichts mit Denunzieren zu tun. "Das ist Zivilcourage, ich würde sogar sagen Bürgerpflicht".

Apropos Denunziantentum: Davon war der Bürgermeister vor Kurzem selbst betroffen. Er wurde angezeigt, wegen eines Fotos in der Zeitung. Bei der Übergabe des neuen Löschfahrzeugs an die Mahlberger Feuerwehr ließ er sich Ende Dezember neben dem Kommandanten und dessen Stellvertreter ablichten. Einen Riesenschlüssel in der Hand, aber keine Maske im Gesicht. Da meldeten sich die Behörden. Der unbekannte Anzeigenerstatter habe, so Benz, argumentiert, man könne anhand der Körpergröße der Männer errechnen, dass sie den Anderthalb-Meter-Mindestabstand nicht eingehalten hätten. Der Rathauschef berichtet mit einem Lachen, das Verfahren sei mittlerweile eingestellt. Folgenlos blieb es freilich nicht: Er posiert seitdem nur noch mit Mund-Nasen-Schutz.

Zurück zum "Bank-Raub". Das Sitzmöbel ist eingelagert, zusammen mit vielen anderen: "Der Großteil der Bänke wird im Winter ohnehin reingeholt, um sie vor dem Wetter zu schützen und sie instandzusetzen." Jetzt sei es eben eine mehr. Richtung April, Mai, wenn die Sonne den Regen ablöst, kehren sie zurück an ihre angestammten Plätze, verspricht der Bürgermeister. Auch jene Bank, über die noch eine Weile geredet werden dürfte in Mahlberg und Orsch­weier.

Info

Nach der aktuellen Corona-Verordnung sind private Treffen im öffentlichen oder privaten Raum wie folgt gestattet: zwei Haushalte, maximal fünf Personen, Kinder bis einschließlich 14 Jahre zählen nicht mit. Eine "Notbremse" greift, wenn die Inzidenz in einem Landkreis über 100 klettert und dort drei Tage hintereinander bleibt. Dann gilt: Ein Haushalt plus höchstens eine weitere Person, unter 14-Jährige bleiben bei der Rechnung außen vor. Paare, die nicht zusammenleben, gelten stets als ein Haushalt.

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