Mahlberg Mahlberg: Digitale Syteme überzeugen nur bedingt

Ingenieur Patrick Glaser (links) zeigt, wie das Handy für die smarte Straßenkontrolle am Fahrzeug anzubringen ist. Foto: Symbolfoto: Vialytics

Mahlberg - Mit hochmodernen Systemen den Straßenzustand und die Verkehrszahlen erfassen – das hätte die Stadterwaltung gerne. Der Gemeinderat tut sich aber noch etwas schwer mit Mahlberg 2.0.

EnBW-Kommunalberater Daniel Kalt hatte am Montag zwei junge Männer aus Karlsruhe vom sogenannten Innovationscampus des Energieunternehmens mit ins Rathaus gebracht. Einer von ihnen: Patrick Glaser, Kopf des Startups "Vialytics". Dessen Idee: Statt wie bisher alle fünf Jahre ein Ingenieurbüro zu beauftragen, die Gemeindestraßen unter die Lupe zu nehmen, macht das die Stadt selbst. Einfach Handy an die Windschutzscheibe eines Bauhoffahrzeugs hängen, filmen und das Video­material später von einer Software auswerten lassen. Die künstliche Intelligenz soll in der Lage sein zu erkennen, wo die ärgsten Risse und Schlaglöcher sind, und der Bauhof ausbessern sollte.

Andere Kommunen nutzten das System schon und seien zufrieden, berichtete Glaser dem Gemeinderat. Auch Rathauschef Dietmar Benz zeigte sich angetan ("Bislang muss ich sagen, auf welcher Straße was getan werden muss"). Kostenpunkt für die smarte Straßenkontrolle: 100 Euro pro Kilometer und Jahr plus einmalig 1750 Euro für die Hardware (Handy). Bei drei Jahren Mindestvertragslaufzeit und 22 Kilometer Gemeindestraßen, über die Mahlberg verfügt, wären das rund 10 000 Euro brutto.

Der Gemeinderat war nicht restlos überzeugt, Ulrike Kesselring etwa der Ansicht, man könne "doch selbst mit offenen Augen durch die Straßen gehen", um zu sehen, wo Handlungsbedarf bestehe. Markus Kromer sprach das Offensichtliche, aber aus seiner Sicht wohl nicht Selbstverständliche an: "So ein System bringt nur etwas, wenn man die Ergebnisse ernst nimmt und zeitnah handelt." Bürgermeister Benz nickte. "Da muss der Bauhof dann hinterher sein, mit acht Mitarbeitern sind wir gut aufgestellt, da lasse ich keine Ausreden mehr gelten."

Das Gremium ging den Vorschlag, über die Investition in die digitale Straßen-Software während der Haushaltsberatungen zu entscheiden, mehrheitlich mit. Anders als bei der zweiten digitalen Revolution aus der EnBW-Ideenschmiede, die Christoph Grün an dem Abend präsentierte.

"Smight Traffic" zählt, vereinfacht gesagt, über eine Kamera, die an einem Laternenmast angebracht wird, den Verkehr, und zwar rund um die Uhr. Benz hätte eine solche Messstation gerne an der Kreuzung B 3/Stauferstraße, "damit wir endlich verlässliche Zahlen haben, um gegenüber den Behörden argumentieren zu können" – etwa beim Thema Lärmschutz.

Der Rat jedoch sah darin vergebene Müh’ und lehnte es bei nur zwei Ja-Stimmen ab, überhaupt über die Investition (10 500 Euro für drei Jahre) zu diskutieren. Für Rolf Baum macht das System "in Mahlberg keinen Sinn, weil keine andere Verkehrsleitung als über die B 3 möglich ist". Klaus Deutschkämer fände es "zwar grundsätzlich gut, über solche Datensätze zu verfügen". Doch ist er sich "sicher, dass die B 3-Umgehung kommt und wir deshalb keine Lärmschutzwand kriegen".

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