Mahlberg Neue Friedhofsgebühren in der Kritik

Irene Bär
Wie hoch sollen die Gebühren auf dem Mahlberger Friedhof sein? Darüber diskutierten die Orschweierer Räte bei ihrer jüngsten Sitzung intensiv. Foto: Decoux-Kone

Bestattung: Vielen Orschweierer Räten sind die Kosten für die Hinterbliebenen zu hoch / Diskussion ums Baumurnengrab

Die neu kalkulierten Gebühren für den Friedhof haben zu heftigen Diskussionen im Ortschaftsrat Orschweier geführt. So waren unter anderem die 5251 Euro für ein Baumurnen-Doppelgrab vielen Räten zu hoch.

Orschweier. Da in Mahlberg neuerdings die Bestattung Verstorbener in Baumurnengräber angeboten wird, hat das Büro Schneider und Zajontz die kompletten Gebühren im Bestattungswesen neu kalkuliert. Die stießen bei der Orschweierer Ortschaftsratssitzung überhaupt nicht auf breite Zustimmung. So wurde bei Stimmengleichheit die vorgeschlagenen 50 Prozent Kostendeckungsgrad für Gebühren auf Bestattungen und die Gebühren für die Nutzung des Grabs, der Aussegnungshalle und der Kühlzellen abgelehnt.

Auf Kritik stießen auch die neuen Kosten für die Baumurnengräber. Die 5251 Euro Grabnutzungsgebühr für ein Urnenbaumgrab in Zweierbelegung kritisierte Stephan Hartmann mit deutlichen Worten. Denn in dem "all inclusive", wie Irmgard Denk vom beauftragten Büro anmerkte, ist auch eine kleine Grabplatte enthalten und die kostet alleine um die 2700 Euro. "Ist die denn aus Gold?" fragte Hartmann ironisch.

Für vernachlässigte Gräber muss mehr gezahlt werden

Wird eine Urne in einem Erdgrab zugebettet, kostet dies 649 Euro. In Anbetracht dessen fand Hartmann die Kosten fürs Baumurnengrab zu hoch, zumal man mit dem Spaten "gerade zwei Mal für ein fußballgroßes Stück" graben müsse. Nicht nur Hartmann schluckte schwer, als Denk erklärte, dass in die Gebühren für das Urnenbaumgrab auch die Infrastruktur wie Wege und Anlage eingerechnet werde.

"Happig" fand Dieter Beck die neuen Kosten für vernachlässigte und vorzeitig aufgegebene Gräber, die die Bauhofmitarbeiter mit Rasen einsäen und mähen. 105 Euro für ein Einzel- und 173 Euro für ein Doppelgrab sind dort veranschlagt, die Pflege vorzeitig aufgegebener Gräber ist mit 75 Euro (Einzelgrab) und 119 Euro (Doppelgrab) kalkuliert – pro Jahr. Laut Prognose müssen vier vernachlässigte und sieben vorzeitig geräumte Gräber so gepflegt werden. Zumal, wie Jannick Obergföll und Frank Zeller betonten, die Kosten rein "hypothetisch" seien, da die Hinterbliebenen oftmals nicht mehr zu ermitteln seien. Dass in diesen Gebühren auch der Verwaltungsaufwand miteingerechnet wird, wie Ortsvorsteher Bernd Dosch zur Verteidigung sagte, fand Obergföll ebenfalls nicht richtig. Indirekt sprach er eine doppelte Bezahlung der Friedhofsverwaltung an. Denn die würde eh schon dafür bezahlt, dass sie sich um den Friedhof kümmere. Jürgen Weber kritisierte den vorgeschlagenen 50 Prozent Kostendeckungsgrad für die genannten Gebühren und fand die Mehrkosten für die Hinterbliebenen zu hoch.

Denks und Doschs Appelle dass die Stadt und somit der Steuerzahler das zahle, was nicht von den Gebühren gedeckt werde, fanden wenig Gehör. Ebenso wenig wie der Verweis des Ortsvorstehers darauf, dass man mit diversen Versicherungen Vorsorge treffen könne, um die Kosten abzufedern.

Einzig dem, dass die Verwaltungsgebühren zu 100 Prozent erhoben werden sollen, wurde zugestimmt. Ebenso wie der Änderung der Friedhofssatzung, laut der nun auch die Asche Verstorbener am Baum in kompostierbaren Urnen bestattet werden muss.

Aktuell bieten in der Region nur wenige Gemeinden die Bestattung unter einem Baum an. In Lahr kostet ein Baumwahlgrab für eine Person 2000 Euro für 25 Jahre. Die Gemeinde Neuried verlangt 1423 Euro für zehn Jahre pro Baumgrab. Dabei handelt es sich beides Mal lediglich um die sogenannten Grabplatzgebühren. Für die Beerdigung selbst fallen weitere Kosten an.