Mahlberg Nicht alles findet in den Vitrinen Platz

Auch wenn das "Oberrheinische Tabakmuseum Mahlberg" nicht wie geplant im Mai öffnen konnte, geht die Arbeit hinter den Kulissen weiter. Speziell das Exponaten-Lager des Museums wächst dank vieler Sachspenden noch immer beständig.

Mahlberg - Im Pariser Kunstmuseum des Louvre werden rund 345 000 Gemälde eingelagert, zehn Mal mehr, als an den Wänden aufgehängt werden können. Da kann Mahlberg noch nicht ganz mithalten.

Doch auch in dem vermutlich weltweit größten Tabakmuseum kann längst nicht mehr alles an historischen Schätzen den Besuchern vorgezeigt werden, was dort seit nahezu 40 Jahren – schon vor der ersten Museumseröffnung 1991 – für die Nachwelt gesammelt wurde und wird.

Rund 10 000 Exponate finden auf den Ausstellungsflächen in der ehemaligen Zigarrenfabrik in vier Etagen samt Tabakschopf und dem darunter liegendem Zigarettenkeller Platz. Doch noch einmal so viele Gegenstände aller Art schlummern im Archiv, darunter auch viele Dubletten etwa von alten Zigarettenschachteln, Pfeifen oder Aschenbechern.

Museumsleiter muss Stücke gut auswählen

Die Flächen des Museums können allerdings nicht mehr ausgeweitet werden, außerdem gilt es, die Museumsbesucher nicht zu überfrachten. Somit muss Museumsleiter Patrick Benz auswählen, welche Stücke er präsentiert, um die Kulturgeschichte des regionalen Tabakanbaus samt Verarbeitung zu zeigen.

Vor allem die kleineren Sachspenden reißen nicht ab. Auf der kontinuierlich wachsenden Inventarliste von Museumsleiter Benz nehmen etwa Zigarettenschachteln weiter zu, oftmals sind diese sogar noch original-gefüllt. Von ihnen können natürlich nicht alle in den Spezial-Vitrinen Platz finden, doch weggeworfen werden sie nicht.

Aktuell ausgestellt werden etwa kleine Dreierpacks der 1920er-Jahre für zehn Pfennige, sowie Zigaretten der Marken "Juno", "Overstolz" oder "Eckstein" mitsamt der DDR-Marke "Juwel" und der besser rauchbaren "Diamant". Die noch immer als Guinness-Rekord registrierte größte Zigarette der Welt mit 38,5 Kilo echtem Tabak wird ebenfalls ausgestellt – auch wenn sie natürlich niemals angeraucht werden wird.

Frisch eingetroffen ist ein Mini-Zigarettenpack, der mit exklusiven und besonders filigranen Zigarettchen in luxuriösen Schachteln auf die Damenwelt abzielte: "Lady" hieß das damalige Produkt und ist die möglicherweise kleinste in Serie produzierte Zigarette der Welt.

Doch auch wenn nicht alles ausgestellt werden kann, das Museum freut sich über jede neue Sachspende. Denn unter diesen finden sich auch immer wieder neue Schätze. Kürzlich wurde dem Museum etwa ein handgearbeiteter Aschenbecher aus München zugesandt.

Auch eine massive, silberne Schnupftabakdose aus Offenburg, die einst dem Mahlberger Zigarrenfabrikgründer Wilhelm Weinacker mit Namensgravur von seinem Onkel geschenkt wurde, traf vor Kurzem in Mahlberg ein. Das Stück aus der vorletzten Jahrhundertwende wird sicher noch einen besonderen Vitrinen-Platz finden.

Ebenfalls schwer zu toppen wird eine Pfeife von Herbert Werner sein, die seine Witwe dem Museum geschenkt hat. Auch eine Menthol-Zigarettenpackung von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt, die dieser für das Museum handsigniert hatte, wird ihren Platz in der Prominenten-Vitrine nicht verlieren.

Immerhin hatte Schmidt die volle Schachtel aus seinem einschlägig bekannten, großen Garagen-Vorrat mit herzlichem Gruß nach Mahlberg geschickt.

Neben Pfeifen, Zigarettenschachteln und Aschenbechern sind auch Zigarettenbilder beliebte Spenden, von ihnen gehen immer noch alte Sammelkataloge ein, die oftmals mehr als ein Jahrhundert alt sind.

Alles wird gut aufbewahrt

Eine Garantie, dass sämtliche dem Museum neu geschenkte Exponate dem Publikum zeitnah zugänglich gemacht werden, kann Museumsleiter Benz nicht geben. Jedoch: "Wir werfen nichts weg und archivieren es sorgsam!", betont er. Jedes gespendete Stück werde penibel registriert, katalogisiert und nummeriert, nicht zuletzt auch für die Versicherung.

Die Fachdokumente sind auch einsehbar, betont der Museumsleiter. Selbiges gilt auch für die immer weiter wachsende Zahl von erhaltenen schriftlichen Firmen- und Zeitungsdokumenten über die alte Tabak-Geschichte, die inzwischen zu einem europaweit gefragtem Archiv angewachsen sind. Das ist für die meisten Museumsbesucher zwar wenig interessant, doch immer wieder melden sich beim Museumsleiter Benz spezielle Interessenten dafür an.

So wenden sich etwa Fachleute für Recherchearbieten zu wissenschaftliche Ausarbeitungen an das Museum oder Besucher, die für Nachforschungen im familien-historischen Bereich die Dokumente einsehen wollen. Sogar ein Schriftsteller, der einen Roman über eine einstige Tabak-Dynastiefamilie schreiben will, hatte sich für die Dokumente interessiert.

Vergleichsweise unproblematisch ist das Platzproblem im Keller des großen Fabrik-Sandsteingebäudes, wo die historischen, handbetriebenen Tabakverarbeitungsgeräte ausgestellt werden. Dort sind etwa eine "Sackklopfmaschine" oder eine Windmaschine zu bestaunen, mit der per Kurbelkraft zuvor zerrissene Tabakteile von holzigen Blatt-Rippen getrennt werden konnten.

Auch die schweren Geräte im "Maschinensaal" dürften nicht mehr werden. Dort sind große, strombetriebene Verarbeitungsmaschinen des vorigen Jahrhunderts bis hin zu elektrisch aufgerüsteten Tabakroll-Automaten zu finden. Besorgt hatten sich die Museumsaktiven diese zumeist bei alten Fabrikauflösungen – doch die sind längst allesamt abgewickelt.

Auch die alten Verarbeitungsgeräte für die Bewältigung der regionalen Tabakernte dürften kaum Nachwuchs bekommen, denn, was damals nicht seinen Weg ins Museum gefunden hatte, wurde zumeist verschrottet. Der Rest wird in Mahlberg ehrenamtlich von Mechanik-Multitalent Bernhard Beier gewartet.

  • Bewertung
    0