Mahlberg Vermieter: "Wir sind entsetzt"

Viele Pakete, die es auszuliefern gilt: Die Eigentümer des Hauses in Orschweier brechen eine Lanze für ihre Mieter. Foto: Symbolfoto: Dese

Orschweier - Auf harsche Worte folgt eine deutliche Antwort: Nach der Kritik von Bürgermeister Dietmar Benz an der Wohnsituation von Paketzustellern in einem Haus in Orsch­weier melden sich nun die Vermieter zu Wort: Die Vorwürfe hätten sie "entsetzt".

Der Fall hatte über die Dorfgrenzen hinaus für Diskussionen gesorgt: In einem Haus in Orschweier, hieß es bei der Ortschaftsratssitzung im Juni, seien 23 Menschen gemeldet – allesamt osteuropäischer Herkunft und in der Zustellerbranche tätig. Es habe Beschwerden von Anwohnern über Müll, Lärm und wildes Parken gegeben; die Stadtverwaltung fürchtete ein Gesundheitsrisiko für die Allgemeinheit – Stichwort: Corona. Rathauschef Dietmar Benz untermauerte drei Wochen später im Gespräch mit der Lahrer Zeitung seine Bedenken. Unter anderem zog er eine Parallele zu den bundesweit diskutierten skandalösen Zuständen bei Großschlachtern.

Das wollen die Vermieter so nicht stehen lassen. Am Freitag ließen sie der LZ über ihren Anwalt eine Stellungnahme zukommen, um "die fehlerhaften und unsachlichen Gerüchte, die über unser Haus in Orschweier in Zusammenhang mit den dort wohnenden Mietern verbreitet werden", richtigzustellen.

> Weniger Bewohner: In dem Haus leben, anders als zunächst dargestellt, nicht 23 sondern nur 14 Menschen, schreiben die Eigentümer. Diese Zahl hatte auch Benz im Gespräch mit der LZ nach der Ortschaftsratssitzung genannt. Grund für die "fälschliche Meldung" ist laut den Hauseigentümern, dass die Mieter "als Ausländer es aus Unkenntnis versäumt haben, sich beim Auszug abzumelden und wir als Vermieter nicht für die Abmeldung akzeptiert wurden". Dieses Problem sei mittlerweile gelöst. Die Vermutung, es könnten Personen nach ihrer Abmeldung weiter im Haus wohnen, wird in dem Schreiben "ausdrücklich" zurückgewiesen.

> Ausreichend Platz:   Den Bewohnern des Hauses stehen laut den Eigentümern "Ein-Bett- und Zwei-Bett-Zimmer zur Verfügung, dazu zwei große Küchen und zwei geräumige Aufenthaltsräume. Es gibt vier Badezimmer und vier Toiletten auf einer gesamten Wohnfläche von über 300 Quadratmetern". Es handle sich nicht um eine Gemeinschaftsunterkunft, sondern um eine Wohngemeinschaft, wird betont. Angesichts der großen Wohnfläche könne keine Rede davon sein, dass die Mieter, "eng auf eng" zusammengepfercht seien und "Zustände wie bei Großschlachtern" herrschten.

> Lösbare Probleme: Sollten die "unspezifischen Vorwürfe" bezüglich Müll und Lärm gegen ihre Mieter berechtigt sein, könnten die Missstände von der Polizei "mühelos" gelöst werden, so die Hauseigentümer. Das Parkproblem hätten die Ordnungshüter "durch vereinzelte Bußgeldverhängungen beseitigt". "Allerdings", wird in dem Schreiben betont, "ist das Falschparken kein spezifisch osteuropäisches Phänomen."

> Wichtig für die Wirtschaft: Die Vermieter verwahren sich gegen eine Stigmatisierung von Ausländern: "Diese Arbeiter kommen im Rahmen der Schengener Verträge völlig legal als europäische Arbeitnehmer nach Deutschland. Sie kommen, weil sie hier angeworben und gebraucht werden. Ihre Arbeit ist schon deshalb so wertvoll, weil sie eine Lücke füllen und deutsche Arbeitnehmer offensichtlich nicht gefunden werden", heißt es in der Stellungnahme. Gerade in Zeiten von Corona sei die "Paketversorgung von besonderer Bedeutung". Und weiter: "Diese Arbeiter stärken nicht nur die Wirtschaftskraft unseres Landes, sie zahlen auch Steuern, die nicht zuletzt bei dem an Mitarbeiterzahlen orientierten Gewerbesteuerhebesatz auch den Kommunen, hier also Orschweier, direkt zugutekommen."

> Kein erhöhtes Gesundheitsrisiko: Der Sorge, ihre Mieter könnten aufgrund ihres Berufes eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung darstellen, treten die Vermieter entschieden entgegen: Der Kontakt zu einem großen Personenkreis "ist das Schicksal aller Menschen, die etwa im Einzelhandel als Verkäufer, in Bahn und Bussen als Fahrer oder Zugbegleiter oder (...) in allen Bereichen arbeiten, wo zurzeit noch wirklich gearbeitet wird und die öffentliche Versorgung sichergestellt wird". Es bleibe festzuhalten: "Von unseren osteuropäischen Mitbürgern geht keine spezifisch vermehrte Gefahr aus."

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