LZ testet TGV Zum Frühstück nach Paris

Annika Schubert

Seit ein paar Wochen fährt er wieder – der TGV, der Reiselustige  innerhalb von zweieinhalb Stunden von Lahr nach  Paris  bringt. Die LZ ist extra früh aufgestanden und  hat die direkte Zugverbindung  getestet.

Lahr/Paris - Wer zum Frühstück einen Abstecher nach Paris machen möchte, kann das nun wieder. Über den Sommer war die Zugverbindung von Lahr nach Paris, die Ende 2018 eingerichtet worden war, wegen der Pandemie ausgesetzt worden. Seit einigen Wochen hält der französische Hochgeschwindigkeitszug TGV auf seiner Fahrt in die französische Hauptstadt wieder in Lahr.

Wie kommt man an Tickets?

Die Fahrkarte kann auf der Webseite der Deutschen Bahn (DB) oder alternativ im DB-Reisezentrum im Lahrer Bahnhof gekauft werden. Besitzer einer DB-Reduktionskarte können diese für den Ticket-Kauf verwenden. Ohne Preisnachlass sind auch bei kurzfristigen Buchungen Tickets ab etwa 78 Euro verfügbar. Die Abfahrtszeiten sind hingegen vor allem auf Frühaufsteher zugeschnitten: Von Montag bis Freitag hält der aus Freiburg kommende TGV um 7.06 Uhr am Lahrer Bahnhof. Am Tag der Abfahrt stand die Textautorin zugegebenermaßen mit ziemlich verquollenen Augen am Bahnsteig in Lahr. Am Samstag gibt es keine Direktverbindung, am Sonntag kann man dann wieder einsteigen, um 7.37 Uhr. Mit einpacken sollte man auf jeden Fall den 3G-Nachweis, nach dem im Zug gefragt wird (siehe Info).

Wie läuft’s am Lahrer Bahnhof?

Ihr Auto hat die Textautorin während ihres eintägigen Paris-Aufenthalts am Lahrer Bahnhof geparkt. Wenn man vor dem Gebäude steht, gibt’s zu rechter Hand kostenfreie Parkplätze. Am Bahnhof herrscht um diese Zeit bereits reges Getümmel, doch nicht alle fahren nach Paris. Letztlich sind es nur etwa zehn Reisende, die in den heranrollenden TGV steigen. Ein Tipp: die Bahnhofsbäckerei hat um 7 Uhr noch nicht geöffnet, wer also plant, am Bahnhof zu frühstücken, sollte besser eine Stulle einpacken. Ansonsten heißt das deutsch-französische TGV-Team seine Gäste natürlich auch im zugeigenen Bord-Restaurant "les bienvenus".

Was muss man im TGV beachten?

Es herrscht keine freie Platzwahl, jedem Fahrgast ist per Ticket kostenlos ein Sitz zugeordnet. Letzteren sollte man auch einnehmen. Denn auch wenn in Lahr und Offenburg, wo der Zug um 7.18 Uhr einen kurzen Stopp einlegt, noch kaum Fahrgäste im Zug sind, wird es spätestens in Straßburg eng. Dort steigen um 7.46 Uhr hunderte Reisende ein, die alle darauf pochen, auf dem im Ticket vermerkten Sitz Platz zu nehmen. Da die Textautorin sich auf einen beliebigen Platz gesetzt hatte, sorgte sie für Chaos und Verwirrung bei den Zusteigenden. Nach etwa 20 Minuten hatten sich die Reisenden dann nach und nach in den Abteilen des zweistöckigen Zugs verteilt. Auch die Berichterstatterin fand schließlich den ihr zugeteilten Platz – "wagon 15, place 23". Wenn Ruhe eingekehrt ist und alle, wohlgemerkt mit Mund-Nase-Schutz, auf ihren Plätzen sitzen, kommt auch bald der Schaffner. Nach der Ticket-Kontrolle kann man sich auf der 540 Kilometer langen Strecke zweieinhalb Stunden entspannt zurücklehnen. Während die Sonne langsam aufgeht, ziehen die Landschaften der französischen Regionen Elsass, Lothringen und der Champagne-Ardenne bei einer Geschwindigkeit von 320 Stundenkilometern am Zugfenster rasend vorbei.

Wie läuft die Ankunft ab?

Angekommen am Pariser Ostbahnhof wird es dann kurz hektisch. Geschäftsreisende, die die nächste Metro erwischen wollen, drängen sich zu den Ausgängen, während andere noch versuchen, ihre Koffer aus den Gepäckablagen zu bugsieren. Es ist 9.35 Uhr und die Menschenmenge schiebt sich vom Gleis Richtung Bahnhofshalle.

Was kann man an einem Tag in Paris machen?

Je nachdem, wann die Rückreise eingeplant ist, bleiben einige schöne Stunden, um die französische Hauptstadt zu erkunden. Um möglichst viel von Paris zu sehen, empfiehlt es sich, ein gutes Paar Laufschuhe anzuziehen und die Stadt zu Fuß zu entdecken. So kann man etwa nach einem 20-minütigen Spaziergang den "Parc des Buttes-Chaumont", einen Landschaftsgarten im englischen Stil, erreichen und dort in der Sonne "croissant et café" auf einer Parkbank genießen. Auch die Basilika Sacré-Coeur im Pariser Künstlerviertel Montmartre ist fußläufig innerhalb von einer knappen halben Stunde zu erreichen. Eine andere Idee wäre es, vom Ostbahnhof Richtung Süden, sprich gen Seine zu laufen. Innerhalb von 30 Minuten erreicht man die "Île de la Cité", wo man das Voranschreiten der Restaurierungsarbeiten an der Kirche Notre Dame beobachten kann. Anschließend bietet sich ein Abstecher in das belebte "Quartier Latin", das Pariser Studentenviertel, an. Falls ein Spaziergang durch Paris nicht in Frage kommen sollte, gibt es am Pariser Ostbahnhof im Minuten-Takt fahrende Metros zu Museen und jeglichen anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Wann geht’s wieder zurück in den Schwarzwald?

Wenn man noch am gleichen Tag zurück in die Heimat möchte, gibt es unterschiedliche Ticketoptionen. Montags bis freitags fährt der TGV ab 17.23 Uhr direkt zurück nach Lahr. Genau wie am Morgen benötigt der Zug nur zweieinhalb Stunden. Um den Tag in der Weltstadt zu verlängern, gibt es auch die Möglichkeit, in einen Zug um 20.25 Uhr zu steigen. Allerdings mit zweimal umsteigen, in Straßburg und in Offenburg. Knapp vier Stunden dauert diese Fahrt und ist erheblich teurer als der Direktzug. Für Rückfahrten am Samstag oder Sonntag gilt der gleiche Fahrplan. Vielleicht sollte man allerdings wenigstens zwei Tage in der Stadt der Liebe einplanen. Die Textautorin war jedenfalls am Ende des Tages ziemlich abgekämpft.

Info: 3G-Regeln

Seit einigen Monaten muss man in Frankreich einen "Pass sanitaire", das Pendant zu den deutschen 3G-Nachweisen, mit sich führen. Und das nicht nur für Zugfahrten, sondern auch für jegliche andere Freizeitaktivitäten.

Na so was: Deutsche Note

Für einen Tag war ich mit dem französischen Hochgeschwindigkeitszug TGV von Lahr nach Paris gefahren. Nachdem sich meine Augen in der französischen Hauptstadt förmlich satt gesehen hatten, fühlte sich mein grummelnder Magen doch noch ziemlich vernachlässigt, forderte etwas französische Kulinarik ein. Ein Bistro unweit des Pariser Ostbahnhofs wurde zum Objekt meiner Begierde. Vor meinem inneren Auge sah ich mich, bei melodischer Chanson-Musik und an einem Gläschen "Vin Rouge" nippend, das Menü mit französischen Leckereien durchblättern. Gedacht, getan. So fand ich mich bequem sitzend auf den roten Polstersitzen des Bistros wieder und freute mich zusammen mit meinem deutschen Gaumen auf "Croque Monsieur", "Crêpes au beurre salé" und Konsorten. Mit einem freundlichen "bon appétit" wurden mir diese auch sehr bald serviert. Ein Tag in Paris ganz nach meinem Geschmack! Doch als ich endlich etwas gegessen hatte und meine Unterzuckerung damit beendet war, vernahmen meine Ohren nicht nur Chanson-Musik. Nein – ich hatte nicht bemerkt, dass keine Franzosen, sondern ausschließlich deutsche Ehepaare um mich herum Platz genommen hatten. Während die Ehefrauen versuchten, ihren Partner das Menü zu übersetzen, nahm ich Reißaus. Zu viel der deutschen Note mitten in Paris – wohl der Nähe zum Ostbahnhof verschuldet, an dem alle Deutschen die Rückreise in die Heimat antreten.

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